Das heimliche Comeback von Apple Maps

Wer hätte das gedacht: Heimlich, still und leise entwickelt sich Apples Kartendienst Maps doch noch zum Erfolg. Nach einem desaströsen Start im vergangenen Jahr haben sich Apple-Kunden offenbar an den Kartendienst gewöhnt. Das belegt der Einjahresvergleich, den der Marktforscher ComScore vorgelegt hat: Stolze 35 Millionen Nutzer kann Cupertino inzwischen auf seinen iOS-Geräten verbuchen. Und siehe da: Google Maps musste dagegen tatsächlich kräftig Federn lassen.

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Es waren die düstersten Stunden in der bisher zweijährigen Amtszeit von Apple-CEO Tim Cook: Bilder wie nach einer Apokalypse kursierten im Web – zerquetschte Autobahnen, zerschmolzene Landebahnen und Burger King in einer Kathedrale, während der Kölner Dom einfach nicht mehr zu sehen war.  

All das waren keine Bestandteile eines Science Fiction-Thrillers, sondern die neue Realität von iPhone- und iPad-Kunden, die vor rund einem Jahr auf das neue Betriebssystem iOS 6 aktualisiert hatten, auf dem anstelle von Google Maps plötzlich Apples frisch gelaunchter eigener Kartendienst zu sehen war.

Erstaunliche Aufholjagd: von 6 auf 35 Millionen Nutzer

"Der neue Kartendienst ist ein Downgrade", stellte der viel gelesene Apple-Blogger John Gruber ("Daring Fireball") noch nüchtern fest. Tatsächlich erlebte Apple Maps im wörtlichen Sinne einen so unteridischen Start, dass sich Tim Cook zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt sah: "Wir entschuldigen uns vielmals dafür, unsere Kunden enttäuscht zu haben, und werden alles dafür tun, um die App besser zu machen", formulierte Cook Ende September 2012 in einem Offenen Brief.

Man kann sagen, dass Apple das Vorhaben gelungen ist. Ein Jahr nach dem desaströsen Start hat der eigene Kartendienst erstaunlich schnell Boden gutgemacht. Nach 6 Millionen Nutzern Ende September 2012 verzeichnete Maps zwölf Monate später schon beachtliche 35 Millionen Kartendienstanwender. Grundsätzlich sollte der Trend nicht überraschen, zumal Apple Maps im September 2012 erst gelauncht und nun vor allem mit iOS 7 deutlich verbessert hatte – Klagen hat man schon länger keine mehr gehört.

Google verliert 22 Millionen Maps-Nutzer an Apple

Grund zum Kummer hat dagegen nunmehr der weiter amtierende Platzhirsch, der sich in einer ungewohnten Rolle wiederfindet: Plötzlich verliert Google mal wieder kräftig Marktanteile. Der von ComScore gemessene Einbruch von satten 22,3 Millionen Nutzer auf nunmehr 58,7 Millionen Maps-Anwender überrascht – Apples Maps-Aufstieg vollzog sich also tatsächlich zu Lasten von Googles Kartendienst.   

Auf Apple-Geräten beträgt der Vorsprung unterdessen ein Verhältnis sechs zu eins, obwohl Google Maps über fünf Jahre der vorinstallierte Kartendienst von iPhones war. Keine Frage: Google Maps hat in der Gesamtheit der Smartphone-Nutzung weiter einen komfortablen Vorsprung auf Apples Alternativangebot, doch die Tage, in denen sich Cupertino für den eigenen Kartendienst schämen musste, sind definitiv vorüber.  

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