Ösi-Nationalkicker wehren sich gegen Zeitung

Die österreichische Nationalmannschaft wehrt sich mit einem Offenen Brief gegen die Tageszeitung Österreich. Veröffentlichte Interviews mit Spielern der Mannschaft seien nie geführt worden, außerdem seien die Texte über das Team "schlecht bis gar nicht" recherchiert und "beleidigend". Weil die Pressesprecher offenbar machtlos gegen das Blatt sind, hat sich das Team nun an Herausgeber Wolfgang Fellner gewandt. "Das tut niemand unüberlegt", schreibt das Team.

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Denn in Folge solch schwerwiegender Vorwürfe riskiere man eine "verschärft unfaire Berichterstattung". Doch das Team der österreichischen Nationalmannschaft wolle es nicht weiter unkommentiert hinnehmen, dass eine der größten Tageszeitungen des Landes "schlecht bis gar nicht" recherchierte Artikel veröffentliche. Neben den Pseudo-Interviews gehe das Blatt sogar so weit, den Teamtrainer und Schweizer Marcel Koller als "Verräter" zu bezeichnen, den man zurück in die Schweiz schicken solle.
In ihrem Brief an den Herausgeber der Mediengruppe Österreich, Wolfgang Fellner, werfen die Sportler die Frage auf, wie weit Journalisten gehen dürfen, "ob sich Journalisten wirklich ALLES erlauben können und ob wir uns wirklich ALLES gefallen lassen müssen?"
In dem Brief heißt es: "Als Vertreter eines Sports, in dem Fairplay, Respekt, Verlässlichkeit, Gerechtigkeit, Wertschätzung und Teamgeist wesentliche Kriterien sind, als Personen der Öffentlichkeit und damit gleichzeitig als Vorbilder für so viele – vor allem auch junge – Menschen in unserem Land fühlen wir uns aber verantwortlich, wenigstens unsere Stimme zu erheben und uns vehement für Wahrheit, Wahrung der Würde und Fairness in Medienberichten auszusprechen."
Es gehe der Mannschaft nicht darum, die Zeitung oder den Verlag zum Umdenken zu bewegen, heißt es in der Nachricht. Sondern es gehe darum, einen Appell in Richtung der Leserinnen und Leser abzusetzen. "Und nicht zuletzt wollen wir damit auch unsere Solidarität mit unserem Teamchef ausdrücken."
Trotz mehrfacher Versuche seitens MEEDIA ist bei der Mediengruppe Österreich niemand zu erreichen. Auch beim Österreichischen Fußballverband habe man noch keinerlei Reaktionen seitens des Verlages erhalten, so ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Auf Nachfrage von Horizont.at gab Österreich-CEO Oliver Voigt aber ein Statement ab. Darin heißt es: "Grundsätzlich finde ich es legitim, offene Briefe zu schrieben und ich finde es auch recht sympathisch, sich vor den Teamchef zu stellen. Es ist nur eine Auseinandersetzung, wo die eigentlichen Akteure wieder einmal im Hintergrund agieren." 
Wie der Branchendienst berichtet, meint Voigt damit Boykottaufrufe der Konkurrenz. Es sei eine "Geschmacklosigkeit" und zeige, wie der Wettbewerb auf dem Tageszeitungsmarkt geführt werde. "Mich kränkt, dass wir eine tolle Sportredaktion haben, mit einem wirklich professionellen Ressortchef Wolfgang Ruiner – dem ehemaligen Sportchef der Bild München -, der das nicht verdient hat", so Voigt weiter. Man wolle mit dem ÖFB in "gebührender Form" in Kontakt treten.
Offenbar hat die junge Zeitung Stimmung gegen den Nationaltrainer gemacht, weil er in letzter Zeit überlegt habe, das Team zu verlassen. Ende Oktober hat der ÖFB Koller aber dann doch noch mal als Team-Chef bestätigt – wohl auch deshalb setzt sich die Mannschaft nun zur Wehr. In dieser unsicheren Zeit kam es offenbar mehrfach dazu, dass das Blatt Koller nicht nur als "Verräter", sondern auch mit dem Begriffen wie "Schmierenkomödie" oder "glatte Lüge" in Zusammenhang brachte. Des Weiteren soll ihn das Blatt auch als "Söldner" bezeichnet haben. In einer Pressekonferenz machten Koller und auch der ÖFB deutlich, dass sich die Tageszeitung "rufschädigend" verhalte.
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Die Tageszeitung Österreich erscheint seit 2006 unter den Herausgebern Wolfgang Fellner, Uschi Fellner sowie Werner Schima (gleichzeitig Chefredakteur) in der Mediengruppe Österreich GmbH. Österreich erreicht eine verbreitete Auflage von 439.249 Exemplaren pro Woche (ÖVK/2. Halbjahr).

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