Tebartz-van Elst als Medienopfer

Ist das ein journalistischer Scoop oder Corporate Publishing mit heiligem Zorn? Das Vatican Magazin punktet in seiner aktuellen Ausgabe mit einer „exklusiven Begegnung“. Autor Paul Badde traf Skandal-Bischof Tebartz-van Elst. Das Ergebnis ist ein befremdliches Stück Journalismus. Dem Text versucht, dem Leser Einblicke in die Geisteshaltung und das Seelenleben des Bischofs zu vermitteln („Protz und Prunk sagten ihm nichts“). Gewürzt mit mehr als nur einer kleinen Portion Medienschelte.

Anzeige

Gleich zum Einstieg wirft der ehemalige Vatikan-Korrespondent der Welt, der zudem Mitherausgeber der Monatszeitschrift ist, seinen Kollegen „Rudel-Journalismus“ und eine „Medienkampagne“ vor, auch wenn „das keiner so nennen“ dürfe. Deshalb spreche er von einer „fürsorgliche Belagerung“. Diese Form der Demagogie durchzieht den gesamten Text. So heißt es nur wenige Zeilen später, dass der Fall des Limburger Bischofes von einem Lügen-Spinnengewebe überzogen sei. Gemeint sind aber nicht die Lügen des Bischofs: "Der Kollege Wensierski vom Spiegel hat jedes Mal gelogen, wenn er sagte, den Bischof nicht mit versteckter Kamera gefilmt zu haben. Natürlich hat er das. Er hat den Bischof gelinkt und streift nun fast schon als Ehren-Pastor der kritischen Presse über die Bildschirme, um den Halunken-Bischof zur Strecke zu bringen. Im Wettlauf mit der FAZ."

Tatsächlich ist bis heute nicht abschließend geklärt, ob der Limburger Bischof wusste, dass der Spiegel-Mann während des Gesprächs filmte oder nicht. Dieser Umstand ändert allerdings auch nichts an dem Fakt, dass Tebartz-van Elst die Reise in der Luxusklasse Wensierski gegenüber leugnete.

Bei solch einer Tonalität wird schnell klar: Der Autor ist davon überzeugt, dass Tebartz-van Elst das Opfer einer Medienkampagne ist. Auch die Überschrift „Ende der Schonzeit“ impliziert das. Noch klarer wird die Zielrichtung der Verteidigungsschrift beim Blick auf das Magazin-Cover. Zeile der aktuellen Ausgabe: „Der Nächste, bitte! Mit welchem deutschen Bischof treiben die neuen Jakobiner jetzt ihren Tanz?“. Das Vatican Magazin wird allerdings nicht von katholischen Kirche, sondern der Fe-Medienverlags GmbH, verlegt.

Im Text selber ist von „Verrat“ und falschen Beratern die Rede. „Er muss schwer traumatisiert sein. Viele wären längst zusammengebrochen in dieser Jagd“, heißt es über Tebartz-van Elst. Die Seele des Bischofs sei „wund und verwundet“. Immerhin hätten ihn „die Leitwölfe des Journalismus mit ihren Zähnen beinahe zu Mehl zermahlen“.

Scheinbar erkennt der Bischof eigene Fehler an. Allerdings nur allzu verzeihliche. Er fühlt sich offenbar massiv falsch verstanden. So empört sich der Würdenträger gegen das „Schimpfwort vom Protzbischof“. „Protz und Prunk sagten ihm nichts“, heißt es in dem Text. Das wisse jeder, der ihn kenne und jeder, der das Bischofshaus gesehen habe. „Es sei nicht protzig, sondern vor allem wertig“.

In den vergangenen Wochen war Tebartz-van Elst medial abgetaucht. Via Vatican Magazin meldet er sich nun erstmals in der Öffentlichkeit. Das Vatican Magazin spekuliert schon einmal, dass möglicherweise kaum jemand so viel für die „Entweltlichung“ der katholischen Kirche in Deutschland „getan und erlitten“ hätte, wie der vermeintliche Protzbischof. Dass Tebartz-van Elst mehr oder weniger der wirklichen Welt entrückt ist. Darin sind sich Kritiker des Limburger Bischofs und das Vatican Magazin dann ganz am Ende vielleicht sogar einig. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige