Bambi: ein Hauch vom alten Glamour

Mein Gott ja. Am Ende hat sie sich halt versprochen, die Helene Fischer. “Das war der Echo”, hat die Sängerin gesagt und damit bei Twitter einen kleinen Sturm ausgelöst. Was soll’s, kann passieren. Der jüngsten Bambi-Verleihung hätte Schlimmeres widerfahren können. Nach dem kaum zu unterbietenden Fiasko vom vergangenen Jahr haben sich alle Verantwortlichen am Riemen gerissen. Die Preisverleihung war straffer. Die Kategorien entrümpelt. Die Stars gut aufgelegt. Was fehlt ist eine Prise Mut.

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Mit Miley Cyrus war eine der angesagtesten jungen Pop-Sängerinnen da, die zudem eine beeindruckende (und ganz skandälchenfreie) Unplugged-Version ihres Hits “Wrecking Ball” zum Besten gab. Der smarte Pep Guardiola überreichte ein Bambi an seinen gerührten Vorgänger als FC-Bayern-Trainer, Jupp Heynckes – die Kategorie Emotion war somit auch abgehakt. Gegen den sympathisch-schrulligen Weltenretter Bill Gates kann ohnehin keiner was haben. Dass er und seine Frau Melinda den Millenniums-Bambi erhielten, ging sehr in Ordnung.

Die oft vor falschem Pathos triefende Verleihung an die stillen Helden wurde mehr oder weniger in den Integrations-Bambi – nun ja – integriert (Preisträger war Mitternachtssport eV, ein Verein für interkulturelle Jugendarbeit in Berlin). Das Publikum war gezwungen in einer Art Theater-Setting zu sitzen statt an Tischen zu lümmeln – das diszipliniert. Und Leute wie Robbie Williams sind der Stimmung bei so einer Preisverleihung grundsätzlich immer zuträglich. Ganz am Ende stellte Udo Jürgens mit einer beeindruckenden Nummer am Klavier zu E-Gitarrenbegleitung nochmal kurz unter Beweis, warum er wirklich ein Großer ist.

Zwar wurde das güldene Rehlein nicht mehr ganz so inflationär ausgegeben wie beim vergangenen Mal. Aber warum mussten gleich zwei “Sonderpreise” der Jury vergeben werden? Zumal einen an Schlager-Sängerin Andrea Berg. Helene Fischer war doch schon da. Cindy aus Marzahn zeigte bei ihrem Auftritt, dass sie auch ordinär sein kann. Witzig war sie darum noch lange nicht. Und die Idee, auf eine durchgehende Moderation zu verzichten, ist immer noch keine gute.

Warum haben sie Barbara Schöneberger nicht die ganze Show moderieren lassen? Die Frau kann das, die ist witzig. War da etwa wieder diese furchtbare Angst, dass die was sagt, bei dem sich jemand auf den Schlips getreten fühlt? Das bekam die Schöneberger auch bei ihrem Kurzauftritt ganz gut hin (“Nikotin- und Underberg-Pflaster” für Jan Fedder, der das sichtlich unlustig fand) Und ein wenig mehr Raum für Joko & Klaas hätte der Show auch gut getan. Jokos Laudatio auf Miley Cyrus war die kurzweiligste des Abends und die Schalte zu Klaas auf dem roten Teppich fiel auch unter die immer preiswürdige Kategorie: Unlangweilige und gleichzeitig unpeinliche Bambi-Performance.

Es fehlten die großen Fremdschäm-Momente und sogar die Twitter-Häme hielt sich in Grenzen. Hier und da gab es sogar Höhepunkte. Der feste Wille, diesmal bloß nichts falsch zu machen, verhinderte aber auch, dass die Show ganz frei gewesen wäre von Langatmigkeit. In einem Arbeitszeugnis würde man wahrscheinlich schreiben: Diese Bambi-Verleihung hat sich sehr bemüht und ist den in sie gesteckten Erwartungen gerecht geworden. Nichts mehr, aber auch nichts weniger.

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