Rechtsstreit um Seitensprung-Fake-Profile

Die kanadische Firma Ashley Madison hat ein Geschäft daraus gemacht, auf der ganzen Welt online Seitensprünge zu vermitteln. Jetzt wurde die Firma von einer Ex-Mitarbeiterin verklagt. Sie gibt an, arbeitsunfähig geworden zu sein, weil sie zu viele falsche Profile eintippen musste. Schmerzen im Handgelenk! Mit den falschen sexy Profilen hätten zahlungs- und paarungswillige Männer angelockt werden sollen. Der skurrile Fall wirft ein Schlaglicht auf die dubiosen Methoden der Dating-Branche.

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Doriana Silva ist eine Brasilianerin, die nach Kanada ausgewandert ist, dem Sitz der weltweit größten Online-Seitensprung-Agentur Ashley Madison, die auch in Deutschland aktiv ist. Beim Start des frivolen Angebots in Brasilien wurde Frau Silva nach ihren Angaben in Kanada angeheuert, um falsche Profile auf Portugiesisch, der Landessprache Brasiliens, zu erstellen. Innerhalb von drei Wochen sollte sie nach ihren Angaben zufolge 1.000 Fake-Profile von vorgeblich Seitensprung-willigen Brasilianerinnen schreiben.

Der Job sei so hart gewesen, dass sie sich wegen der vielen Tipperei eine Verletzung am Handgelenk und dem Unterarm zuzog. Ashley Madison habe sich geweigert, ihr eine Handgelenk-Stütze für die Tastatur zur Verfügung zu stellen. Daraufhin verklagte Frau Silva die Firma auf über 20 Mio. Dollar Schadensersatz. Die hohe Summer begründet ihr Anwalt damit, dass sie einen Teil der Einnahmen will, die mit den von ihr erstellten Fake-Profilen erzielt worden seien. Ashley Madison, habe sich auf ihre Kosten “unrechtmäßig bereichert”.

Frau Silva gab vor Gericht zu Protokoll, dass die Firma ihr Glauben gemacht habe, dass es sich beim Einrichten von Fake-Profilen um eine “normale Geschäfts-Praktik” handle. Wäre sie sich der “ethischen und rechtlichen Implikationen in Bezug auf Online-Betrug bewusst gewesen”, hätte sie die Arbeit abgelehnt. So jedenfalls die vor Gericht dokumentierte Aussage der Klägerin. Die mag man glauben oder auch nicht.

Dass Frau Silva tatsächlich wie die Unschuld vom Lande davon ausging, dass das massenhafte Anlegen von Fake-Profilen ganz und gar rechtmäßig sei, kann man wahrscheinlich ebenso glauben, wie dass hunderte sexy Brasilianerinnen ganz, ganz dringend online nach Seitensprüngen bei Ashley Madison suchen. Trotzdem wirft die Klage ein interessantes Schlaglicht auf die Praktiken in der Online-Dating-Branche. Laut der Zeitung Toronto Star hat sich das Klageverfahren in die Länge gezogen, weil Ashley Madison vom Gericht verlangte, alle Bezüge zu eventuellen “unethischem Praktiken” auf Seiten der Agentur aus der Klageschrift herauszunehmen. Eine höhere Instanz entschied dann aber, dass diese Referenzen notwendig sind, um “den faktischen Kontext zu beschreiben, in welchem die Verletzungen entstanden sein sollen”. Pech für Ashley Madison, die sich zu dem Fall noch nicht öffentlich geäußert haben.

Erst kürzlich berichtete Spiegel TV darüber, dass auch deutsche Online-Partnerbörsen mit Fake-Profilen arbeiten, um vor allem paarungswillige und finanziell potente Männer anzulocken. Das Geschäft mit falschen Profilen – es ist wohl ein sehr internationales Phänomen.

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