Neues Magazin nemo: Zeitreise für Geeks

Sie hatten früher einen C64 und einen Walkman? Vielleicht auch ein Mofa? Und Sie erinnern sich an die Streits unter Schülern, welcher Füller denn nun der bessere sei: Geha oder Pelikan? Dann hätte der Chip Verlag da etwas für Sie: das neue Magazin nemo - Untertitel: "Technik. Damals. Heute". Auf 108 Seiten präsentiert nemo genau diese Themen - und das mit sehr viel Liebe zum Detail, Herzblut, Ahnung und guten Autoren. MEEDIA hat sich auf Zeitreise begeben und nemo gelesen.

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Das Konzept beschreibt Chip-Chefredakteur Josef Reitberger, der auch nemo verantwortet, in seinem Editorial mit persönlichen Erinnerungen: "der VW 1600 Variant zum Beispiel, in dem ich praktisch zur Welt gekommen bin, der erste Farbfernseher, der Apple IIe in der Schule, der eigene Commodore 64, mein erster Walkman, meine Vespa, mein Opel Kadett, die erste Begegnung mit Privatfernsehen per Satellitenschüssel, mein Amiga, die erste E-Mail, das erste Handy". Genau um solche Erinnerungen an Technik wird sich nemo drehen – subjektiv und doch stellvertretend für eine Generation, die mit Gadgets aufgewachsen ist, als es das Wort noch gar nicht gab.

Der Themenbogen, den nemo dabei schlägt, ist recht weit: vom Tamagotchi über Polaroid-Kamera und Walkman bis hin zum legendären Audi Quattro. Dennoch verbindet nahezu alle Themen der ersten Ausgabe ein Gefühl, dass sich vielleicht mit den Worten: "Ach stimmt, damals!" beschreiben lässt – auf jeden Fall, wenn man wie der Autor dieser Kritik im Jahr 1974 geboren ist.

Was nemo vor allem auszeichnet, ist die Liebe zum Detail, mit der die Themen aufbereitet wurden. So gibt es im Artikel zur Walkman-Historie u.a. einen Scan aus einer Original-Betriebsanleitung von damals, einen Ausriss aus einem Otto-Katalog – der Original-Sony-Walkman kostete fast 200 D-Mark – und ein amüsantes Poster des Münchner Verkehrsverbunds mit der Bitte, den Walkman nicht zu laut zu stellen: "Aus dem Walkman tönt es grell – Den Nachbarn juckt’s im Trommelfell".

Bei fast allen Artikel wird auch das "Heute" aus dem Untertitel des Magazins ernst genommen. So beschreibt der C-64-Text, wie man den alten Homecomputer zum Laufen bringt, das Interview mit dem Designer Hartmut Esslinger, der in den 1980er-Jahren legendäre Geräte für Apple entworfen hat, spannt ebenfalls den Bogen in die Gegenwart und Chefredakteur Reitberger ist für seinen Beitrag über den Audi Quattro im Jahr 2013 in das Traumauto seiner Jugend gestiegen.

Auch bei der Auswahl externer Autoren bewies man ein gutes Gespür. So wirkt Schauspieler Denis Moschitto ("Schule", "Nichts bereuen", "Almanya", etc.) als Kolumnist und beschreibt, warum ein iPad nicht den Charme eines C-64 hat. Was kaum jemand weiß: Moschitto war in seiner Jugend aktiv in der Hacker- bzw. Crackerszene und schrieb 1999 und 2000 mit Evrim Sen zwei Bücher zum Thema. Peter Glaser trägt einen Angst einflößenden, aber leider nicht ganz unrealistisch klingenden Ausblick auf die "Zukunft der Überwachung" bei und auch Michael Jürgs hat für nemo geschrieben – einen Artikel über Horst Herold und die von ihm erfundene Rasterfahndung.

Toll umgesetzt sind auch die Duelle der Kategorie "EntwederOder": "Adidas vs. Puma", "Thorens oder Technics" und eben "Geha oder Pelikan?" heißt es da. Für die kommenden Ausgaben bieten sich hier viele weitere Duelle an: Amiga oder Atari ST? Nintendo oder Sega? liegen zum Beispiel auf der Hand. Spannend ist zudem der Auftakt einer Serie darüber, wie die "Star Trek"-Technik Realität geworden ist. So hat schon Captain Kirk eine Art Smartwatch besessen und die "PADD"s aus den späteren Serien sahen ohnehin aus wier die heutigen iPads.

Das einzig Negative ist der Name: nemo ist ein viel zu austauschbarer Name. Man denkt nicht nur unweigerlich an den Fisch aus den Animationsfilmen, sondern auch an hässlichen Citroen Nemo, Kapitän Nemo und vieles mehr. 2007 und 2008 gab es sogar schonmal ein Magazin namens nemo. Unteritel: "Unterhaltung für die ganze Familie". Schade, dass die Macher bei der Namensfindung nicht so gut waren wie bei der Konzeption des Heftes.

Fazit: nemo ist eine großartige Zeitschrift, in der wohl jeder, der mit Technik aufgewachsen ist, in Erinnerungen schwelgen kann. Das Magazin kostet verhaltene 3,80 Euro, die Erstausgabe liegt am Kiosk, Nummer 2 folgt im März 2014.

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