Anzeige

iPad Air: perfekt – bis auf ein kleines Detail

Mehr Tablet geht momentan nicht - oder besser gesagt: Weniger Tablet geht momentan nicht. Apple hat am Wochenende mit dem Verkauf des neuen iPad Air begonnen. Das ist flacher, leichter, schmaler und schneller als sein Vorgänger - bei identischer Displaygröße und verbesserter Akkuleistung. MEEDIA konnte das Apple-Tablet der fünften Generation einem ersten Kurztest unterziehen. Die Änderungen sind dabei sofort spürbar. Nur ein kleines Detail trübt im wahrsten Sinne des Wortes das Bild vom perfekten Tablet.

Anzeige

Look & Feel: schmaler, dünner, leichter
Wer bereits ein iPad mini in der Hand gehalten hat, kann ungefähr erahnen, wie sich das neue iPad Air anfühlt. Aber eben nur ungefähr. Die Fakten: Auf der Vorderseite hat sich die Display-Diagonale von 9,7 Zoll zwar nicht verringert, allerdings sorgt ein schmalerer Rand für einen puristischeren Look. Die typische “Bilderrahmen-Optik” ist einem 43 Prozent schmaleren Balken gewichen. Störende Doppeleingaben durch einen Finger auf dem Display soll die sogenannte “Thumb Rejection Technology” verhindern. Dabei erkennt das Gerät, ob ein Daumen auf dem Display ruht und ignoriert ihn – beispielsweise, wenn Sie ein Buch lesen. Das funktioniert im Test mit iBooks einwandfrei.

Nur noch 469 Gramm bringt das Gerät auf die Waage. Zum Vergleich: Das iPad 4 wog noch 662 Gramm. Apple hat also rund 200 Gramm Gewicht eingespart. Dieser Unterschied ist extrem auffällig. Während sich die Vorgänger nicht lange in einer Hand hielten lassen, ist das beim iPad Air kein Problem mehr. Hinzu kommt der schmale Rand, der es zumindest Männerhänden ermöglicht, das Gerät mit zwei Finger festzuhalten.

Das neue Kantendesign ist Geschmackssache. Ein bisschen lässt sich das vergleichen mit dem Abschied vom Mini-Buckel des iPhone 3GS hin zum aktuellen iPhone-Design. Während die einen das eckige Kantendesign lieben, trauern andere den handschmeichelnden Kurven des 3GS hinterher. Auch wenn Apple beim iPad Air auf die flach abfallenden Kanten des iPhones verzichtet und sich stark am Design des iPad mini orientiert, hat die überarbeitete Bauweise einen klaren Vorteil: Das Gerät ist viel flacher geworden: Nur noch 7,5 statt 9,4 Millimeter ist das Apple-Tablet hoch. Das hört sich nach sehr wenig an, macht sich in der Hand und vor allem in der Tasche bemerkbar. War das Gerät mit seinem breiten Rand und dem üppigen Alurücken zuvor noch recht auffällig, ist das Air-Modell ein mobiler Begleiter, der sich vornehm zurückhält.

Die Lautsprecher sind außerdem von der Rückseite auf die Unterseite rund um den Lightning-Anschluss gerückt. Im Test mit Spotify lieferte das iPad bei voller Lautstärke guten Sound ohne Klirren. Zweifelsohne fehlt aufgrund der flachen Bauweise ein brummender Bass, als zeitweiser Ersatz für eine Hifi-Anlage reicht es allemal. Interessanter Effekt: Das gesamte Gerät scheint bei aufgedrehten Lautsprechern mitzuschwingen.

Geschwindigkeit: doppelt so schnell wie das iPad 4
Die aktuellen Benchmarks belegen: Das iPad Air ist richtig schnell. Auf der letzten Keynote versprach der iPad-Bauer, dass das neue Air-Tablet die doppelte Leistung des Vorgängers aufrufen könne. Der Geekbench-Test belegt: Das stimmt – vor allem Besitzer früherer Generation dürften einen enormen Geschwindigkeitsschub bemerken. Im Multi-Core-Test von Geekbench 3, dem Standardtest für Prozessorleistung, führt das iPad Air nun mit 2.643 Punkten. Das iPad 4 erreicht “nur” 1.408 Punkte – dabei war es beim Launch Ende 2013 das schnellste Gerät im Tablet-Segment. Das iPad 3, das iPad 2 und das iPad mini, welches auf den Chipsatz des iPad 2 zurückgreift, kommen sogar nur auf rund 495 Punkte. Damit ist das iPad Air rund fünfmal schneller als die zwei Jahre alten Modelle.

Im direkten Vergleich mit einem iPad 4 waren Geschwindigkeitsvorteile spürbar. Ob Videos oder Webseiten: Das Air ist einfach schneller. Besonders krass ist der Unterschied allerdings zum iPad der ersten Generation. Wer also 2010 sein erstes Tablet gekauft hat, für den gibt es mit dem Air nun einen guten Grund zu wechseln.
Stromverbrauch: kleinerer Akku, aber mehr Akkuleistung
Seit Jahren stehen Apples mobile Geräte in der Kritik, zu wenig Akkuleistung zu bringen. Mit dem iPad Air scheint der Konzern aus Cupertino einen guten Schritt nach vorne gemacht zu haben. Innerhalb der kurzen Zeitspanne konnten wir natürlich keinen ausgiebigen Belastungstest durchführen, doch die bisherigen Leistungstests zeichnen ein eindeutiges Bild: In der normalen Nutzung, also Surfen über WLAN, hält das iPad Air ähnlich lange wie das iPad 4 durch: rund 9,5 Stunden. Doch bei der Videowiedergabe kommt das Gerät sogar auf rund 13 Stunden. Das iPad 4 hatte in diesem Fall nur Puste für sechs Stunden Spielzeit.
Dass Apple vor allem das Energiemanagement optimiert hat, zeigt sich auch an anderer Stelle: In einem Test, bei dem das iPad Air als privater WLAN-Hotspot diente, hielt das Gerät über 24 Stunden durch. Die Kollegen von AnandTech haben die LTE-Variante des iPad Air einem Dauertest unterzogen. Dabei diente das Tablet als WLAN-Hotspot, der per USB-Kabel einem Macbook verbunden war, das konstant 100 KB/s herunterlädt. Das Ergebnis: Der Akku des neuen iPads hielt stolze 24,08 Stunden mit einer Ladung. Damit ist das Gerät der Konkurrenz um Längen voraus. Die schafft derweil maximal 14 bis 15 Stunden mit einer Akkuladung.

Dafür soll vor allem der verbaute neue M7-Chipsatz verantwortlich sein (nicht zu verwechseln mit dem A7 Chipsatz, der für die eigentlichen Rechenprozesse) zuständig ist). Während die Technologie im iPhone 5s vor allem darauf abzielt, bei Fitness-Anwendungen präzisere Daten zu liefern, hilft er dem iPad dabei, Energie zu sparen und Prozesse zu managen. So erkennt das Gerät laut Apple blitzartig, ob der Nutzer das Tablet abgelegt hat und schaltet in den Dämmerzustand. Nimmt man das Air wieder in die Hand, steht wieder die volle Leistung zu Verfügung. Ferner sorgt der Chipsatz dafür, Prozesse gebündelt zu managen, um so noch mehr Strom einzusparen. Ein genialer Kniff. Denn um das Gewicht zu reduzieren, musste zwangsweise auch ein Teil des Akkus Platz machen. Die geringere Kapazität fällt allerdings in der Praxis nicht auf. Im Gegenteil: Das iPad Air hält länger durch als seine Vorgänger.
Konnektivität: mehr LTE, mehr WLAN
Apple bewirbt das Air als Eine-Welt-Gerät. Soll heißen: Das Device unterstützt mittlerweile 13 unterschiedliche LTE-Frequenzen. Für deutsche Nutzer bedeutet das: Die Tarife der Telekom sowie von Vodafone und O2 lassen sich mit dem iPad Air nutzen. Zudem hat der Konzern nach eigenen Angaben die Leistung seiner WLAN-Antennen optimiert. Die MIMO-Technologie soll gleichzeitiges Senden und Empfangen vermöglichen. Ein Modus, der vor allem auf die professionelle Nutzung des Tablets mit großen Datenmengen abzielt.
Kamera
Leider hat es die neue Kamera des iPhone 5s nicht ins iPad geschafft. Es kommt dieselbe Optik wie beim iPad 4 zum Einsatz, die Facetime-Kamera auf der Vorderseite verfügt über 1,2 Megapixel Auflösung. Eventuell unterschätzt Apple dabei, wie viele Touristen mittlerweile Bilder mit ihren Tablets aufnehmen, auf denen sie sich gleichzeitig Informationen über den Ort anzeigen lassen. Doch letzten Endes ist das Tablet zu groß und schwer, um als dauerhafter Kameraersatz zu dienen.
Konkurrenz aus dem eigenen Haus?
Nachdem Apple das iPad mini Ende 2012 gelauncht hat, war der Fall für viele Nutzer eigentlich klar: Das kleine Tablet hat den perfekten Formfaktor, ist gut verarbeitet und weitaus handlicher als sein großer Bruder. Allerdings lief im Innern die Hardware des iPad 2, und ein Retina-Display gab es auch nicht. So warteten die iPad-Jünger geduldig auf ein iPad mini 2 mit Retina. Das gab Apple im Oktober bekannt. Das nächste Mini-iPad verfügt ebenfalls über den schnellen A7-Chipsatz und soll noch im November in die Läden kommen. Auch wenn das Gerät teurer ist als sein Vorgänger ist es immerhin noch rund 90 Euro günstiger als das 9,7 Zoll große iPad Air. Das wiederum hat so stark abgenommen, dass die Entscheidung vielen Kunden schwer fallen dürften.

Ein winziger Kritikpunkt bleibt dann allerdings doch noch: Apple hat viel Gewicht beim iPad Air eingespart – offenbar auch beim Glas, das das Display bedeckt. Auch wenn keine Details dazu bekannt sind, klingt die Oberfläche beim Tippen weniger nach Glas, sondern nach Plastik. Das an sich ist nicht schlimm und beeinträchtigt das Bild, das über dieselbe Größe (9,7 Zoll) und dieselbe Pixelzahl (2048 x 1536 Bildpunkte bei 264 ppi), in keinster Weise. Doch schon nach einer halbe Stunde Benutzung fällt auf: Die Oberfläche ist anfälliger für Fingerabdrücke. Im direkten Vergleich mit dem iPad 4 hinterließen Finger auf dem iPad Air Abdrücke, während sie auf dem Display des iPad 4 nicht zu sehen waren. Es lohnt sich also, ein paar Euro in einer Folie zu investieren. Die schützt das Gerät auch, wenn es einmal aus den Händen gleitet.
Und noch eine Bitte, Apple: Bitte verbaut im nächsten iPad den Fingerprintsensor Touch ID! Man ertappt sich oft dabei, wie der Finger auf dem Home-Button ruht, weil man es vom iPhone 5s bereits gewöhnt ist, auf diese Weise das Gerät zu entsperren. Bis es soweit ist, bekommen Nutzer mit dem iPad Air ein schnelleres, leichteres und schmaleres Gerät, das weniger Strom verbraucht. Was will man von einem Tablet mehr?

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige