Condé Nasts Ästhetik-Kuddelmuddel

Auch Kuddelmuddel kann ästhetisch sein. Das beweist Quintessence, ein Magazin von Condé Nast, das gemeinsam von fünf Chefredakteuren entwickelt wurde und jeweils im Doppelpack mit den regulären Magazinen des Verlags verkauft wird. Das Ergebnis ist definitiv mehr als nur ein Sammelbecken für zusätzliche Anzeigenerlöse, kommt aber aus naheliegenden Gründen nicht ganz an ein eigenständiges Magazin heran. Die Macher sehen Quintessence als "Statement für gut gemachte Medien".

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Die Idee, ein Blatt von fünf Chefs machen zu lassen, als Hommage an gutes Handwerk, klingt, von außen betrachtet, entweder als ein kalkuliertes Projekt, Luxusanzeigen einzuwerben – oder ein wenig versponnen, bzw. selbstverliebt. Auch der Titel Quintessence kommt mit prätentiösem Unterton daher. Etwas geheimnisvoller und interessanter, wenngleich ebenfalls versponnen, war der Arbeitstitel Shokunin, japanisch für Handwerkskunst. Warum sei bisher kein anderer Verlag auf die Kooperations-Idee gekommen, fragen sich die Chefs im Editorial. Vermutlich, weil jedes Magazin für sich selber stehen sollte. Aber auch, ganz klar, weil sich Menschen in der Regel nicht unnötig selber mehr Arbeit aufhalsen.

Die Vorbehalte mal zurückgestellt, ist Quintessence viel besser geworden als eine 08/15-Luxusbeilage. Es gibt eigens für das Blatt geführte Interviews, u.a. mit dem unvermeidlichen Karl Lagerfeld (im Doppelpack mit Rammstein-Mann Till Lindemann) und mit dem Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa. Der Spagat zwischen Fotos aus dem Apartheid-Südafrika und floraler Tischkunst, zwischen einem Essay über Sprache im Internet und einem Horoskop ist erheblich. Stört das sowohl inhaltliche wie typographische Kuddelmuddel? Nicht so sehr, wie befürchtet – auch aus Kontrasten können spannungsreiche Magazine entstehen. Eine eigene Sprache findet Quintessence auf der anderen Seite allerdings nicht.

Wir leben in einer "Zeit, in der für die Medienbranche Vertrauen in die eigene Zukunft so wertvoll ist wie Diamanten", schreiben die fünf Chefredakteure Christiane Arp (Vogue), Sabine Hofmann (Myself), Oliver Jahn (AD), Andrea Ketterer (Glamour) und José Redondo-Vega (GQ). Quintessence lässt sich darum auch als eine Art Content Marketing, als eine Leistungsschau in eigener Sache begreifen – mehrere Doppelseiten zeigen Fotos aus den Condé Nast-Redaktionen auf der ganzen Welt, eine Strecke zeigt Fotos aus dem Archiv des New Yorker Verlags.

Was ist also die Essenz von Quintessence? Wer was herzuzeigen hat, der kann das auch tun. Und 50 Anzeigenseiten sollten das Vertrauen der Macher – zumindest in das Segment der Hochglanzmagazine – durchaus stärken.

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