Mayers Kündigungssystem in der Kritik

Nachdem Marissa Mayer für ihre “No Home Office”-Strategie schon heftig in der Kritik stand, erntet die neue Yahoo-Chefin nun erneut Häme für Ihr resolutes Vorgehen im eigenen Unternehmen: Minderleister müssen gehen. Schon 600 Stellen hätte man auf diese Weise seit Mayers Amtsantritt eingespart, berichten US-Medien. Microsoft zog nun PR-technisch geschickt die Notbremse und verabschiedet sich von der umstrittenen Personalstrategie. Damit ist der Redmonder Softwareriese nicht allein.

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Anlass für den Aufuhr war laut All Things D, dass sich viele Führungskräfte in anonymen internen Foren bei Yahoo über die Personalpolitik der Konzernchefin beklagten. Mayer hatte zwar erklärt, die Quarterly Performance Reviews würden nicht auf Forced Rankings basieren, ihre Angestellten beschreiben aber genau das. Angeblich wurden auf Basis dieser Reviews in den vergangenen Wochen bei Yahoo an die 600 Mitarbeiter abgebaut. Insgesamt steigt zwar die Zahl der Yahoo-Mitarbeiter – allerdings vor allem weil andere Firmen aufgekauft werden.
Microsoft nutzte die aufgehitzte Debatte um den Umgang mit angeblichen Minderleistern nun, um sich von dem Prozess im eigenen Personalmanagement zu verabschieden. Zuvor waren die Redmonder dafür kritisiert worden, eine kannibalische Firmenkultur zu betreiben. Als Reaktion schickte Microsofts Personalchefin Lisa Brummel eine Memo an alle Mitarbeiter. Mit der Abschaffung des Rankingmodells wolle man für mehr Teamwork sorgen. Man sei zu dem Schluss gekommen, nachdem man externe Programme beurteilt und auf die tausenden Ideen der Mitarbeiter eingegangen sei.
Worum geht es bei dem umstrittenen Personalprogramm, das den Ruf von Mayer als “Eiserne Lady des Silicon Valley” einmal mehr festigt? Jedes Quartal bittet das Unternehmen um sogenante Performance Reviews, die unter anderem “Forced Rankings” beinhalten. Dabei werden Führungskräfte genötigt, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Mitarbeiter in vorgegebene Leistung-Kategorien einzusortieren – ganz egal, ob sie eine solche Einteilung befürworten oder nicht. Beispiel: Wäre ein leitender Angestellter mit allen Mitarbeitern seiner Abteilung zufrieden, müsste er trotzdem den vorgegebenen Prozentsatz “Minderleister” angeben. In der Theorie soll dadurch verhindert werden, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu positiv bewerten.
Die Methode des “Forced Rankings” ist hoch umstritten, weil sie die Motivation gefährdet und auch die Gefahr birgt, dass gute Mitarbeiter der Methode zum Opfer fallen und gefeuert werden. Bei Yahoo sehen die Kategorien für Mitarbeiter laut “All Things D” folgendermaßen aus: Greatly Exceeds (10 percent), Exceeds (25 percent), Achieves (50 percent), Occasionally Misses (10 percent) and Misses (five percent). Die letzten beiden Kategorien “Ausfälle” und “gelegentliche Ausfälle” können im schlimmsten Fall zu Kündigungen führen.
Managementexperte Reinhard K. Sprenger hält dieses Vorgehen für Gift in Sachen Arbeitsklima, wie er dem Karriere-Spiegel verrät: “Mayer greift mit so harter Hand bei Yahoo durch, dass man das schon hysterisch nennen muss. Sie nimmt dabei in Kauf, dass die besten und kreativsten Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. So viel übrigens zu der These, dass Frauen grundsätzlich sensiblere Führungskräfte sind.”
Dieses Vorurteil dürfe die Yahoo-Chefin längst wiederlegt haben. Geriet sie doch in der Vergangenheit schon einmal wegen ihres Führungsstils in die Kritik, als sie sämtliche Heimarbeiter von Yahoo anwies, in die Zentrale einzurücken oder ihren Hut zu nehmen. Später wurden sogar Vorwürfe laut, auf ihre Anweisung hin seien Heimarbeiter bespitzelt worden.

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