Weber: „Nehme Kritik nicht persönlich“

Der Eklat blieb aus. Der WDR-Rundfunkrat hat am Freitag beide Vorschläge von Intendant Tom Buhrow für die Neubesetzung der Direktorenposten Fernsehen und Hörfunk angenommen. Jörg Schönenborn wird demnach neuer Fernsehdirektor, die bisherige Geschäftsführerin von Antenne Bayern, Valerie Weber, neue Hörfunkdirektorin. Sie bekam sogar mehr Stimmen, als der sichere Kandidat Schönenborn. Die Kritik an ihrer Nominierung nehme sie nicht persönlich, sagte Weber. Sie stehe für "frischen Wind".

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Eine Verzögerung der nach dem Schluss der WDR-Rundfunkratssitzung anberaumten Pressekonferenz sorgte zunächst für Spannung. Würde der Rundfunkrat etwa den neuen Intendanten düpieren und seine Kandidatin durchfallen lassen oder in den zweiten Wahlgang schicken? Nichts dergleichen. Valerie Weber wurde sogar mit der großen Mehrheit von 40 Ja- und nur 3 Nein-Stimmen gewählt. Zuvor war der bisherige WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn mit 34 von 40 gültigen Stimmen zum nächsten Fernsehdirektor gewählt worden. Er folgt auf Verena Kulenkampff, deren Vertrag am 30. April 2014 ausläuft, Weber folgt auf Wolfgang Schmitz.

Im Vorfeld der Wahl gab es reichlich Ärger um die Nominierung der Antenne-Bayern-Geschäftsführerin Valerie Weber. In der Belegschaft des WDR-Hörfunks regte sich ungewöhnlich deutlicher Widerstand. 150 von 450 WDR-Hörfunkmitarbeitern unterzeichneten einen Protestbrief an Intendant Tom Buhrow. In dem Schreiben wurde die Frage aufgeworfen, ob jemand wie Weber, die ihr ganzes Berufsleben im privaten Formatradio verbracht hat, geeignet ist, die Hörfunkwellen eines öffentlich-rechtlichen Funkhauses zu verantworten. Ein weiteres Protestschreiben war von zahlreiche Moderatoren der WDR-Jugendwelle 1Live unterzeichnet.

Am vergangenen Mittwoch stellte sich Buhrow der Kritik der Mitarbeiter in einer außerordentlichen Redakteursversammlung. Beides – die Versammlung und die Protestbriefe – sind für den WDR keine alltäglichen Vorgänge. Valerie Weber hat viele Jahre lang sehr erfolgreich den Privatsender Antenne Bayern geführt. Neben ihren unbestrittenen Erfolgen als Radiomanagerin steht sie aber auch wie kaum eine zweite für kommerzialisiertes Formatradio – mithin genau das, was öffentlich-rechtliche Radiostationen genau nicht sein wollen und sollen.
Nach der Wahl stellten sich Weber, Schönenborn, Buhrow und Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des Rundfunkrats, der Presse. Valerie Weber sagte, sie sei “sehr glücklich und sehr erleichtert über dieses klare Ergebnis”. Es sei ein sehr mutiger Vorschlag des neuen Intendanten gewesen, sich im kompletten dualen System umzuschauen. Zur Kritik an ihrer Nominierung sagte sie: “Ich verstehe die Ängste, die im Haus herrschen. Ich finde, wir stehen mit der Gattung Radio vor ganz großen Aufgaben.” Sie wolle ein “tolles Programm auf allen Wellen” umsetzen und den anstehenden Sparkurs “kreativ lösen”.
Am liebsten hätte sie sich gleich ohne Fragen wieder verdrückt, aber ein paar Fragen durften dann doch gestellt werden, bevor sie loszog, um ihre neuen Kollegen kennenzulernen. Weber: “Ich bin für frischen Wind, insofern kann ich damit umgehen, wenn der Wind auch mal von vorne kommt.” Die Kritik nehme sie nicht persönlich: “Ich kenne niemandem beim WDR und niemand kennt mich. Das gibt mir das Vertrauen zu sagen, ich bin hier um Menschen zu gewinnen.”

Auf den ihr nachgesagten Hang zu Gewinnspielen angesprochen sagte sie: “Ich bin grundsätzlich für Interaktion im Radio.” Man brauche nicht zu fürchten, dass sie aus den WDR-Radiosendern Gewinnspielsender machen würde. Aber Spiele seien auch nichts “grundsätzlich Schlechtes”. WDR3 mache ja auch heute schon Gewinnspiele. Valerie Webers Spiel beim WDR kann nun also beginnen. Es zu gewinnen wird nicht ganz einfach werden.

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