„Galileo“: Neustart nach Studio-Sprengung

Zum Geburtstag gibt es einen großen Knall. In dieser Woche feiert die ProSieben-Wissenssendung „Galileo“ ihr 15. Jubiläum. Als Höhepunkt der Feierlichkeiten sprengen die Münchner am Freitag ihr eigenes Studio. Am Montag folgt der Neustart. Den braucht „Galileo“ auch. Die Mission für das Team und die neue Redaktionsleiterin, Katja Hahn, lautet: Mehr aktuelle Storys, wieder mehr junge Zuschauer und eine bessere Verzahnung von Web und TV.

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In den vergangenen Jahren wirkte der Klassiker unter den privaten Wissenssendungen schon etwas zu sehr wie ein gediegener Klassiker. Das soll sich mit dem großen Knall allerdings ändern. In neuer Studio-Kulisse soll die Sendung optisch und inhaltlich überarbeitet wieder durchstarten. Herzstück des neuen Studios ist eine große 12 x 4 Meter große LED-Wand. Sie soll dafür sorgen, dass – laut Sender – „virtuelle Screens und 3D-Instudiografiken die Realität und Virtualität miteinander verschmelzen“ lassen und so „faszinierende visuelle Effekte“ ermöglichen.

Das zeigt: „Galileo“ arbeitet an seiner Interaktivität. Am grundsätzlichen konzeptionellen Ansatz sollen sich allerdings nur Details ändern. „Wir machen Braintainment. Wir wollen Wissen und Unterhaltung verbinden“, erklärt Hahn gegenüber MEEDIA. „Dazu versuchen wir Themen zu finden, die eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen.“

Hahn will bei der Themenfindung verstärkt auf aktuelle News-Stoffe setzen. „So haben wir beispielsweise gerade ein Team auf die Philippinen geschickt, um für ‚Galileo‘ über die Sturm-Katastrophe und ihre Folgen zu berichten“.

Ein anderes Beispiel ist der NSA-Abhör-Skandal. Auch hier versuchen die Münchner, mit möglichst praktischen und wissenswerten Beiträgen die Zuschauer schlauer zu machen. Trotz der Neuerungen soll natürlich grundsätzlich das Alltagswissen im Vordergrund bleiben. Je aktueller und nachrichtengetriebener die Berichte von „Galileo“ werden, um so wichtiger wird es für die Redaktion allerdings auch, eine Haltung zu den Themen und Konflikten zu entwickeln, mit denen sich die Sendung beschäftigt. 

Mittlerweile kämpft die Sendung auch mit sinkenden Quoten. Vor allem beim Marktanteil muss sich das Vorabend-Magazin strecken, um die Zehn-Prozent-Markte zu knacken. Am gestrigen Montag gelang dies „Galileo“. Die Sendung erreichte 10,3 Prozent in der Zielgruppe. Der Senderschnitt lag im Oktober allerdings bei 11,9 Prozent.
Mit über 1,72 Millionen Facebook-Fans gehört „Galileo“ zu den erfolgreichsten deutschen TV-Sendungen in dem Social Network. Das kann Vorteile und Nachteile bringen. So blies im Sommer vergangenen Jahres ein Shitstorm, wegen der ständigen redaktionellen Ungenauigkeiten, das Team gehörig durch. Andererseits gelang es aber auch schon, die Community außergewöhnlich zu motivieren. So sammelte der Moderator Stefan Gödde mit einem Foto über eine Millionen Likes, damit er im Darth Vader-Kostüm eine Sendung bestreitet.

Um die Community kümmert sich in München ein Kollege. „Wir nehmen das, was unsere Facebook-Fans sagen, sehr ernst. Immerhin ist das die wohl direkteste Kritik, die wir bekommen können“, sagt Hahn.

Grundsätzlich will die neue Redaktionsleiterin die Web/TV-Verbindung stärken. Theoretisch bieten sich die „Galileo“-Inhalte auch durchaus für die Online-Verbreitung an. Immerhin beantworten sie oftmals sehr konkrete Fragen. Ein Umstand, den vor allem Google liebt. Um so richtig erfolgreich im Netz zu sein, reicht es allerdings nicht, die Berichte einfach eins zu eins zu übernehmen. „Im Internet werden Storys doch anders erzählt. Sie müssen schneller, klarer und inhaltlich manchmal auch platter sein“, erklärt Hahn.

Mit dem Relaunch der Sendung, wird sich aber auch das Storytelling von „Galileo“ stärker in diese Richtung bewegen. „Wir wollen in unserer Erzählweise etwas schneller und noch gründlicher werden“. Die überarbeitete Sendung soll unter anderem auch damit wieder mehr junge Zuschauer gewinnen.

Ein besonderes Kompliment bekamen die Macher von „Galileo“ gerade von einem ihrer Zuschauer. Die Sendung rettete sein Leben. Nur weil er einen Bericht über das richtige Verhalten beim Einbrechen auf zugefrorenen Seen gesehen hatte, konnte er sich befreien. Hahn: „Ein schöneres Lob können wir wohl kaum bekommen. Das ist Wahnsinn.“

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