Focus-Chef Quoos will weniger Nutzwert

Am Montag attestierte MEEDIA dem Focus, in der "Nutzwertfalle" zu stecken. Was heißen soll: Selbst bei journalistischen Scoops schlägt die Auflage des Münchner Magazins nicht signifikant nach oben aus, weil der Marke von den potenziellen Käufern eben jene Scoops nicht mehr zugetraut werden. Mit der Süddeutschen Zeitung hat Quoos nun über dieses Problem gesprochen. Dort kündigt er an, die "Dosis" Nutzwert im Blatt bzw. auf dem Titel zu verringern. Quoos: "Ich versuche, Qualität und Relevanz zu erhöhen."

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"Ich werde nicht jede Woche Gesundheit machen", sagt Quoos. Was sich vermutlich auch auf den Umstand bezieht, dass der Focus just mit einem Gesundheitstitel am Kiosk liegt: "Perfekt sehen ohne Brille". Erst vor wenigen Wochen sezierte das Magazin "Das Herz". 

Ohne Zweifel hatte der Focus zuletzt Scoops vorzuweisen, allen voran die Story um den Kunstschatz des Cornelius Gurlitt. Den Scoop weitergedreht hat dann aber der Spiegel, weil sich Gurlitt bei den Hamburgern meldete – in der Annahme, der Spiegel habe den Fund der Bilder enthüllt. Hat Quoos da nicht in die Tischkante gebissen? Nö, behauptet er: "Ich habe darüber gelacht." Was soll er auch machen.

Just diese Anekdote belegt aber latent die These, dass solche aufsehenerregenden Geschichten von den Lesern nicht mehr im Focus erwartet werden. Doch irgendwo muss Quoos natürlich anfangen, sonst könnten er und Verleger Hubert Burda ja gleich die Flinte ins Korn werfen. Dass dies zumindest absehbar nicht geschieht, belegt vermutlich der Teilumzug des Focus nach Berlin. Seine Aufgabe werde es nun sein, beide Standorte "gleich stark ins Spiel zu bringen", sagt Quoos in der SZ.

Bemerkenswert ist Quoos‘ Bekenntnis, er habe sich einen Agenturdrucker hinter seinem Schreibtisch aufstellen lassen, der ihm die wichtigsten Eilmeldungen ausdrucke. Dies lässt sich in der digitalen Welt als kleine Schrulle abtun, den natürlich braucht kein Chefredakteur mehr einen Print-Newsticker. Zumal Quoos ja auch selber von sich sagt, er sei "kontinuierlich im Netz". Vielmehr darf man vermuten, dass der ehemalige Bild-Journalist solche Kleinigkeiten gezielt sagt, um sich als Traditionalist zu positionieren, dem die Werte des gut recherchierten, tiefgehenden Journalismus nicht wurscht sind. Sagt er doch: "Ich mache ein Printprodukt, und der Drucker passt zu mir." 

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