WDR: Protest gegen Weber verschärft sich

Beim WDR formiert sich der Protest gegen die künftige Hörfunkdirektorin Valerie Weber, die bisherige Geschäftsführerin des Privatradios Antenne Bayern. Weber ist Wunschkandidatin von WDR-Intendant Tom Buhrow. Viele beim WDR-Hörfunk bezweifeln allerdings, dass der von ihr bislang vertretene Formatradio-Stil zum WDR passt. Mittlerweile kursieren gleich zwei Protestbriefe im Funkhaus und es wurde eine außerordentliche Redakteursversammlung einberufen.

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Über 150 von insgesamt 450 WDR-Hörfunkredakteuren haben einen Protest-Brief (der Kölner Stadt-Anzeiger hat ihn wörtlich veröffentlicht) namentlich unterzeichnet, der an Intendant Tom Buhrow gerichtet ist und sich kritisch mit der Berufung Valerie Webers auseinandersetzt. Weber sei ohne Zweifel eine sehr erfolgreiche Radiomanagerin. Allerdings habe sie ihre Erfolge über Jahrzehnte ausschließlich im Privatfunk erzielt. Und auch dort gilt sie als besonders starke Verfechterin eines auf Durchhörbarkeit getrimmten und kommerzialisierten Formatradios.

Die WDR-Redakteure fragen Buhrow in ihrem Brief: “Kann eine Persönlichkeit wie Valerie Weber plötzlich überzeugte Anhängerin des öffentlich-rechtlichen Systems sein und es in diesen schwierigen Zeiten mit Leidenschaft führen und nach außen verteidigen?” Der Brief verweist auf einigermaßen bekloppte Marketing-Aktionen von Antenne Bayern, wie zum Beispiel den jüngsten “Maibaumklau”, bei dem ein Moderator des Senders angeblich beim “Maibaumklau” “entführt” wurde und nur dadurch ausgelöst werden konnte, indem die Musiktitel “Last Christmas” und den “Bacardi Song” in Dauerschleife gespielt wurden. Man kennt solche PR-Mätzchen von einigen Privatradios. Antenne Bayern steht wie kaum ein zweiter deutscher Sender dafür, solchen Quatsch mit besonderer Hingabe zu pflegen und auch eine große Nähe zu Werbekunden zu haben.

Die WDR-Redakteure schließen mit den Worten: “Lieber Herr Buhrow, wir bitten Sie, unsere Fragen in einer kurzfristig einzuberufenden Versammlung zu beantworten (noch vor der Wahl Valerie Webers durch den WDR-Rundfunkrat).” Diese Versammlung soll am heutigen Mittwoch stattfinden.

Daneben existiert laut Süddeutscher Zeitung noch ein zweites Protestschreiben gegen die Berufung von Valerie Weber im WDR, unterzeichnet von fast allen Moderatoren der Jugendwelle 1Live. Das ist darum bemerkenswert, weil 1Live von den WDR-Radioprogrammen einem kommerziell orientierten Privatprogramm sicher noch am nächsten kommt. Aber der erfolgreiche Sender ist auch widerborstig und selbstbewusst. In dem Schreiben heißt es u.a.: “Unsere Art Radio zu machen, ist einzigartig und steht im krassen Gegensatz zum typischen Privatrundfunk. (…) Herr Buhrow, wir freuen uns, Sie als Intendanten an Bord zu wissen, haben aber Bedenken, dass der gesamte WDR-Hörfunk in den nächsten fünf Jahren in eine aus unserer Sicht falsche Richtung gesteuert werden könnte, und möchten, dass Sie das wissen.”

Die Wahl Valerie Webers zur Hörfunkdirektorin soll am Freitag durch den Rundfunkrat erfolgen. Normalerweise ist das eine Formsache. Weber bräuchte im ersten Wahlgang 25 von insgesamt 49 möglichen Stimmen. Sollte sie diese Zahl verfehlen, würde in einem zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder ausreichen. Es könnte interessant werden.

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