Disney plant großen Free-TV-Aufschlag

Das Puzzle Disney Channel fügt sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammen. Nachdem der Sender in den vergangenen Monaten häppchenweise Programm-Highlights vorstellte, haben die Senderchefs am Donnerstag einen Großteil der Inhalte präsentiert, mit denen sich der neue Free-TV-Sender ab dem 17. Januar Marktanteile im Kinder- und Familiensegment sichern will. Dazu bedienen sich die Programmacher natürlich aus der eigenen Disney-Schatzkiste, kündigten aber auch zahlreiche Einkäufe und Neuproduktionen an.

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„Starke Gefühle, verbindende Geschichten, fantasievolle Welten“ und eine „nötige Extraportion Humor“, kündigte der Sender bei der Programmpräsentation am Donnerstag in Hamburg an. Bereits im Voraus war bekannt, dass der Sender mit seinem Programm nicht nur Kinder, sondern auch den Rest der Familie vor die Bildschirme locken will – in der Prime Time wollen die Münchener sogar speziell Frauen ansprechen.
450 Free-TV-Episodenpremieren
Um dieses Soll zu erfüllen, habe sich Disney Deutschland ein „maßgeschneidertes Programm“ ausgedacht, so Vice President und General Manager Lars Wagner. Tatsächlich hat sich kein anderer Disney Channel der weltweiten Gruppe zum Ziel genommen, auch Programm für Erwachsene anzubieten. Die sollen vor allem mit Serien wie „Cedar Love“ der „Gilmore Girls“-Erfinderin Debbie Macombe, dem Spanien-Import „Grand Hotel“ oder britischen Sitcom-Produktionen wie "Miranda" überzeugt werden.
Für die Familien-Prime-Time wühlt Disney natürlich vor allem in der eigenen Schatzkiste und versendet neben Animationshighlights wie „Ratatouille“ oder „WALL-E“ auch gute alte Zeichentrick-Klassiker wie „Susi und Strolch“ (Free-TV-Premiere), „Pocahontas“ oder „101 Dalmatiner“ (Free-TV-Premiere).
Die Day Time will Programmchef Ralf Gerhardt mit Serien und Sitcoms bestücken. Allein beim Serienangebot kündigt er 450 Episodenpremieren für das Free-TV in den ersten sechs Monaten an. Darunter sind Produktionen wie "Dino-Zug", "Summ, summ, super", "Yuna & Snitch" oder "Henry Knuddelmonster" im Vormittag, wie auch ", "Die Top Secret Show", "Mick Maus Wunderhaus", "Kim Possible" oder "Sabrina – Total verhext" im Animationsbereich.  

Eine besondere Premiere in der Day Time ist mit dem Format „Violetta“ geplant. Die Co-Produktion von Disney Europe und Disney Lateinamerika soll die „erste Telenovela für Tweens“ sein. Nach langer Zeit in Spanien kehrt Violetta gemeinsam mit ihrem Vater zurück nach Argentinien, wo der Teenager den Karrieredurchbruch an einer Musikschule schafft. Was Violetta nicht weiß ist, dass sie damit in die Fußstapfen ihrer verstorbenen Mutter tritt. Weitere eingekaufte Sitcoms mit Free-TV-Premieren: "The Neighbors" und "Switched at Birth". Neben der Vielzahl an TV-Premieren von Beginn der Staffel Eins an, ist es aber eher enttäuschend, dass Serien wie „Jessie“ erst ab Staffel Zwei ausgestrahlt werden. 
Erste lokale Eigenproduktion ab Sommer 2014 im TV
Wie angekündigt will der deutsche Disney Channel auch mit lokalen Eigenproduktionen auftrumpfen. Im Serien-Segment stellten die Verantwortlichen allerdings mit „Binny und der Geist“ nur ein Konzept vor, das derzeit noch abgedreht wird und erst im zweiten Halbjahr 2014 ausgestrahlt werden soll. Die von teamworx produzierte Serie spielt in Berlin und Potsdam, wo Teenager Binny mit ihren Eltern in eine alte Villa zieht und feststellt, dass es in ihrem neuen Heim spukt. In der Serie versucht Binny den Hausgeist Melchior (gespielt von Diddy Hallervoordens Sohn Johannes) von seinem Schicksal zu befreien, in dem sie gemeinsam mit dem geist kleine Verbrechen und andere Ungerechtigkeiten aufklärt, um den Melchiors Fluch aufzulösen.
Die angekündigten Show- und Reality-Eigenproduktionen sollen wieder die gesamte Familie vor den Fernseher holen. Moderatorin und Schauspielerin Nova Meierhenrich, unter anderem bekannt durch „Bravo TV“, wird durch die Samstagabend-Show „Ducks & Friends“ führen, die nach einem Spielfilm und vor dem Klassiker „Die Muppet Show“ laufen soll. In ihrer Sendung lädt die Moderatorin prominente „Entenfans“ ein, um gemeinsam „Highlights aus Entenhausen-Serien“ revuepassieren zu lassen. Größere Unterhaltung verspricht eine Show für den Freitagabend. Sechs Mal im kommenden Jahr ist „Family Time“, in der Familien in Spielen gegeneinander antreten und um Preise wie eine Reise nach Disney World zu gewinnen. Wer hier moderieren wird, ist noch nicht klar.
Im Genre des Reality-Formats hat sich Gerhardt einem erfolgreichen Format aus Norwegen bedient. In „100 Days Of Being Nice“ nimmt sich ein Promi zur Aufgabe die Welt in 100 Tagen besser zu machen – egal ob durch Umweltkampagnen oder dadurch die Menschen zu mehr Freundlichkeit anzuhalten. Damit versucht sich der Disney Channel auch an Social-TV. Unter anderem sollen Zuschauer nämlich auch via Facebook an den Aktionen des Moderators mitwirken, Vorschläge machen und Videos eigener weltverbessernder Ideen teilen.  Eine weitere Reality-Produktion wird mit „Vollpension bei Fremden“ ins Rennen geschickt. Drei Familien spielen Gastgeber und laden die jeweils anderen beiden für ein Wochenende zu sich ein. Mit dem gleichen Budget müssen sie ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten – am Ende wird bewertet.
Sendestart am 17. Januar 2014 um sechs Uhr
Die ersten Spielfilme, die der Disney Channel zeigen wird, werden „Susi und Strolch“, „Ratatouile“ und „Aristocats“, wobei sich der Sender vorbehält in welcher Reihenfolge ausgestrahlt wird. Zum Programmstart am 17. Januar haben sich die Verantwortlichen aber etwas ganz besonderes ausgedacht. Um sechs Uhr startet das Programm mit der allerersten Folge von „Micky Maus“.
Der Disney Channel wird auf den Frequenzen von Das Vierte frei und sogar in HD empfangbar sein. Im April gab Disney bekannt, den Sender zu übernehmen und den Disney Channel vom Pay- ins Free-TV zu holen. Der Sender wird deshalb von Beginn an in über 93 Prozent aller Haushalte empfangbar sein. Zum Ende des Monats wird der Sendebetrieb bei Sky eingestellt – dort war der "alte" Disney-Channel bisher zu empfangen. Auch von der Programmzulieferung an den Wettbewerber SuperRTL wird man sich zum Ende des Jahres zurückziehen. Zum Sendestart soll der Familien-Kanal crossmedial mit einer achtstelligen Summe beworben werden, kündigte Wagner an. Um eine möglichst breite Masse zu erreichen, wird der Disney Channel auch im Internet verfügbar sein.

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