Twittercharts: Nur 40% der Follower sind aktiv

Publishing Am Donnerstag hat MEEDIA die neuen deutschen Twitter-Mediencharts veröffentlicht. Auf eine Schwäche des Rankings haben wir dabei hingewiesen: Aus den Follower-Zahlen wird nicht deutlich, wie viele Karteileichen darunter sind: Leute also, die Twitter längst nicht mehr nutzen, aber weiter als Follower gezählt werden. Mit Hilfe des Tools Followerwonk geht MEEDIA dieser Frage nun auf den Grund: Das ernüchternde Ergebnis: Nur 40% der Follower deutscher Medien waren in den vergangenen sechs Monaten aktiv.

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Unsere Analyse zeigt sehr anschaulich, warum die Maßeinheit "Follower" bei Twitter nur bedingt für Vergleiche taugt. Denn: Sämtliche ehemaligen Nutzer, die sich mal angemeldet haben, Twitter dann aber früher oder später langweilig fanden und es nie wieder genutzt haben, gelten weiter als Follower der von ihnen damals gefolgten Accounts. Die Follower-Zahlen steigen dabei unaufhörlich, sinken nur, wenn jemand von sich aus den Unfollow-Button klickt. Dass Twitter daran nicht schon längst etwas geändert hat, beispielsweise diejenigen Accounts nicht mehr als Follower zählt, die sich seit einer gewissen Zeit nicht mehr eingeloggt haben, hat sicher auch damit zu tun, dass ein Unternehmen kein Interesse daran hat, die eigenen Nutzer-/Kundenzahlen klein zu rechnen.

Die Frage, wie viele Karteileichen sich unter den Followern von Twitter-Accounts befinden, ist aber dennoch – nicht zuletzt bei Vergleichen wie unseren Mediencharts – hochinteressant. Um die Frage mit einigen Fakten zu beantworten, haben wir die kompletten 100 populärsten Twitter-Accounts deutschsprachiger Medien mit dem Tool Followerwonk analysiert. Followerwonk zählt mit Hilfe der offiziellen Twitter-API-Schnittstelle u.a., in welchen Zeiträumen die Follower eines Accounts zuletzt einen Tweet verfasst haben, wie vielen Leuten sie sonst noch folgen, welche Sprache sie bei Twitter eingestellt haben, usw. Für unsere Analyse konzentrieren wir uns auf den ersten Punkt: wann haben die Follower der 100 Accounts zuletzt selbst getwittert.

Die Ergebnisse der Analyse: Die 100 geprüften Medien-Accounts verfügen derzeit gemeinsam – brutto – über 9,1 Mio. Follower. Von diesen 9,1 Mio. haben lediglich 840.000 in den vergangenen 24 Stunden selbst einen Tweet veröffentlicht. Erweitert man den Zeitraum auf einen Monat, landet man bei 2,3 Mio. Accounts und bei einer Erweiterung auf sechs Monaten bei 3,8 Mio. Sprich: Nur 3,8 Mio. der 9,1 Mio. Follower, bzw. 41,5% der 100 populärsten deutschen Medien-Accounts können im weiteren Sinne als aktive Twitterer angesehen werden, weil sie innerhalb der vergangenen sechs Monate mindestens einen Tweet veröffentlicht haben.

Nun ist natürlich klar, dass nicht automatisch alle restlichen 58,5% als Karteileichen gewertet werden müssen. Denn: Auch diejenigen, die Twitter regelmäßig, aber nur als passiver Mitleser nutzen, sind für die Medien auf Twitter natürlich willkommen. Erstaunlich ist die hohe Zahl derjenigen Follower, die bislang überhaupt keinen Tweet abgesetzt haben. Ein Beispiel: Das Nummer-2-Account @SPIEGEL_EIL mit Eilmeldungen von Spiegel Online verfügt z.B. über 36% dieser Follower. Sprich: Nur 64% der Follower haben jemals selbst getwittert.

Diese hohe Zahl könnte durchaus für eine hohe Zahl an Mitlesern sprechen. Allerdings lebt ein Dienst wie Twitter vor allem durch die Kommunikation, die Zahl derjenigen, die sich tatsächlich ein Account anlegen, um es bewusst nur passiv zu nutzen, dürfte eher gering sein, die Mehrzahl der 58,5% dürften tatsächlich Karteileichen sein. Ehemalige Nutzer also, die mal ein paar Accounts gefolgt sind, sich aber nicht aufraffen konnten, aktiv zu twittern und nun weiterhin als Follower gewertet werden, ohne dass sie überhaupt noch etwas auf Twitter mitbekommen.

Spannend ist auch der Vergleich der 100 Accounts untereinander. So schwankt die Zahl der aktiven Follower der 100 Medienmarken zwischen 19,6% und 64,2%. Beide Extreme sind Accounts von TV-Sendungen: Besonders wenige aktive Follower hat demnach "Deutschland sucht den Superstar", besonders viele "Circus Halligalli". Die Erklärung dürfte sein, dass "DSDS" einen hohen Grad an – womöglich zumeist jungen – Followern aufweist, die sich Twitter angeschaut haben, u.a. "DSDS" gefolgt sind – und irgendwann gemerkt haben, dass sie keine Lust mehr auf Twitter haben. Zudem ist das "DSDS"-Account immerhin schon rund dreieinhalb Jahre alt, im Laufe der Zeit wächst natürlich auch automatisch die Zahl von Karteileichen unter den eigenen Followern. Genau das ist auch der Grund für den hohen Anteil an aktiven Followern beim "Circus Halligalli": Die ProSieben-Show ist ganz einfach noch so neu, dass sich noch nicht viele Karteileichen angesammelt haben.

Ebenfalls sehr hohe Anteile an aktiven Followern haben MEEDIA und Konkurrenten: Die Branchenmedien w&v, kress, MEEDIA und DWDL erreichen allesamt einen Anteil von 58% bis 63%. Klarer Grund: Zu den Followern gehören viele Journalisten und Medienmenschen, die Twitter nunmal sehr aktiv nutzen. Ebenfalls sehr aktive Follower haben zudem die dpa, der Freitag, arte und der WDR. Sehr gering sind die Zahlen der aktiven Nutzer neben "DSDS" hingegen noch beim Bambi-Account (21%), bei @BILD_Promis (22%), RTL (25%) und der Nummer 1 ProSieben (26%). Allesamt also Accounts von TV-und/oder Promi-Marken, auf die das zutreffen dürfte, was wir eben schon bei "DSDS" erläutert haben: eine hohe Zahl von Leuten, die Twitter mal ausprobiert haben, ein paar bunten Accounts gefolgt sind und dann wieder aufgehört haben, es zu nutzen.

Unter den zehn populärsten Accounts findet sich übrigens keins, das den Durchschnitt von 41,5% erreicht. Das spricht für die These, dass die Zahl der inaktiven Follower im Laufe der Jahre nahezu automatisch zunimmt – je mehr Follower dann zusammen kommen, desto mehr Karteileichen finden sich darunter. Aus den von uns gewonnen Daten lässt sich nun natürlich auch ein neues Twittercharts-Ranking erstellen – eins, in dem nur die aktiven Follower gewertet werden. Hier zeigt sich, wie viele Follower die einzelnen Accounts haben, die Twitter auf jeden Fall nutzen und bei denen die Chance daher hoch ist, dass sie die Tweets der Accounts, denen sie folgen, auch lesen. So sähe die Top 20 nach der entsprechenden Bereinigung aus:

ProSieben bliebe also die Nummer 1, allerdings nicht mehr mit einem so großen Vorsprung. Aus den mehr als 600.000 Followern würden 160.000 aktive, dahinter folgen die Eilmeldungen von Spiegel Online mit 130.000, sowie Zeit Online mit 120.000. Alle anderen landen unter der 100.000er-Marke. Profiteure wären natürlich "Circus Halligalli", das von 42 auf 19 klettern würde, aber auch das @SPIEGELONLINE-Account mit einem Sprung von 12 auf 5. Durchgereicht würden hingegen "DSDS" (von 5 auf 17), aber auch @SPIEGEL_Top (von 9 auf 14).

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