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Snapchat: Peinlich-Fotos mit Verfallsdatum

Der Wirbel um das Fotosharing-Netzwerk Snapchat wird immer größer. Erst die Bewertung von 3,5 bis 4 Milliarden Dollar. Dann die Übernahme-Offerte durch Facebook. Gestern eine erstaunliche Meldung, die das Abwinken etwas verständlicher erscheinen lässt: Auf dem gerade mal zwei Jahre alte Internet-Unternehmen werden schon mehr Bilder verschickt als auf Facebook. Und: 70 Prozent der Snapchat-Nutzer sind Frauen. Henry Blodget prophezeit Snapchat eine große Zukunft.

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Der Wirbel um das Fotosharing-Netzwerk Snapchat wird immer größer. Erst die Bewertung von 3,5 bis 4 Milliarden Dollar. Dann die Übernahme-Offerte durch Facebook. Gestern eine erstaunliche Meldung, die das Abwinken etwas verständlicher erscheinen lässt: Auf dem gerade mal zwei Jahre alte Internet-Unternehmen werden schon mehr Bilder verschickt als auf Facebook. Und: 70 Prozent der Snapchat-Nutzer sind Frauen. Henry Blodget prophezeit Snapchat eine große Zukunft.

Evan Spiegel hat eine Mission: Er will nicht der nächste Kevin Systrom sein – sondern schon eher der nächste Mark Zuckerberg. Bloß nicht unter dem Marktpreis verkaufen, lautet die Devise, der Snapchat in diesen Tagen nachzueifern scheint. Die Entwicklung von Instagram gilt in der Start-up-Szene als mahnendes Beispiel: Die ohne Unterlass boomende Foto-App hat vorgemacht, dass man auch zu früh verkaufen kann.      

Für rund eine Milliarde Dollar ging das damals gerade erst zwei Jahre alte Start-up im Frühjahr 2012 an Facebook, ein scheinbar lachhaft hoher Preis, der sich nach dem bemerkenswert verkorksten Börsengang auf rund 700 Millionen Dollar relativierte. 18 Monate später muss sich Kevin Systrom vorkommen, als habe einen Lotto-Jackpot nicht eingelöst: "Instagram wäre heute mindestens 15 Milliarden Dollar wert", rechnet der kanadische Vermögensverwalter Eric Jackson vor.

Zeitgeist-Phänomen Sexting: Schon mehr Nachrichten als Facebook

Den Jackpot will sich Evan Spiegel offenkundig nicht entgehen lassen, wie die überraschende Ablehnung einer Kaufofferte von Facebook über kolportierte drei Milliarden Dollar deutlich macht. Ziemlich offenkundig hat Snapchat die Argumente auf seiner Seite: Enorme 400 Millionen Bilder am Tag werden über den Fotosharing-Dienst verschickt – das ist mehr als über Facebook!

Keine Frage: Die viel diskutierte Foto-App ist heißeste Ding der Stunde. Snapchat ermöglicht das zeitlich begrenzte Verschicken von Fotos, die dann wieder gelöscht werden. Das als "Sexting" bekannte Zeitgeist-Phänomen – das Verschicken freizügiger Selbst-Aufnahmen im Social Web – erhält so endlich einen Kanal, der die peinlichen Entblößungen rückgängig macht – das Internet-Leben hat endlich ein Verfallsdatum bekommen. Die Gefahr, dass während der Veröffentlichung von geposteten Fotos Screenshots gemacht werden, besteht freilich trotzdem. Darum gilt nach wie vor die alte Regel: Wer keine peinlichen Fotos von sich online sehen will, sollte am besten erst gar keine hochladen!

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Generation Selfie: Rihanna und Kim Kardashian leben den Trend vor  

Überraschende Bekenntnis gestern am Rande einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs: CEO Evan Spiegel ließ durchblicken, dass erstaunliche 70 Prozent der Nutzer Frauen sind! Dabei war der Sexting-Trend vor allem durch die peinlichen Eskapaden eines Mannes befeuert worden: Der US-Abgeordnete Jeff Weiner versendete vor zweieinhalb Jahren Bilder seines erigierten Penis an eine virtuelle Affäre via Twitter, weil er das Direct-Message-Fenster mit dem normalen Tweet-Formular verwechselt hatte.

Doch in einer Welt, in der der Selfie (steht für Selbstporträts im Internet) bereits zum Wort des Jahres gewählt worden ist und Rihanna, Kim Kardashian oder Miley Cyrus expressiv vorleben, wie ordentlich gepostet wird, sind die weiblichen Nachahmerinnen nicht weit. Für die  boomende App der Stunde sind das hervorragende Nachrichten, schließlich umgarnt die werbetreibende Wirtschaft vor allem die konsumfreudige weibliche Zielgruppe.

Henry Blodget singt ein Hohelied auf Snapchat

Glaubt man Business Insider-Chefredakteur Henry Blodget, hat Snapchat auch jenseits der 3-Milliarden-Dollar-Bewertungsgrenze noch viel Luft nach oben. "Vor nur wenigen Jahren zweifelten die Leute, ob Twitter jemals ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln würde. Genauso wie bei Facebook. Und Google", erklärt der Gründer des Blogkonglomerats.

"Wird Snapchat ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell vorweisen können, von dem Insider heute übrzeugt sind? Man wird sehen. Es liegen eine Menge Hürden und Herausforderungen zwischen ‚dann‘ und ‚heute‘. Aber Snapchat hat eine berechtigte Chance, diese Vision zu erreichen", singt Blodget eine Hohelied auf Snapchat. In einer Welt, in der Twitter auf eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar und Dropbox 8 Milliarden Dollar kommt, erscheint Evan Spiegels Wette auf höhere Gebote zumindest dieser Tage nicht allzu abwegig.

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