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Twitter dreimal so wertvoll wie Lufthansa

Ein Börsengang wie ein einziger Rausch: 26 Dollar als überteuerter Ausgabekurs? 45 Dollar Erstnotiz! Und damit nicht genug: Sogar die 50 Dollar-Marke übersprang Twitter für einen Moment. Das sieben Jahre alte Internet-Unternehmen, das dreistellige Millionen-Verluste schreibt, wird damit bereits mit 25 Milliarden Dollar bewertet. Börsenwahnsinn? Weil der entscheidende Treibstoff an den Aktienmärkten immer die Nachfrage ist, kritisieren Vermögensverwalter, dass Twitter viel Geld auf dem Tisch liegen ließ.

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Ein Börsengang wie ein einziger Rausch: 26 Dollar als überteuerter Ausgabekurs? 45 Dollar Erstnotiz! Und damit nicht genug: Sogar die 50 Dollar-Marke übersprang Twitter für einen Moment. Das sieben Jahre alte Internet-Unternehmen, das dreistellige Millionen-Verluste schreibt, wird damit bereits mit 25 Milliarden Dollar bewertet. Börsenwahnsinn? Weil der entscheidende Treibstoff an den Aktienmärkten immer die Nachfrage ist, kritisieren Vermögensverwalter, dass Twitter viel Geld auf dem Tisch liegen ließ.

Die Faszination kennt keine Grenzen: Mit offenen Armen empfing die Wall Street den Debütanten Twitter gestern – nahezu eine Kursverdopplung gelang dem Mikrobloggingdienst in der Spitze. Nachdem Twitter für einen Moment sogar die Marke von 50 Dollar nahm, erscheint es aus heutiger Sicht vollkommen absurd, wie der 140-Zeichen-Dienst selbst vor einer Woche die Kurstaxe von 17 bis 20 Dollar herausgeben konnte.       

Es ist ein Bewertungsunterschied von nicht weniger als 18 Milliarden Dollar: Wäre Twitter bei 17 Dollar noch für 9 Milliarden Börsenwert zu haben gewesen, waren es gestern bei Kursen von 50 Dollar 27 Milliarden Dollar – geändert hat sich am Unternehmen fundamental nichts binnen dieser sieben Tage.

1,6 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen gelassen

So erfreulich der enorme Kurssprung von in der Spitze 93 Prozent für Zeichner war, die bei der Zuteilung zum Zuge kamen, so sehr muss sich Twitter auch die Frage gefallen lassen, ob es nicht hat einen großen Batzen Geld entgehen lassen, findet etwa Vermögensverwalter Cody Willard.

"Ich bin so enttäuscht, wie Twitters Management und Banker das Unternehmen an die Börse gebracht haben, dass ich nicht davon ausgehe, dass ich jemals in Twitter investieren werde", äußerte sich Willard unmittelbar nach der Erstnotiz bei Marketwatch.com. Warum die harten Worte? "Nach meinen Berechnungen hat Twitter 1,6 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen gelassen", rechnet Willard vor.

Zusätzliche Milliarden für Firmenwachstum entgehen lassen

Die Rechung geht folgendermaßen: 1,82 Milliarden Dollar hat der Social Media-Star durch die Emission seiner 70 Millionen Aktien zu 26 Dollar eingespielt. Hätte Twitter seine Aktien stattdessen zwischen der Erstnotiz und dem gestrigen Höchstkurs gepreist, wären dem Mikroblogging-Dienst weitere 1,3 bis 1,7 Milliarden Dollar zugeflossen.    

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„Wenn die neu emittierten Aktien bei 50 Dollar gepreist worden wären, hätte Twitter jetzt fast 2 Milliarden Dollar extra, um in das langfristige Firmenwachstum zu investieren“, mokiert sich der Vermögensverwalter, der zuvor allerdings geäußert hatte, nicht mehr als 25 Dollar pro Aktie zahlen zu wollen.

Schon dreimal so wertvoll wie die Lufthansa

Damit dürften die Diskussionen um Twitters fairen Wert erst richtig begonnen haben. Nach klassischen Bewertungsmaßstäben erscheint der Dotcom-Star absurd teuer. Mit 25 Milliarden Dollar, die Twitter per Handelsschluss vor Ausübung des Greenshoes wert war, käme das gerade mal sieben Jahre alte Internet-Unternehmen bereits auf den dreifachen Börsenwert der  Lufthansa! Um bei Dax-Konzernen zu bleiben: Twitter ist schon wertvoller als ThyssenKrupp, die Commerzbank, Henkel, RWE oder sogar Adidas und Beiersdorf!

Doch wie lange kann die äußerst sportliche Bewertung gut gehen? "Die Wall Street behandelt Twitter so, als wenn 2015 schon 3 Milliarden Dollar Umsatz erzielt werden", stellt Henry Blodget halbwegs achselzuckend klar. "Sehr teuer, aber nicht absurd". Warum nicht? "Twitters Umsatz ist noch so weit zurück, dass sie leicht die 2 Milliarden-Grenze allein mit den bisherigen Nutzern knacken müssten", findet der Gründer und Chefredakteur des Business Insider.

Damodaran: Börsianer preisen 32 Milliarden Dollar Umsatz in 2023 ein

Value Investor Aswath Damodaran ist da weitaus zurückhaltender. Nach seiner Einschätzung verdient Twitter höchstens eine Bewertung von 18 Dollar je Aktie, die in den kommenden zehn Jahren einen Umsatzsprung von heute 600 Millionen auf  11,5 Milliarden Dollar einpreist.

"Um 45 Dollar je Aktie zu rechtfertigen, müsste Twitter in zehn Jahren 32 Milliarden Dollar im Jahr 2023  umsetzen", gibt der Professor der New York University bei TechCrunch turmhohe Vorgaben heraus.  So oder so: Nach dem ersten Handelstag scheint Twitter priced for perfection. Die Schlacht um den vermeintlich fairen Wert hat erst begonnen…

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