Kai Diekmann wird zum Pressesprecher

Ganz schön crazy, diese Axel Springer AG. Bild-Chef Kai Diekmann kam via Twitter der Kommunikationsabteilung zuvor und twitterte die Pressemitteilung zu aktuellen Top-Personalien noch bevor sie auf der Homepage zu sehen waren. Gleichzeitig machen Gerüchte die Runde, Springer-CEO Döpfner wolle das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz nach Deutschland holen. Der Chip-Chefredakteur frönt seiner Liebe zu Retro-Technik und in München wurden die Reste von Marquard Medien weggekarrt.

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Ein Bild mit Symbolkraft:

Bauer verlegt nach der Übernahme von Marquard Medien (Cosmopolitan, Joy, Shape) den Glitzi-Verlag von der schicken Arabellastraße in München-Bogenhausen an seinen Standort im ganz und gar unglamourösen Stadtteil Neuperlach. In der Arabellastraße wurden diese Woche die letzten sichtbaren Überbleibsel von Marquard Medien abgeschraubt und weggekarrt. Die Firmenschilder sind demontiert und beim Clap Club spekulieren sie schon, ob vielleicht bald der ganze Standort München für Bauer Geschichte sein könnte. Würde zum aktuellen Trend passen: G+J zieht aus München ab. Der Focus zieht (teilweise) nach Berlin. Für den Verlagsstandort München gab es schon bessere Zeiten.

Dass Bild-Chef Kai Diekmann ein eifriger Twitterer ist, wurde das eine oder andere mal auch schon in dieser Kolumne thematisiert. Am heutigen Freitag hob er seine Twitterei wieder mal auf eine ganz neue Ebene. Statt Kabbeleien mit Kollegen, Lustigkeiten oder Lese-Tipps nahm Diekmann mal eben der Axel-Springer-Presseabteilung die Arbeit ab. Noch bevor die Springer-Pressemitteilung zu aktuellen Top-Personalien bei der Bild als E-Mail angekommen oder auf der Homepage online gestellt war, twitterte Diekmann eine Kopie der Pressemitteilung:

Bei einem Anruf, war sogar die Presseabteilung ratlos, was die vom Bild-Chef so eilig verbreitete Mitteilung betraf. Twitter lesen, dabeigewesen. Ob die resolute Springer-Kommunikationschefin Edda Fels das auch toll findet? Frau Fels ist nicht direkt bekannt dafür, dass sie sich gerne das Kommunikations-Heft aus der Hand nehmen lässt … (Update: Bild-Sprecher Tobias Fröhlich reagierte via Twitter auf diese Kolumne: "Eines können wir daraus lernen, Twitter ist mehr Echtzeit, als Newsletter und Webseiten – hier war das Upload-gap …" Upload-gap – wieder eine neues, tolles Wort gelernt!

Gerüchte-Alarm! Angeblich plant Springer-Oberboss Mathias Döpfner ein – huch! – neues Wirtschaftsmagazin. Als möglicher Chefredakteur wird der abgängige manager-magazin-Macher Arno Balzer gehandelt, der aber schon abgewunken hat. Springer verlegt ja in der Schweiz schon das Wirtschaftsmagazin Bilanz. Da spricht nun einiges dafür und einiges dagegen. Dagegen spricht: 1. Wirtschaftsmedien stehen unter Druck 2. „Bilanz“ ist jetzt nicht direkt ein supersexy Name für ein neues Magazin, 3. Ein Print-Wirtschaftsmagazin wäre so ziemlich das Gegenteil von Springers Digtial-Strategie. Dafür spricht: Die Medienbranche ist oft total gaga und kaum einer schert sich um sein Geschwätz von gestern. Prognose: Das Ding kommt!

Um mal mit dem Manufactum-Katalog zu sprechen: Es gibt sie noch, die guten Print-Dinge. Eines ging diese Woche an den Start: das Retro-Technikmagazin nemo aus dem Hause Chip. In der ersten Ausgabe geht es u.a. um Sonys Walkman, den ollen Brotkasten C64 und Polaroid-Sofortbildkameras. Allein das Wort “Sofortbild” hat in den Zeiten der Dauerberieselung mit digitalen Bildern einen hübsch rückwärtsgewandten Klang. Chip-Chefredakteur Josef “Sepp” Reitberger hat sich persönlich um nemo gekümmert. Sehr Nett: Im Heft steckte ein Polaroidfoto, das Reitberger mit den drei Technik-Altstars der ersten Ausgabe zeigt.

Heutzutage braucht man für so eine Optik einen Instagram-Filter.

Schönes Retro-Wochenende!

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