Reemtsma-Entführer will Kasse machen

Für die Entführung von Jan Philipp Reemtsma saß Thomas Drach 15 Jahre im Gefängnis. Noch immer fehlt von dem Lösegeld jede Spur. Am 21. Oktober wurde der mittlerweile 53-Jährige entlassen. Gegenüber den Medien schweigt Drach. Noch. Denn via E-Mail bietet der Anwalt des verurteilten Entführers nun ein Exklusiv-Interview mit seinem Mandanten an. Das Bewerbungsverfahren läuft. Ob Bild, stern oder RTL: Wer auch immer das Gespräch erwirbt, wird wohl Einiges bieten bzw. zahlen müssen.

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In dem Schreiben des Anwalts, mit Datum vom 31. Oktober, heißt es, dass Drach „inzwischen signalisiert“ habe, für „ein Interview zur Person zur Verfügung zu stehen“. Der entscheidende Satz dabei: „Ein solches könnte u. U. auch exklusiv erfolgen“. Interessenten sollen dem Juristen, der in den 80er Jahren Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer war, eine E-Mail schicken. Deren Inhalt: Angaben zur Vorstellung über den „Ort & Zeit (Inland oder Ausland)“ des Interviews, die Teilnehmer, die Auslagenerstattung, den Fragen zur Person und zur „Vergütung von Thomas Drach“. Vor allem dem letzten Punkt könnte eine wichtige Bedeutung zukommen.

Gegenüber MEEDIA sagte der Anwalt, dass das Geld nicht unbedingt der entscheidende Faktor sein muss. Das Gesamtpaket müsse stimmen. Die letztendliche Entscheidung liege ausschließlich bei seinem Mandanten.
An welchem Ort und in welchem Land sich Drach zur Zeit aufhält, ist nicht klar. Obwohl sich der 53-Jährige seit gut zwei Wochen in Freiheit befindet, kann sich der Ex-Knacki wohl kaum wirklich frei bewegen. Auf der Suche nach dem Lösegeld, von dem bislang nur ein Bruchteil aufgetaucht ist, dürfte die Polizei und frühere Komplizen Drach kaum aus den Augen lassen. Zudem soll Reemtsma selbst Detektive auf die Spuren seines Kidnappers geschickt haben. 
Im März 1996 hatte Drach zusammen mit Komplizen Reemtsma vor seinem Haus in Hamburg-Blankenese entführt. Der Erbe des Tabak-Konzerns kam nach der Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken wieder frei. 1998 wurde Drach in Buenos Aires gefasst und nach Hamburg ausgeliefert. Der Fall beschäftigt seitdem die Medien und deren Leser bzw. Zuschauer. Für viele Print-Titel und Sender dürfte ein exklusiver Zugang zu Drach tatsächlich einen erheblichen Wert darstellen. Noch immer dürfte der 53-Jährige Titelgeschichten tragen. Es wird spannend sein zu beobachten, welches Medium sich mit seinem Angebot durchsetzen kann.

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