Mascolo: „Weniger Hype, mehr Recherche“

In der neuen Cicero-Ausgabe geht es um den "Blutrausch der Medien". Als Medienkritiker betätigt sich dort auch der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo. Sein Plädoyer für "Mut, Stolz und Storys" (so die Überschrift) hat die Botschaft: Journalisten sollen sich auf Journalismus konzentrieren, und das heißt für Mascolo vor allem Recherche und Tiefgang. Über Geschäftsmodelle sollten lieber die Verlagsleute reden. Zu Bezahlinhalten im Netz rät der Journalist dann aber doch.

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Eine Art Grundsatzrede (in der Tat basiert der Essay auf einer Rede) ist es, die Georg Mascolo, der im April beim Spiegel geschasste Chefredakteur, in der aktuellen Cicero-Ausgabe hält. Die ist inhaltlich zu unterstreichen, enthält allerdings auch nicht wirklich provokante Thesen. Also: Journalisten müssen "Produkte mit Charakter machen", die Bezeichnung "Content-Lieferanten" ist für Journalisten eine Beleidigung, es brauche mehr Provokation und Wagemut und weniger Gleichförmigkeit der Meinung. Denn die sei zu einem "echten Ärgernis" in der deutschen Presselandschaft geworden. 

Beherzigen Journalisten diese Empfehlungen, könnten sie sich der Beliebigkeitsfalle entziehen, die derzeit viele Medien ereilen, die zu viel "Massenware" (Mascolo) bieten und zu wenig Eigenständiges. Gleichzeitig fordert Mascolo aber auch eine "Einstellung auf neue Zeiten", es gehe nicht mehr so weiter wie bisher. Was das laut Mascolo heißt: Weniger Sparen, mehr Nachdenken und den Verlockungen von Anzeigenkunden widersetzen.  

Als Positivbeispiel nennt Mascolo den britischen Guardian, der den NSA-Aufklärer Glenn Greenwald anheuerte. Dass der Guardian auch höchst defizitär ist und sich das nur leisten kann, weil er von einer Stiftung finanziert wird, schreibt Mascolo nicht. Ebensowenig, dass Greenwald just bei einem journalistischen Projekt von Ebay-Gründer Pierre Omidyar angeheuert hat und dafür den Guardian verlässt. Es lässt sich ja durchaus die These vertreten, dass Journalismus alternative, nicht-kommerzielle Finanzierungsformen finden muss. Doch in diesem Punkt sagt Mascolo ja mehr oder weniger: Mir doch egal, lasst uns Journalisten doch bitte einfach nur unseren Job machen. Fragt sich: Braucht die Branche wirklich solche Mutmach- und Wachrüttel-Reden? Stimmt es wirklich, dass die journalistische Kaste sich selber ständig selbst schlechtredet, wie Mascolo und andere behaupten? 

Die strukturellen Probleme des kostenintensiven Recherche- und Analysejournalismus löst letztlich auch keine Besinnung auf die Tugenden der Zunft. So richtig und unterstützenswert diese auch sind. Am Ende seines Stücks schreibt Mascolo dann aber doch über die geschäftliche Seite: Er rät eindringlich zur Einführung von digitalen Bezahlmodellen. Vorbild auch bei ihm: die New York Times und ihr Bezahlmodell. Wir erinnern uns: Georg Mascolo musste den Spiegel auch verlassen, weil er sich mit seinem Kollegen Mathias Müller von Blumencron nicht auf eine digitale Strategie für den Spiegel einigen konnte. Nun ist Blumencron, der gegenüber Paid Content beim Spiegel Vorbehalte hatte, bei der FAZ – die für 2014 ein Bezahlmodell plant.

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