XBox One & PS4: letzte Chance für Print

Wenn Microsoft und Sony dieser Tage die neue Spielkonsolen-Generation XBox One und Playstation 4 auf den deutschen Markt bringen, werden viele Gamer auch zum Kiosk gehen und eins der vielen Sonderhefte zum Konsolen-Launch kaufen. Die Special-Schwemme in den Regalen täuscht jedoch über eins hinweg: Es könnte die letzte Konsolen-Generation sein, die mit Print-Magazinen begleitet wird. Die Games-Fans wandern in Scharen vom gedruckten Heft ins Internet ab. Eine Bestandsaufnahme.

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Noch bis vor einigen Jahren war der Markt der Games-Magazine einer, auf dem Monat für Monat Millionen Hefte abgesetzt wurden. Springers Computer Bild Spiele verkaufte vor zehn Jahren noch mehr als 700.000 Exemplare, PC Games Ende 1999 mal mehr als 360.000 und GameStar noch bis 2005 mehr als 300.000. Doch von diesen vielen Käufern ist kaum noch etwas übrig. Die Computer Bild Spiele ist zwar weiterhin die Nummer 1 des Segments, verkauft aber inzwischen nur noch 134.871 Exemplare (IVW III/2013). Die anderen großen Titel sind längst unter die 100.000er-Marke gefallen: GameStar auf 82.567, PC Games auf 54.044.

Reine Konsolenmagazine sind nur noch ein kleiner Nischenmarkt: So verkaufte die GamePro zuletzt ganze 18.604 Hefte pro Monat, das PlayStation-Magazin play3 immerhin 27.575 und das XBox-Heft XBG Games mit 9.925 nicht einmal mehr 10.000. Andere Titel lassen sich schon gar nicht mehr von der IVW ausweisen. Und der Boden der Entwicklung ist noch längst nicht erreicht: Alle noch in der IVW enthaltenen Games-Magazine lagen auch im jüngsten Quartal unter dem Vorjahr, GameStar büßte dabei 22,4% ein, PC Games sogar 32,2% und XBG Games satte 35,9% – die beiden Letztgenannten allerdings auch wegen des Abbaus von sonstigen Verkäufen.

Kein Wunder, dass das Segment allmählich auch in der Titel-Vielfalt schrumpft. Die jüngste Hiobsbotschaft war die, dass der österreichische Verlag Consol-Media, der hierzulande auch zwei Magazine herausgebracht hat (Consol Plus und Gamers Plus) Insolvenz anmelden musste. Weitere Abschiede dürften folgen: drei Playstation-Magazine, drei XBox-Magazine, fünf oder sechs Multiformat-Titel und zwei für PC-Spiele scheinen angesichts der immer kleineren Käuferzahlen zu viel.

Doch wo sind die ehemaligen Leser geblieben? Vom Spielen haben sie sich auf jeden Fall nicht verabschiedet. So zeigt die Studie GameStat seit Jahren recht stabile Zahlen bei den Nutzern digitaler Spiele – rund ein Viertel der Über-14-jährigen Deutschen spielt. Im ersten Halbjahr 2013 setzte die Branche in Deutschland laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware BIU satte 752 Mio. Euro um, der Jahreswert von 1,851 Mrd. im Vorjahr soll durch das Weihnachtsgeschäft und die neuen Konsolen ein weiteres Mal übertroffen werden. Und: Ein Spiel wie Grand Theft Auto V verkaufte sich in Deutschland allein auf der Playstation 3 mehr als 1 Mio. mal in nur sechs Wochen, auf der XBox 360 immerhin mehr als 400.000 mal.

Also: Wo sind sie, die vielen Spieler? Woher bekommen Sie Ihre Informationen zu neuen Games, wenn nicht mehr aus gedruckten Magazinen? Klare Antwort: aus dem Netz. Die größte deutsche Internet-Seite zum Thema, spieletipps, die mit Tipps und Lösungen für Games gestartet ist, aber längst ein komplettes Magazin mit News, Tests und vielem mehr ist, erreichte im Oktober laut IVW 14,1 Mio. Visits – in etwa so viele also wie TV Spielfilm oder das Handelsblatt und mehr als Anbieter wie RP Online oder Spox.com.

Das Konglomerat aus diversen Websites, das von der IVW unter dem Angebots-Namen GameStar läuft, zu dem die eigentliche GameStar-Seite aber nur 56% der Page Impressions beiträgt, erzielte sogar 18,75 Mio. Visits, das Onlinewelten-Netzwerk erreichte 10,8 Mio. Besuche, pcgames.de 8,08 Mio. und pcgameshardware.de 5,74 Mio. Eindrucksvoll sind die Zahlen, die die AGOF ausweist. Nimmt man hier die größten zehn Vertreter der Branche, verfügen sie zusammen – netto – über 8,08 Mio. Unique User. Das entspricht dann schon 11% der Bevölkerung über 10 Jahren.

8 Mio. Leute, die sich im Netz – nur auf den zehn größten Angeboten – tummeln, um sich über Games zu informieren auf der einen Seite. Nur noch rund 400.000, die das mit Hilfe der zehn noch IVW-geprüften Print-Magazine tun auf der anderen Seite. Nirgends ist die Entwicklung von Print zu Online so dramatisch zu erkennen wie im Games-Journalismus. Ob es beim Launch der Playstation 5 und der nächsten XBox auch nochmal so viele Sonderhefte – und vor allem noch monatlich erscheinende Magazine am Kiosk gibt, erscheint da mehr als fraglich.

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