Designshop Fab: der Pechvogel des Web

Der Online-Design-Shop Fab wuchs einst schneller als Facebook, Twitter oder Groupon und hatte sogar in Europa die Klon-Konkurrenz der Samwers niedergerungen. Fab sah aus wie eine coole Version von Ikea. Dann drehte der Wind: Mitten im größten Internet-Boom-Jahr seit dem Jahrtausendwechsel geht Fab die Luft aus – das Management wechselt und eine Kündigungsrunde jagt die nächste. Im Internet-Boomjahr 2013 ist Fab im Rekordtempo vom Rising Star zum Pechvogel mutiert.

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Der Online-Design-Shop Fab wuchs einst schneller als Facebook, Twitter oder Groupon und hatte sogar in Europa die Klon-Konkurrenz der Samwers niedergerungen. Fab sah aus wie eine coole Version von Ikea. Dann drehte der Wind: Mitten im größten Internet-Boom-Jahr seit dem Jahrtausendwechsel geht Fab die Luft aus – das Management wechselt und eine Kündigungsrunde jagt die nächste. Wie konnte das passieren?

Es gibt diesen George Harrison-Song, der eine Hommage an die "Fab Four" der Beatles war: "When we was fab" – als wir fabelhaft waren. Beim Design-Shopbetreiber gleichen Namens dürfte inzwischen ähnliche nostalgische Gefühle aufkommen: Zu Jahresbeginn galt Fab als das heißeste neue Milliarden-Internet-Unternehmen.

Das von Jason Goldberg 2010 gegründete Start-up schien sich glänzend zwischen Amazon und Groupon zu positionieren: Designer-Produkte wurden so sogenannten "Flash Deals" online kurzfristig extrem vergünstigt angeboten.

Fab laufen die Kosten davon: Allein 2012 40 Millionen Marketingkosten

Vor ziemlich genau zwei Jahren fiel nur fünf Monate nach dem Start die Millionen-Nutzer-Marke – ein Meilenstein, den Fab schneller erreichte als Facebook, Twitter oder Groupon. Noch vor Jahresende 2012 folgte dann sogar der Durchbruch durch die 10-Millionen-Grenze. Die Zukunft konnte nicht glänzender aussehen.

Doch sie war teuer erkauft. Allein 40 Millionen Dollar des Wagniskapitals wurde in diesem Jahr für Marketingmaßnahmen herausgeblasen. Dazu kam die extrem kostspielige Expansion ins Ausland, bei der es sich Fab nicht nehmen ließ, mit den Samwer-Brüdern und ihrem Klon Bamarang den direkten Infight zu suchen.

Europäische Expansion in Berlin jäh gestoppt

Fab errichtete das europäische Flaggschiff-Office natürlich in Berlin und übernahm den deutschen Shopping-Portalbetreiber Casacanda. In Hamburg nahm die Expansion physische Ausmaße an: Im Frühjahr wurde der deutsche Luxus-Möbelbetreiber Massivkonzept samt Showroom im Stilwerk an der Elbe für 20 Millionen Euro aufgekauft.

Wenige Monate später dann die Rolle rückwärts: In einer harschen Kündigungswelle wurden 100 Mitarbeitern in Berlin entlassen und damit die Hälfte der Belegschaft zusammengestrichen. Ein Quartal später folgte dann auch die Konsolidierungswelle im Hauptquartier in New York: Ebenfalls 100 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Eine dritte Kündigungsrunde mit 50 weiteren Entlassungen folgte erst vor zwei Wochen. Andere gingen freiwillig, wie Marketingvorstand Beth Ferreira, die zum Jahresende ausscheidet.

Hoffnungsschimmer Zulily: Schon 4 Milliarden Dollar wert

In einem Jahr, in dem Internet-Unternehmen boomen wie seit 1999 nicht mehr und die Bewertungen fast wöchentlich in die Höhe schießen, ist Fab zum Pechvogel der Internet-Branche geworden: Das Geld wurde schlicht zu schnell verbrannt. Auch wenn die Umsätze 2013 auf schon 250 Millionen Dollar anziehen sollen, scheint weiter unklar, ob Fab jemals profitabel arbeiten wird. CEO Goldberg hat das Ziel zumindest bis Ende kommenden Jahres ausgegeben.

Hoffnungsschimmer gibt es zweifellos. Amazon kümmert sich seit Jahren nicht um Konzerngewinne, kann aber nachhaltig starke Umsatzanstiege vorweisen und fraglos profitabel arbeiten, wenn es denn wollte. Und dass modernes Social Commerce funktioniert, hat unlängst Zulily vorgemacht. Das „Groupon für Mütter“, das marginale Gewinne erwirtschaftet, ging erst vor zwei Wochen an die Wall Street und ist bereits mehr als 4 Milliarden Dollar wert.

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