G+J: Neon und die Generation „Pfeffersack“

"Zeigt den Hamburger Pfeffersäcken eure lodernde Glut." Diese leidenschaftliche Forderung soll ein "Stern-Betriebsrat" an die Redaktionen der Gruner-Titel Neon und Nido gerichtet haben. Schreibt die FAZ am Freitag. Hintergrund: Neon und Nido sollen wie andere Münchner Titel nach Hamburg umziehen. Dabei gehe es "nur ums Kaputtsparen", so der anonyme Betriebsrat. Komisch nur, dass es keinen Stern-Betriebsrat gibt. Auch der Betriebsrat in Hamburg, Achim Diekmann, war nicht Urheber des Satzes.

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Seit feststeht, dass Gruner+Jahr seine Titel von München nach Hamburg verschickt, ist die Welt der erfolgreich positionierten Monatsblätter Neon und Nido aus dem Lot geraten. Erst wollte gar niemand aus der Redaktion in den Norden, nun scheint es einige Wechselwillige zu geben. Die bisherigen Chefredakteure, Vera Schröder und Patrick Bauer, haben allerdings bereits verzichtet. Als erste Beruhigungspille diente die Verpflichtung von Oliver Stolle als Chefredakteur, der aus der Redaktion kommt. Stolles Stellvertreter stehen seit kurzem fest.
Für die jungen Redakteurinnen und Redakteure kam die Ankündigung des Umzugs überraschend. Ebenso überraschend für den Verlag war aber, dass die Münchener in so großer Zahl den Wechsel nach Hamburg aus persönlichen Gründen zunächst verworfen haben. Sie stehen hinter den Titeln, doch mögen viele von ihnen einen Umzug mit Familie nicht übers Knie brechen. Wo es nun manchen Verlagen gar nicht so Unrecht ist, wenn bei Umzügen ein paar Mitarbeiter abspringen, verhält es sich im Fall von Neon und Nido etwas anders: Die Zeitschriften leben noch mehr als andere von der persönlichen Ansprache – hier braucht es Konstanten in der Redaktion. Dieselben Zeitschriften lassen sich mit ganz anderem Personal nicht machen.
Über die Sinnhaftigkeit des Umzugs der Münchner Titel, zu denen auch Eltern und P.M. gehören, darf gestritten werden. In erster Linie dient er dazu, die neue Strategie der "Communites of Interest" mit Taten zu unterstreichen. In der Bilanz dürften die Kosten für den Umzug so hoch ausfallen wie eventuelle Ersparnisse oder neue Geschäftsmodelle, die durch den Umzug erst möglich werden. Denn die "CoI" sollen erklärtermaßen zu mehr Innovationen bei G+J führen. Neon und Nido werden zusammen mit dem stern und Art in die Community "News" gesteckt. Doch innovativ, das lässt sich zweifelsfrei sagen, war vor allem Neon schon immer.
Und so steht die Frage im Raum: Macht G+J Neon und Nido mit einem Umzug kaputt? So jedenfalls sieht es offenbar der von der FAZ zitierte Betriebsrat, der sagte: "Kein Titel wird dadurch besser, dass er in Hamburg statt in München gemacht wird." Zu dem "Pfeffersack"-Zitat bekannt hat sich auf MEEDIA-Nachfrage bisher kein Betriebsrat. Um die Unruhe nicht noch größer werden zu lassen, hat G+J den Redakteuren nun länger Zeit gegeben, um sich für oder gegen einen Umzug zu entscheiden. Und aus Hamburg sollen die Titel dann auch erst ab Mai produziert werden. Möglichst viele Redakteure sollen mitkommen. Versprochen ist ebenso, dass die Titel, offiziell Ableger vom stern, von der Wochenzeitschrift "nicht untergepflügt" werden, d.h. eigenständig und unabhängig bleiben. Es gilt das gesprochene Wort. 

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