Kritiker-Schelte des “Wetten dass..?”-Machers

Volker Weicker ist einer der renommiertesten Live-TV-Regisseure des Landes. Als die jüngste, von ihm in Szene gesetzte, “Wetten dass..?”-Show mal wieder verrissen wurde und schlechte Quoten einfuhr, erregte er mit einer Mutmach-Mail an sein Team Aufmerksamkeit, in der er schrieb “Fuck you, Quote”. Im aktuellen Spiegel legt Weicker nach. “Wetten dass..?”-Kritik sei meist nur Polemik. Solch pauschale Kritiker-Schelte ist ein alter Reflex, der in die Irre führt.

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Wenn es gerade mal unrund läuft bei Jemandem, der in der Öffentlichkeit steht, dann sind die Schuldigen schnell ausgemacht: die Medien. Oder in diesem Fall: die TV-Kritiker. Fernseh-Regisseur Volker Weicker müsste es eigentlich besser wissen, trotzdem betreibt er im aktuellen Spiegel reflexhafte Kritiker-Schelte, die ihm und “Wetten dass..?” nicht weiterhelfen wird.

Wenn “Moderatoren ständig persönlich angegriffen werden, dann ist das nicht in Ordnung”, so Weicker. Ihm falle “keine andere Berufsgruppe ein, mit der man so umgeht.” Wie wäre es mit Politikern? Oder Wirtschaftsbossen? Oder Geistlichen? Oder Schauspielern? Schlicht jede Person, die in der Öffentlichkeit steht, zieht neben Bewunderung auch Kritik und Häme auf sich. So ist das nun einmal. Was musste sich beispielsweise ein Lothar Matthäus schon anhören, bzw. über sich lesen. Oder Rainer Brüderle. Oder Boris Becker. Undsoweiter undsofort.

Bei “Wetten dass..?” beobachte Weicker “nur noch Polemik”: “Wohlwollend wird jedenfalls nicht beobachtet.” Und weiter: “Wenn mir eine Sendung nicht gefällt, schalte ich nicht mehr ein. Das macht der Zuschauer ebenso. Aber die Kritiker arbeiten sich immer wieder daran ab.” News für Herrn Weicker: Es ist nicht der Job von TV-Kritikern “wohlwollend” zu beobachten. Es ist auch nicht ihr Job, einfach abzuschalten, wenn sie Kritik an einer Sendung haben. Dagegen ist es sehr wohl der Job eines TV-Kritikers, sich immer wieder an einer Sendung abzuarbeiten – im Guten wie im Schlechten. Weicker stellt hier den ganzen Berufsstand der Kritiker in Frage.

Fernsehschaffende seien mittlerweile soweit, dass sie die Tatsache nicht verrissen zu werden, als Lob verstünden, so Weicker. Unfug. Es gibt genügend positive TV-Kritiken. Nur werden die lobenden Texte von den Verantwortlichen allzu oft als “recht und billig” abgeheftet. Und bei einem Verriss wird aufgeheult.

Ja, stimmt schon: Die Kritiken zu “Wetten dass..?” sind fast durchgängig schlecht (das waren sie bei Thomas Gottschalk sehr oft auch). Normalerweise führt dass dazu, dass TV-Verantwortliche über Kritiker nach dem Motto lästern: Eine schlechte Kritik ist der beste Erfolgsgarant beim Publikum. Es ist nämlich – auch zum Leidwesen mancher Kritiker – durchaus so, dass sich das Publikum eine eigene Meinung unabhängig von der TV-Kritik bildet. Blöderweise sinkt die Quote bei “Wetten dass..?” aber auch. Vielleicht sollten die mal darüber nachdenken, ob das alles auch etwas mit der Sendung zu tun haben könnte.

“Wenn jemand keinen Fisch mag, sollte er nicht über Sushi-Restaurants schreiben”, sagt Volker Weicker im Spiegel mit Bezug auf TV-Shows und ihre Kritiker. Dem kann man entgegnen: Wenn einer den Fisch nicht schmackhaft zubereiten kann, sollte er vielleicht gar kein Sushi-Restaurant betreiben.

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