Beckmanns Sollte-Könnte-Würde-Show

Reinhold Beckmann, scheidender ARD-Talker, hat - so scheint es - keine rechte Lust mehr. Warum sonst sollte er die Gelegenheit derart vergeigen, den offiziellen deutschen Edward-Snowden-Exegeten Hans-Christian Ströbele und den Ober-Snowden-Skeptiker von der Bild, Julian Reichelt, in einer Sendung zu haben? Kam, gleichsam versehentlich so etwas wie eine Diskussion zustande, war Beckmann stets zur Stelle, um reinzugrätschen.

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„Ich unterbreche Sie wahnsinnig ungern“, sagte Beckmann an einer Stelle als die Sendung schon ziemlich weit fortgeschritten war und Ströbele und Reichelt mal wieder die Unverfrorenheit besessen hatten, das Diskutieren anzufangen. Aber Beckmann musste unbedingt noch die eine oder andere hypothetische Schnarch-Frage aus seinem kleinen Fragen-Köfferchen vortragen. Wie wäre es denn nun, wenn der Herr Snowden in Deutschland Asyl bekäme und überhaupt: Was würde die Regierung denn dann tun und wie sollte man, wenn denn dann die USA undsoweiter.

Sollte, könnte, würde – das waren die Lieblings-Vokabeln des Gastgebers. Das konnte der Mann mit der titangrauen Brille und den Monster-Koteletten aber früher besser. Lag natürlich auch daran, dass – General-Krankheit fast aller deutschen Talkshows – zu viele und zu viele überflüssige Gäste eingeladen waren. Ströbele und Reichelt hätten völlig gereicht. Wer brauchte da noch die US-Journalistin Melinda Crane, die Transparency International Vorsitzende Edda Müller oder – sorry – Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der allerdings zeitweise die Moderation übernahm und dabei deutlich aufgeweckter wirkte, als der Gastgeber.

Man hätte sogar mal ganz verwegen sein können und nur mit dem ollen Ströbele talken. Der war nämlich richtig gut drauf. Wäre vielleicht ganz interessant gewesen, so richtig ins Detail zu gehen, wie das bei diesem Treffen mit Snowden in Moskaus gewesen ist. Dafür hätte sich der Moderator aber natürlich sehr, sehr gut vorbereiten müssen. Und dazu, so wirkte es, hatte der Beckmann schlicht keine Lust mehr.

Und so erfuhren wir zu später Stund‘ in der ARD noch einmal alle Oberflächlichkeiten zu dem Treffen, die Ströbele überall sonst schon gesagt hatte („Hatte meine Koffer schon gepackt.“). Jeder durfte sagen, was er oder sie denkt, warum Herr Snowden nun Asyl bekommen sollte/könnte/müsste und – „Herr Pleitgen schaut schon auf die Uhr“ – da kam auch schon der flotte Ingo Zamperoni mit seinem „Nachtmagazin“ um die Ecke. Ganz am Ende sagte Beckmann, er werde sich des Themas noch weitere Male annehmen. Eindeutig eine Drohung.

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