taz verteidigt ihre Dumping-Löhne

Lehrbuchreaktion der taz: Als Antwort auf einen kleinen Shitstorm auf der Facebook-Seite der tageszeitung reagiert die Redaktion mit entwaffnender Ehrlichkeit. Die Berliner suchen neue Volontäre. Zum Ärger vieler Nutzer ist der Verlag allerdings nur bereit 903,15 Euro im Monat zu zahlen, also unter dem Tarif und sogar unter dem von der SPD geforderten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Diesen Argumenten widerspricht die Redaktion nicht. Allerdings: Ohne die „sehr niedrigen Gehälter“, wäre „die Zeitung nicht machbar“.

Anzeige

Tatsächlich haben die Mager-Löhne bei der taz Tradition. „Die Gründergeneration verzichtete am Anfang zum Großteil oft völlig auf eine Bezahlung und finanzierte die Arbeit für das Projekt ‚tageszeitung‘ durch nächtliches Taxifahren oder andere Nebenjobs, auch der dann bald eingeführte Einheitslohn von 800,00 und später 1000,00 D-Mark im Monat  war mehr als bescheiden“, erklärt das Hausblog der taz.

Als auf der jüngsten Generalversammlung der taz-Genossenschaft wieder die Forderung nach Tariflöhnen gestellt wurde, machte die Geschäftsleitung offenbar folgende Rechnung auf: „Derzeit liegen die Gehälter auf  etwa 2/3 der in der Branche üblichen Tarife. Bei Bezahlung des vollen Tariflohns müßten also entweder 1/3 der Belegschaft entlassen werden – oder 12.000 Abonnements hinzukommen“.

Vor allem Letzteres scheint derzeit völlig unmöglich. Im dritten Quartal 2013 meldete die Zeitung 44.458 Abonnenten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies bereits ein Minus von 1.38 Prozent. Ein Plus, vor allem im zweistelligen Bereich, ist nicht in Sicht.

Wer bei der taz arbeitet, macht das nicht wegen des Gehaltes, sondern aus Überzeugung. „Die meisten arbeiten sehr gerne für die taz, weil das kleinere Geld durch größere Möglichkeiten, Freiheiten und ein einzigartiges Umfeld durchaus aufgewogen wird“. Ein Zustand, von dem viele Verlage und Redaktionen nur träumen können. Die Transparenzoffensive der taz zeigt, dass der Shitstorm eigentlich sinnlos ist. Die Volontäre wollen zur taz gerade der taz wegen und nicht aufgrund des Geldes.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige