Springer: Digital-Kauf und Allegra-Revival

Spätestens mit dem abgeschlossenen Verkauf von Teilen des Print-Geschäfts an die Funke-Gruppe im kommenden Jahr, dürfte es für Springer kein Zurück mehr geben. Aus einem klassischen ist endgültig ein digitales Medienhaus geworden. Bis es soweit ist, wollen die Berliner vor allem eines: weitermachen wie bisher. Heißt: mehr Digitale-Expansion der eigenen Marken wie KaufDa. Internationale Zukäufe wie die Saongroup-Akquisition und ein paar Leuchtturm-Print-Projekte wie eine Revival-Ausgabe der Allegra.

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Zum 10-Jährigen Einstellungs-Jubiläum des Frauenmagazins Allegra soll im April 2014 eine Sonderausgabe erscheinen. Herausgegeben wird sie vom Axel Springer Mediahouse in Berlin. Mit der Juli-Ausgabe stellte Springer 2004 den Titel ein, weil man damals keine wirtschaftliche Perspektive mehr für die Zeitschrift sah. Davor war die Allegra von 1995 bis 2004 erschienen. Um die Produktion der Sonderausgabe kümmert sich die Redaktion des Rolling Stone und des Musikexpresses unter der Leitung von Ulrike Morant und Joachim Hentschel.
Der Launch eines einmaligen Print-Projektes passt in die Strategie der vergangenen Jahre. Immer wieder experimentierten die Berliner mit Magazin-Konzepten. Darunter fällt beispielsweise auch das Tattoo-Magazin Ink oder die Filmzeitschrift ME.Movies. Für Döpfner sind solche Projekte der Beweis, dass man sich nicht gänzlich vom gedruckten Papier verabschiedet. Ist eine Idee journalistisch gut oder innovativ, würde man sie auch umsetzten: ob nun analog oder digital.
Diese Projekte sind in den Bilanzen des Verlages aber keine großen Kostenpunkte mehr. Da schlagen die aktuellen Zukäufe und Transformationskosten ganz anders zu Buche. Wegen hoher Umstrukturierungskosten, Investitionen und dem rückläufigen Print-Geschäft sank der operative Gewinn im vergangenen dritten Quartal um 18,3 Prozent auf 123 Millionen Euro. Der Umsatz konnte dagegen leicht zulegen, und zwar um 3,6 Prozent auf 815,8 Millionen Euro. Unterm Strich bleiben beim bereinigten Ergebnis 65 Mio. Euro stehen, das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr.

Während der CEO diese Bilanz in einer Telefonkonferenz erklärte, verkündete die Konzern-Tochter Stepstone unterdessen den Kauf der Saongroup, Betreiber der führenden Jobportale in Irland und Südafrika. Insgesamt ist das Portal in 16 Ländern aktiv. Die Saongroup wurde 1999 gegründet und beschäftigt weltweit mehr als 300 Mitarbeiter.
„Im vergangenen Jahr ist Axel Springer die Partnerschaft mit General Atlantic eingegangen. Die Übernahme der Saongroup ist seitdem die fünfte Akquisition von profitablen Marktführern und zeigt unsere Entschlossenheit, das Geschäftsfeld der Online-Rubrikenmärkte weiterzuentwickeln“, kommentiert Springers Digital-Manager Jens Müffelmann.

Damit stärken die Berliner das Wachstumsfeld der Classified-Ads. Schon heute zeigt sich, dass die Anzeigenportale ein wichtiger Treiber in der Bilanz des Medienhauses darstellen. Allerdings formulierte Döpfner an dieser Stelle nochmals eine klare Absage an den Kauf der Scout-Gruppe – zumindest für die aktuell kolportierten Preise.
Ansonsten war das dritte Quartal geprägt von Investitionen in die Transformation und Restrukturierung. Alleine die Einführung der Bezahlschranken bei Bild habe einen zweistelligen Millionenbetrag verschlugen. Konkrete neue Abo-Zahlen zu Bild plus oder der Bezahlschranke der Welt, will der Vorstandsvorsitzende allerdings nicht verraten. Die einzige bekannte Zahl sind die 47.000 Digital-Abos der Welt. Allerdings spricht Döpfner von einen anhaltenden „kontinuierlichen“ Wachstum, mit dem sich die Abo-Datei der Marke fülle. Zudem arbeiten die Berliner noch immer hart daran den großen Verkaufsdeal mit der Funke-Gruppe über die Bühne zu bringen.
Bislang gibt es nur einen notariell bekundeten Vorvertrag. Laut Springers Finanzvorstand Lothar Lanz arbeiten aber beide Seiten daran, dass es in den kommenden Wochen zur Unterzeichnung der endgültigen Vereinbarungen kommt. Das Kartellamt wird erst im kommenden Jahr über den Verkauf von Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Bild der Frau und vieler TV-Zeitschriften entscheiden.
Ist dies geschehen, dürfte das Medienhaus vor einem spannenden Jahr 2014 stehen. Der Verlag ist kaum verschuldet, verfügt dann über sehr große Barreserven und einen gewaltigen Kreditrahmen. Möglicherweise geht dann der Blick noch mehr Richtung Amerika. Gerade erst brachten die Berliner KaufDa unter dem Namen Retale in den US-Appstore. Alleine den Marktstart ließ sich das Mutterhaus 33 Millionen US-Dollar kosten.

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