Angriff auf Netflix: Amazons “Alpha House”

Nachdem der Video-on-Demand-Anbieter Netflix mit “House of Cards” große Erfolge bei den Emmys und bei den Zuschauern gefeiert hat, bringt nun auch Amazon eine eigene Serie. In “Alpha House” spielt John Goodman den Senator Gill John Biggs. Das Drehbuch stammt von Pulitzer-Preisträger Garry Trudeau. Die Kritiken für die Pilotfolge sind durchweg positiv. Für Amazon ist es ein weiterer Schritt weg vom Versandhändler hin zum Entertainmentkonzern.

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Komplex, schnell und hochpolitisch. Was im deutschen TV reines Quotengift wäre, scheint für Anbieter von On-Demand-Videos eine Erfolgsformel zu sein. Vorreiter Netflix engagierte für die Polit-Serie “House of Cards” den Oscarpreisträger Kevin Spacey. Mit Erfolg: Die Show machte das Unternehmen weltweit bekannt. Im Februar ausgestrahlt, bot Netflix eine Gratis-Probezeit an, um sich die Show anzuschauen.

Nach eigenen Angaben kündigten später nur 8000 Menschen das Abo, Netflix konnte dagegen schon in diesem Jahr über drei Millionen zahlende Abonnenten hinzugewinnen. Insgesamt hat hat das Unternehmen nun weltweit mehr als 36 Millionen Nutzer, die auf den Dienst zugreifen. Nachdem im Vorjahr noch 4,6 Millionen Dollar Verlust aufliefen, erzielte Netflix kurz nach der Ausstrahlung einen Gewinn von 2,4 Millionen Dollar.
Außerdem erhielt "House of Cards" als erste Web-Serie einen Emmy. In Deutschland ist die Serie mittlerweile auch angelaufen. Mit der nächsten Eigenproduktion “Orange is the new black” heimste Netflix erneut gute Kritiken ein. Nun will Amazon die Konkurrenz frontal angreifen. Dafür holte man Hollywood-Schwergewicht John Goodman, der nach der 90s-Sitcom “Roseanne” in den vergangenen Jahren immer wieder mit Charakterrollen überzeugen konnte.
Raus dem dem TV, rein ins Web
In der Serie sieht sich der faule Senator Gill John Biggs plötzlich mit einem Konkurrenten konfrontiert, der ihm die sicher geglaubte Wiederwahl streitig machen will.  Die jüngst angelaufene Pilotfolge von “Alpha House” über eine Senatoren-WG überzeugte die Kritiker.
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Auch wenn die Abrufzahlen und die Messung längerfristiger Effekte, wie etwa Abonenntenzuwachs, noch ausstehen, scheint immerhin festzustehen: Im Web bzw. On-Demand-Segment darf es ruhig einmal kompliziert werden. Während TV-Serien darauf bedacht sind, keinen Zuschauer außen vor zu lassen, werfen die Charaktere in “Alpha House” mit US-politischen Begriffen wie Filibuster oder Super-PAC um sich, ohne sie zu erklären.
Für Amazon markiert “Alpha House” einen wichtigen Meilenstein. Bislang galt das Unternehmen “nur” als weltgrößter Versandhändler, der mittlerweile weltweit rund 100.000 Menschen beschäftigt. Doch angefangen mit dem E-Reader Kindle, gefolgt vom Tablet Kindle Fire und bald womöglich flankiert von der Set-Top-Box “Kindle Box” ist der Big Player im E-Commerce längst auf dem Weg zum Entertainment-Konzern.

Auf der Video-on-Demand-Tochter Lovefilm können sich Nutzer bereits Serien und Filme anschauen. 2013 zeigte man exklusiv in Deutschland die Serie “Vikings”. Nun punktet der Konzern erstmals mit originären Inhalten – und liegt damit voll im Trend. Während die Sender mit sinkenden Quoten zu kämpfen haben, steigt die Nutzungsdauer von Web-Angeboten vor allem im Mobil-Segment. Watchever gelang erst kürzlich der Coup mit der Ausstrahlung der finalen Folgen von “Breaking Bad” neben dem Bezahlsender Sky.
Amazons international größer Konkurrent im On-Demand-Segment, Netflix, ist wegen des komplizierten Lizenzsystems hierzulande noch nicht vertreten – auch wenn der Empfang technisch möglich ist. Eigenproduktionen scheinen zu einem wichtigen Inhalte- und Marketingargument für die Gewinnung von Abonnenten zu werden. Watchever-Chef Stefan Schulz hat eine Eigenproduktion für 2014 angekündigt. Für die vom klassischen TV ermatteten Zuschauer ist der Konkurrenzkampf der On-Demand-Portale nur von Vorteil. 

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