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Wie AOL und Focus die HuffPo pushen

Etwas mehr als einen Monat alt ist die deutsche Version der Huffington Post nun - Zeit für eine erste Bilanz. Viel wurde kritisiert, am Umgang der HuffPo mit ihren Autoren und an den oft boulevardesken Inhalten, doch die ersten vorliegenden Zahlen sind durchaus beachtlich. Laut HuffPo-Deutschland-Chef Oliver Eckert erreichte die Website vom 10. bis 31. Oktober 4,36 Mio. Visits. Daten des unabhängigen Tools SimilarWeb zeigen, wie insbesondere AOL und Focus Online für diesen ersten Erfolg gesorgt haben.

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Die 4,36 Mio. Visits wurden laut Eckert über alle Plattformen hinweg, also im stationären und mobilen Netz erreicht. Hochgerechnet auf einen vollen Monat von 30 Tagen käme die Huffington Post damit auf mehr als 6 Mio. Visits, würde in den Charts der Nachrichten-Websites immerhin schon in einer Liga mit großen regionalen Anbietern wie Augsburger Allgemeine, Kölner Stadt-Anzeiger und tz spielen – und damit in etwa auf Platz 20 des Nachrichten-Rankings. Offizielle IVW-Zahlen will die HuffPo laut Eckert möglichst Anfang des Jahres melden, Unique User der AGOF zudem zur nächstmöglichen Welle. Hier spielen nur noch kleinere Probleme bei der Messung und die Prüfung durch die IVW eine Rolle.

Spannend ist, wie die deutsche HuffPo diese beachtlichen Traffic-Zahlen erreicht. Daten des Tools SimilarWeb, deren Zahlen allerdings per Hochrechnung aus diversen Datenquellen entstehen – und nicht per Vollerhebung durch Messung wie bei der IVW – liefern hier spannende Erkenntnisse. So unterscheidet sich die Struktur der Besucher deutlich von denen anderer News-Seiten. Der Suchmaschinen-Traffic spielt wegen des jungen Alters der Website mit 4,5% nur einen geringen Teil, die 6,1% durch soziale Netzwerke sind ebenfalls noch ein unterdurchschnittlicher Wert.

Auch die direkten Zugriffe über Bookmark oder Eingabe der Adresse in die Browser-Zeile sind gering: 15,5%. Den größten Anteil machen die 65,7% aus, die über Links auf anderen Websites zur HuffPo kommen. Von diesen 65,7% stammen wiederum 56,7% von aol.de und 37,3% von Focus.de – zusammen also 94%. Zusammengefasst: Rund 62% der Besucher der deutschen Huffington Post kommen über die beiden "Eltern" AOL und Focus Online auf die Seite.

Die Betreiber der Website nutzen ihre bereits populären Angebote also sehr geschickt, um die Marke "Huffington Post" in die Köpfe ihrer Nutzer zu hämmern. So gibt es auf Focus Online immer einen Kasten mit einer aktuellen Geschichte der Huffington Post samt Optik, Teaser und Link. Und AOL.de, das dank seiner E-Mail-Nutzer immer noch fast 38 Mio. Visits pro Monat generiert (IVW / Oktober), bespielt derzeit fast die komplette Startseite mit Links zur HuffPo: Die zehn Schlagzeilen des "Nachrichten"-Blocks führen zur Huffington Post, ebenso die sieben der Rubrik "Wirtschaft & Finanzen".

Wie nachhaltig dieser Traffic ist, lässt sich nach so kurzer Zeit natürlich noch nicht sagen. Hier dürften die Betreiber die Hoffnung haben, das Besucher, die über AOL und Focus zur HuffPo kamen, zu Stammlesern werden. Ob das allerdings mit dem bisherigen Inhaltemix klappt, erscheint fraglich. An manchem Tag sieht der Homepage-Aufmacher der HuffPo so aus, als wolle man das Niveau eines Boulevard-Angebots wie Bild.de noch unterbieten. Originelle, spannende und vor allem unverwechselbare Inhalte sucht der Leser meist vergebens.

Wiederum SimilarWeb lässt in seiner Pro-Version einen Blick darauf zu, mit welchen Inhalten die neue Website bisher punktet. Die populärsten Artikel waren im Oktober demnach "Sylvie van der Vaart verliert Sorgerechtsstreit", "9 Gründe, warum Paare in der Hochzeitsnacht keinen Sex haben", "Das sind die hübschen Freundinnen der Bayern-Spieler", "Darum sind wir alle dumm – 8 Thesen aus dem Buch "Dummheit" von Ernst Pöppel" und "Sind Maddies Entführer längst gefasst? Zwei verurteilte Pädophile im Fokus der Ermittler". Boulevard pur also. Sobald der Chefredakteur Sebastian Matthes seinen Dienst in München antritt, wird er sich darum kümmern müssen, der deutschen Huffington Post ein Image zu geben, das über das Generieren von schnellen Klicks mit flachen Headlines hinaus geht.

Blog-Einträge finden sich unter den 30 Top-Artikeln übrigens keine. Dabei hatten vor allem die in den ersten Tagen für einen gewissen Buzz in den sozialen Netzwerken gesorgt. Allerdings haben Autoren der ersten Stunde wie René Obermann und Boris Becker seitdem auch keinen weiteren Text mehr geschrieben bzw. schreiben lassen. Zwar "bloggen" auch weiterhin durchaus spannende Leute für die HuffPo – von Politikern über Medienmanager bis zu tatsächlichen Bloggern – doch die interessanten Beiträge gehen zwischen der vielen Eigen-PR von selbstverliebten Lautsprechern leider unter – trotz der Rubrik angeblich "empfohlener Blog-Beiträge". Würde man besonders lesenswerte Fremd-Beiträge noch besser hervorheben, könnte auch die Sichtbarkeit in den sozialen Netzwerken noch schneller steigen. Immerhin erreichte die HuffPo hier im ersten Monat schon beinahe die Top 50 unter den deutschsprachigen Medien.

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