Axel Springer: Rekorde waren gestern

Die digitale Zeitenwende hat endgültig die Bilanz der Axel Springer AG erreicht. Wegen hoher Umstrukturierungskosten, Investitionen und dem rückläufigen Print-Geschäft sank der operative Gewinn im vergangenen 3. Quartal um 18,3% auf 123 Mio Euro. Der Umsatz konnte dagegen leicht zulegen, und zwar um 3,6% auf 815,8 Mio Euro. Zusammenfassend lässt sich sagen: Print verliert, Digital gewinnt. Unterm Strich bleiben beim bereinigten Ergebnis 65 Mio. Euro stehen, das sind 18% weniger als im Vorjahr.

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Negativ entwickelte sich vor allem das Print-Geschäft im Ausland mit einem Rückgang von 14,7% bei den Erlösen und 10,8% beim operativen Gewinn (11 Mio. Euro). Augenfällig ist auch der dramatische Verfall bei den Zeitungen national, der früher wichtigsten Erlös- und Gewinnsäule bei Springer, die mittlerweile von Digital überholt wurde. Zwar legten die nationalen Zeitungen bei den Erlösen um 2% zu, der operative Gewinn im 3. Quartal sackte aber um 13,4% auf 52,1 Mio Euro ab. Mit-Grund für das Mini-Umsatzwachstum dürfte sein, dass bei einem Drittel der Bild-Auflage Mitte August die Verkaufspreise erhöht wurden und die Bild-Sonderausgabe zur Bundestagswahl einmalig für deutlich erhöhte Werbe-Umsätze sorgte.

Wenn man den Grund sucht, warum Axel Springer Teile der Zeitungen und Zeitschriften an die Funke-Gruppe verkauft – er steht in der Quartalsbilanz. Operativ ist das Print-Geschäft einfach stark rückläufig und das wird sich nicht mehr ändern. Als überregional digitale Marken trauen sie bei Springer offenbar nur Bild und Welt das nötige Zukunftspotenzial zu.

Im Digital-Segment stehen die Zeichen dagegen ungebremst auf Wachstum. Springer verweist auf den Ausbau bei Bild.de mit dem Bezahl-Angebot Bild Plus und Bild Bundesliga. Außerdem wurde das Online-Reisemagazin Travelbook gestartet und die Stellenbörse Yourcareergroup für Jobs in der Hotellerie, Gastronomie und Touristik übernommen. Ein bedeutender Deal war außerdem die Übernahme der beliebten Sport-Applikation Runtastic. Springer beteiligte sich darüber hinaus an dem Start-up-Finanzierer Project A Ventures. Die Hoffnung, eines Tages in der weltweiten Start-up-Lotterie das Milliarden-Dollar-Los zu ziehen, treibt sie bei Springer an. In dieser Beziehungen scheinen Teile des Führungspersonals im Konzern wie im Rausch.

Die Digital-Erlöse machen mittlerweile knapp 40% an den Gesamterlösen des Konzerns aus. Das Segment Digitale Medien legte bei den Erlösen im 3. Quartal um 13,6% auf 319,2 Mio. Euro zu. der operative Gewinn kletterte um 8,8% auf 60,1 Mio. Euro. Auf die ersten neun Monate gerechnet betrug der Gewinnzuwachs bei Digitalen Medien sogar 18,5%. Nach wie vor gilt: Die Axel Springer AG ist in Deutschland digital so breit aufgestellt wie kein zweites Medienhaus. Die Strategie, dies weiterzutreiben ist klar erkennbar. Auch künftig wird man damit rechnen können, dass Springer digital ausbaut und zukauft, während beim Print-Segment eher gespart wird, um die Renditen noch so lange wie möglich so hoch wie möglich zu halten.

Die Umbaumaßnahmen im Konzern und die Verwerfungen in der Branche werden auch an der Jahresbilanz der Axel Springer AG nicht spurlos vorübergehen. Die Berliner rechnen mit einem Anstieg der Erlöse im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der operative Gewinn (EBITDA) wird aber vermutlich im einstelligen Prozentbereich sinken. Die Zeiten der Rekordgewinne sind für Springer auch erst einmal vorbei. Das Haus ist aber deutlich besser für künftige Herausforderungen gerüstet als manch anderes.

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