16 Medienmänner, die es trotz Bart schafften

Eine Meldung und ihre haarige Geschichte: Am Mittwoch zitierte Meedia einen Experten, der behauptet, dass ein Bart der Karriere schadet. Schnell entbrannte eine Diskussion, an der sich auch prominente Medienleute beteiligten. Für Meedia war dies Anlass, der Sache auf den Grund zu gehen. So zeigte sich, dass die Gesichtsbehaarung nicht notwendig ein Karrierekiller sein muss. Sehen Sie selbst: Diese (teils vorübergehenden) Bartträger konnten sich im harten Medienberuf behaupten.

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Nutzt ein Bart der Karriere oder schadet er ihr? Die Ausgangsthese von Managercoach Stefan Wachtel: Ein Bart könne oft einen finsteren Eindruck vermitteln. Einen guten Chef hingegen zeichne ein offenes und freundliches Auftreten aus. Das hatte der Frankfurter Experte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Dem Bart komme für das Erscheinungsbild eines Mitarbeiters verständlicherweise eine besondere Rolle zu. Denn er sitzt mitten im Gesicht und ist deshalb nicht zu übersehen.
Wachtels Meinung teilten offenbar nicht alle. Bild-Chef Kai Diekmann, derzeit wohl der bekannteste Bartträger in der Medienbranche, bezog umgehend Stellung: “So ein hanebüchener Dünnsinn”, wetterte er auf Twitter und fügte hinzu: “Ohne Bart wird bei mir KEINER mehr was!” Daraufhin entbrannte auf der Mikrobloggingplattform und in den Kommentaren unter dem Text eine Debatte über das Für und Wider der Gesichtsbehaarung. Die Reaktion von BamS-Chefin Marion Horn: “Wie konnte Kai mich so schnell verstoßen?? #heulrotzundwasser”
Kurzum: Bärte scheinen die Branche zu bewegen. Grund genug für MEEDIA, einmal 16 Medienmänner zu porträtieren, die es trotz Gesichtsbehaarung im Medienberuf zu etwas gebracht haben.

Stefan Raab
Der ProSieben-Entertainer ist sich und seiner dezenten Bartfrisur treu. Seit Jahren ist der schmale "Henriquatre" sein Markenzeichen. Vollbart: Kommt für den “TV Total”-Mann nicht in Frage! Gehindert hat die Gesichtsbehaarung den Moderator nicht daran, Karriere bei ProSieben zu machen. Neben “TV total” hat Raab ein ganzes Imperium an Shows etabliert: “Bundesvision Song Contest”, “Absolute Mehrheit”, “Wok WM”, “Turmspringen”, “Autoball” und viele mehr.

Markus Peichl
Ohne ihn und seinen sogenannten "Short Boxed Beard" würde es keine “Lead Awards” in Hamburg geben. Der Tempo-Gründer und oft ausgezeichnete Journalist leitet seit 2002 die Lead Academy und sollte 2012 die kränkelnde Vorabend-Sendung “Gottschalk live” retten. Der Versucht floppte, als Geschäftsführer der Berliner Galerie Crone feiert der Bartträger dennoch Erfolge.

Axel Thorer
Der Bart von Axel Thorer zeugt von Entdeckergeist. Einen Namen dafür zu finden, fällt schwer: Verlängerter "Dali" würde es wohl noch am ehesten treffen. Der Journalist erlangte Berühmtheit durch seine Reportagen über die Camel Trophy. Darüber hinaus waren Thorer und sein Bart mit dem Kajak in Ost-Grönland unterwegs, auf der Suche nach Flugzeugwracks im Dschungel von Papua-Neuguinea und durchstriffen das alte Casablanca. Kurzum: Thorer ist ein Mann von Welt – und sein prächtiger Bart zeugt davon.
Thomas Gottschalk

“Der trägt Bart?”, werden jetzt vermutliche einige fragen. Tatsächlich ließ der Ex-”Wetten, dass..?”-Moderator kurzzeitig das Gesichtshaar sprießen. 2009 entbrannte darum sogar ein ZDF-interner Streit. Im Englischen "Handlebar and Chin Puff" genannt spricht man im Deutschen vom Musketier. Doch für Kritiker sah Gottschalks Bartversuch über der Oberlippe wie  „Magnum“ aus. Der damalige ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner verriet dem Express: "Auch wenn Thommy noch so sehr an dem Bart hängt – mir gefällt er nicht.“ Gottschalk gab nach: Wenig später war der Bart ab.
Thomas Koch

Branchen-Legende Thomas Koch, Gründer der Mediaagentur tkm und CEO von tkmStarcom, ist Partner bei "Warum Wippt Der Fuß" und Plural Media Services. Als Herausgeber des Medienmagazins Clap und Mediaperson des Jahres 2008 kann man von dem sympathischen Bartträger behaupten: Der Mann hat Karriere gemacht – mit Bart! Damit nicht genug: Wie dieses Bild belegt, trägt im Hause Koch sogar das geliebte Tier einen Schnäuzer.
Tyler Brûlé

Als Musterbeispiel des kosmopolitischen Medienunternehmers trug der Kanadier schon vor Jahren einen Dreitagebart. Seine Karriere liest sich derweil wie die eines Bilderbuch-Journalisten: BBC, Good Morning America, 60 Minutes und Fox, The Guardian, The Globe und Mail, Elle, Stern, die Sunday Times und Vanity Fair gehörten zu seinen exquisiten Auftraggebern. 1994 wurde Brûlé während einer Reportage in Afghanistan angeschossen, gründete danach das Trendmagazin Wallpaper. Seit 2007 verlegt er die Zeitschrift Monocle. Kurzum: Den Mann hält keine Kugel auf, dann erst recht nicht ein Bart. Sein Typ für das perfekte Magazin-Cover: Hunde, Brillen, Schürzen und….Bärte!
Klaas Heufer-Umlauf

Die bessere Hälfte von Joko Winterscheidt. Während dieser nur seiner Frisur einen Undercut verpasst, setzt Klaas seit einigen Jahren auf den “Ducktail”. Doch nach der Sommerpause 2013 überraschte der Moderator seine Fans mit einem Fuselbart. Das ungetrimmte Etwas kam allerdings überhaupt nicht gut an. Nach zwei Wochen war der Bart deswegen wieder auf Normallänge gestutzt. Das Modell nennt sich übrigens "Schifferkrause". Joko trug zwar noch zu Beginn von “Circus Halligalli” einen Bart, tritt seit einigen Tagen aber nur noch glattrasiert vor die Kamera.
Horst Schlämmer

Gelbe Zähne, Männerhandtasche und ein veritabler Schnäuzer. Das waren die Markenzeichen von Horst Schlämmer, seines Zeichens Redakteur beim fiktiven Grevenbroicher Tagblatt und Liebling der Medien und Zuschauer in den Jahren 2009 und 2010. Komiker Hape Kerkeling gestaltete die Figur nach seinen einschlägigen Begegnungen mit Boulevardreportern. Schlämmer war sogar so erfolgreich, dass Menschen in Umfragen erklärten, seine Partei durchaus wählen zu wollen, wenn es denn möglich wäre. Zum Hintergrund: Für seinen Film “Isch kandidiere” gründete Schlämmer die HSP, die „Horst-Schlämmer-Partei“. Wir finden: Ein Schlämmer ohne Schnäuzer – das wär nur ein alkoholabhängiger Lokalredakteur mit Rückenproblemen.
Harald Schmidt

Dass ein Bart ein Zeichen des Wandels ist, hat in den vergangenen Jahren wohl kein Entertainer besser bewiesen als Harald Schmidt. Nach dem Weggang von Sat.1 tauchte der Late-Night-Talker im Ersten mit wallender Mähne und Vollbart auf. Die FAZ nannte ihn daraufhin eine “Ikone der Altersweisheit”. Auch wenn sich die Quoten im Ersten sukzessive verschlechterten und auch eine Neuauflage auf Sat.1 nicht den gewünschten Erfolg brachte: Der Karriere Schmidts tat der Bart keinen Abbruch. Seit Septbember 2012 moderiert der 56-Jährige auf Sky – allerdings wieder ohne Bart.

Christian Nienhaus
Schon als Geschäftsführer von Bild, BamS, Sport Bild, BZ prangte über der Oberlippe des Zeitungsboss ein veritabler Schnäuzer. Den behielt er auch noch an der Spitze der WAZ-Mediengruppe, allerdings in kleinerer Ausführung. Vor der Umbenennung zur Funke-Gruppe griff der 53-Jährige zum Rasierer: Der Bart kam ab, und dabei blieb es bis heute. An der Karriere hat ihn sein Schnäuzer dennoch nicht gehindert.
Waldemar Hartmann

Waldemar “Waldi” Hartmann und sein Schnäuzer – das war der Inbegriff des typisch-deutschen Schnäuzers. 30 Jahre trug das ARD-Urgestein einen Schnurrbart (Motiv aus seinem Buch "Born to be Waldi"), bevor er 1999 das gute Stück abrasierte. Für den guten Zweck lässt der Sport-Reporter im “Movember” das Gesichtshaar wieder wachsen – für den guten Zweck.

Kai Diekmann
Wohl bei keinem anderen deutschen Medienmacher lässt sich seit Monaten eine wahre Bart-Evolution so gut feststellen wie bei Kai Diekmann. Nach Jahren der zurückgegelten Haare und glattrasierten Wangen mag es der Bild-Chef kernig: Tattoos zieren seine Arme, der Bart wird immer mächtiger. Angefangen hat der Wuchs beim Springer-Mann während seiner Zeit im Silicon Valley. Der Karriere tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Bild.de liegt in der IVW und bei der AGOF vorne, führt das Mobile-IVW-Ranking mit Abstand an.
Ingo Zamperoni

Mit seinen Grübchen hatte der Fernsehmoderator schnell den Titel eines Frauenschwarms weg. Der Vater von drei Kindern moderierte seit 2012 die “Tagesthemen” mit. Seit wenigen Wochen ist der 39-Jährige mit Bart vor der Kamera zu sehen. Seiner Karriere tat das keinen Abbruch. Im Oktober gab die Tagesschau online bekannt, dass Zamperoni ab Februar 2014 als Korrespondent ins ARD-Auslandsstudio Washington wechseln wird. Das zeigt auch den Imagewandel des Bartes bei Nachrichtenmoderatoren: 1974 hatte Zamperonis Branchen-Ahne Karl-Heinz Köpcke seinen aus dem Urlaub mitgebrachten Schnäuzer nach heftigen Zuschauerprotesten wieder entfernen müssen.

Thomas Roth
Thomas Roth wechselte von den USA zurück nach Deutschland. Von Dezember 2008 bis zum Sommer 2013 war er ARD-Studioleiter in New York. Mit dem schloweißen Haar und dem ebenso weißen Schnäuzer strahlt er Weisheit und Seriösität aus – perfekt für die “Tagesthemen”. Seinem Bart ist er schon seit vielen Jahren treu und machte mit ihm als Journalist ordentlich Karriere. 1995 wurde er für seine Arbeit mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. Der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere: Seit Anfang August ist er als Nachfolger von Tom Buhrow der neue “Erste Moderator” der “Tagesthemen”.

Alfred Neven Du Mont
Den Kölner Altverleger kann man sich ohne Bart überhaupt nicht vorstellen. Dieser Schnäuzer strahlt Autorität aus und erlebte über die Jahrzehnte schon einiges: die Gründung des Kölner Express 1964, die Umformung vom Traditionsverlag des Vaters zum Medienunternehmen Gruppe M. DuMont Schauberg (MDS) und den familieninternen Zwist mit Sohn Konstantin im Jahr 2010.
Christian Krug

Auch beim Gala-Chef ist zu beobachten: Der Bart markiert den Beginn einer neuen Ära. Seit er im Oktober 2012 die Gala übernommen hat, lässt der G+J-Mann einen Vollbart stehen. Seine Chefin Julia Jäkel sagt über ihn: "Er ist Journalist durch und durch und einer der kreativsten und profiliertesten Köpfe der deutschen Medienszene." Seit Kurzem ein bärtiger Kopf.
Wer jetzt auch überlegt, sich einen Bart stehen zu lassen, hat einen guten Grund dafür. Es ist "Movember". Die Bewegung will das Bewusstsein für Prostata- und Hodenkrebs fördern. Movember fordert Männer auf, sich während der 30 November Tage einen Schnurrbart wachsen zu lassen und somit ihr Aussehen und das Gesicht der Gesundheit von Männern zu verändern. Zusätzlich sollen die "Mo Bros" Spenden sammeln. So kamen 2012 durch 1,1 Millionen Unterstützer 113,5 Millionen Euro zusammen.

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