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Sonneborn erklärt den Deutsche-Bank-Coup

Das Interview von Martin Sonneborn mit einem Sprecher der Deutschen Bank hat nach der Ausstrahlung in der "heute show" am Freitag für Furore gesorgt. Seitdem hat nicht nur das Geldhaus Spott geerntet, auch der Ex-Titanic-Chef wurde für sein Vorgehen von der Presse kritisiert. Im MEEDIA-Interview spricht der 48-Jährige über den langen Arm der Deutschen Bank, die eigentliche Idee hinter dem Interview für ZDF Neo und warum das Geldhaus seine Gesprächspartner ernster nehmen sollte.

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Wundert Sie die jüngste Kritik der Presse, die sich jetzt offenbar auf die Seite der Deutschen Bank schlägt?
Nein, die Deutsche Bank ist ja nicht ganz einflussarm in diesem Land und dürfte schon über Mittel, Wege und auch gute Freunde in den Medien verfügen.
Warum lief die Interviewanfrage über die Produktionsfirma Smac Film? Hängt das mit dem "Verbot" von Herrn Bellut zusammen, nicht mehr den Namen oder die Logos von "heute" oder des "heute-journal" für Satire-Zwecke zu nutzen?
Nein, dass die Produktionsfirma die Interviewtermine macht, ist ganz normal. Und sie hat sich bisher dabei immer korrekt verhalten. Dass der Name des Interviewers nicht genannt wird, ist übrigens nicht ungewöhnlich: Wenn ich TV- oder Radio-Interviews gebe, stellen sich die Interviewer in den meisten Fällen erst zu Beginn des Interviews vor. Wir sind mit der Namensnennung natürlich nicht offensiver als andere Kollegen.

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In wessen Namen wurde denn die Anfrage gestellt?

Wir haben angefragt für eine ZDF-Neo-Reportage zum Thema "Finanzen". Das Interview wurde ja nicht für die "heute show" geführt, sondern für das Format "Sonneborn rettet die Welt", die "heute show" hat es nur ausgestrahlt, weil es sowohl komische als auch aufklärerische Momente enthält. Und "Sonneborn rettet die Welt" ist ja kein durchweg satirisches Format, deshalb haben wir auch auf die Bitte der Deutschen Bank hin unsere vollkommen ernsthaften Fragen gemailt: zu Finanzströmen, Managergehältern, Hedgefonds, Finanzkrise. Und dann kam die entsetzte Antwort, über so etwas könne man ja überhaupt nicht sprechen, das sei ja viel zu komplex. Als wir zurückgefragt haben, worüber man denn überhaupt sprechen könne, schickte uns die Deutsche Bank ihre Fragen – und gleich die entsprechenden Antworten. Dass wir dieser Einladung folgten, kann man uns nicht wirklich vorwerfen, oder? Ich hab mich sogar gleich am Empfang vorgestellt…

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Haben Sie ein wenig Mitleid mit dem "Kommunikationsexperten" Georgi, der ja offenbar ein Gespräch auf Schülerzeitungsniveau erwartet hatte?
Eigentlich nicht, Georgi ist doch Profi. Außerdem ist er Private-Banking-Experte, ehemaliger Investment-Banker und aktiver CDU-Vorsitzender in Leipzig-Mitte, der extra für das Interview eingeflogen wurde. Wie man bei einer Anfrage für ZDFNeo ein Gespräch auf Schülerzeitungsniveau erwarten kann, ist mir allerdings nicht ganz klar. Was die Deutsche Bank übersieht: Der Neo-Zuschauer ist im Schnitt 51 Jahre alt. Apropos: Viele Schülerzeitungen haben inzwischen wirklich Niveau, die Deutsche Bank sollte ihre Gesprächspartner ernster nehmen.   
Ein Gespräch "über Macht, die Finanzkrise, Hedgefonds und die Millionengehälter der Banker" war der Deutschen Bank zu komplex. Was sagt das aus über eine Bank mit Macht?
Ich vermute, dass das unangenehme Themen sind, die man als Großbank besser unkommentiert lässt. Dabei haben wir nicht mal nach Tochterfirmen auf den Cayman-Inseln, Finanzierung von Waffengeschäften oder Libor-Manipulationen gefragt…
In der Titanic stellten Sie für eine Interview-Reihe einmal Gespräche unredigiert ins Blatt. Haben Sie eine Erklärung für die deutsche Interviewkultur, die immer noch einer Autorisierung bedarf?
Nein. Kann ich das Gespräch autorisieren?

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