CEO gefeuert: Chaostage bei Blackberry

Das zweijährige Experiment mit dem Rücken zur Wand ist zu Ende: Blackberry hat sich von seinem deutschen CEO Thorsten Heins getrennt. Der Schritt kurz nach dem Start des neuen Betriebssystems Blackberry 10 offenbart die Richtungslosigkeit, mit der der einstige Smartphone-Pionier immer weiter Richtung Abgrund taumelt. Ein Verkauf wurde mangels Käufern abgesagt – stattdessen sollen jetzt eine Finanzspritze und der frühere Sybase-CEO John Chen für die Wende sorgen.

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Das zweijährige Experiment mit dem Rücken zur Wand ist zu Ende: Blackberry hat sich von seinem deutschen CEO Thorsten Heins getrennt. Der Schritt kurz nach dem Start des neuen Betriebssystems Blackberry 10 offenbart die Richtungslosigkeit, mit der der einstige Smartphone-Pionier immer weiter Richtung Abgrund taumelt. Ein Verkauf wurde mangels Käufern abgesagt – stattdessen sollen jetzt eine Finanzspritze und der frühere Sybase-CEO John Chen für die Wende sorgen.   

Thorsten Heins hatte die Gesetze der Technologiebranche früh erkannt. "Die Geschichte wiederholt sich. Die Innovationsrate in unserer Branche ist so groß, dass man, wenn man nicht in der richtigen Geschwindigkeit neue Innovationen schafft, schnell ersetzt wird", dozierte der frühere Siemens-Manager im Frühjahr gegenüber dem Australian Financial Review – und meinte damit allen Ernstes Apple.

Heins hatte Oberwasser. Das neue mobile Betriebssystem Blackberry 10 war gerade ein paar Wochen alt und hatte gute Kritiken bekommen – und die neuen Modelle Blackberry Z10 und Q10 einen Großauftrag. Kurz darauf folgte ein profitables Quartal, das die Hoffnung auf den Turnaround nährte. Blackberry-Aktien haussierten und erfreuten sich einer seit Jahren nicht mehr gesehenen Kursrally von 200 Prozent.

Nach Achtungserfolg schnell Rückkehr in den Krisenmodus

"Mit Blackberry 10 sind wir auf einem Startplatz des mobilen Computing-Grand Prix, den wir gewinnen müssen", hatte der deutsche Konzernchef im Frühjahr kurz nach Launch des neuen mobilen Betriebssystems richtig erkannt.

Doch bis auf ein paar achtbare Zwischenspurts ist Blackberry beim Comeback-Versuch recht wenig gelungen. Erst im September folgte die Einsicht, dass das Rennen vielleicht sogar nicht mehr alleine zu Ende gefahren werden kann – Blackberry stellte sich zum Verkauf. Wenige Tage später war der Ernst der Lage bei Verkündung der September-Quartalszahlen mit einem Milliarden-Verlust nicht mehr zu übersehen. Es ging nun schnell.

Bitte kauf mich: Betteltour bis zu Facebook

Der Rest sind die traurigen Fußnoten einer Aufstiegs-und-Fall-Geschichte im mutmaßlich ziemlich fortgeschrittenen Fall-Stadium – hier der Versuch des Großinvestors Fairfax Financial, mögliche Käufer um sich zu scharen, da Gerüchte über das Interesse von Private Equity-Investoren, schließlich sogar das Anbiedern bei Facebook.

Man kann sagen, Thorsten Heins hat nichts unversucht gelassen – doch das Scheitern all dieser Option wird natürlich am Ende dem Vorstandschef zur Last gelegt, selbst wenn er produktseitig auf dem richtigen Weg schien. Heins’ Problem ist eben jenes, das er selbst schon frühzeitig erkannte: Zeit für Experimente gewähren die Kapitalmärkte Unternehmen, die ins Trudeln geraten sind, am allerwenigsten.

Bizzares Apple-Bashing und Alicia Keys-Verpflichtung

Knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ist sein Engagement als Vorstandschef eines ehemaligen Börsenstars nun schon wieder vorbei. Eine Fußnote hat der Gifhorner mit Ausnahme seines bizarren Apple-Abgesangs und der noch bizarreren Verpflichtung von R&B-Star Alicia Keys als "Global Creative Director" kaum setzen können.

Dass seinem Nachfolger, John Chen, der früher die von SAP übernommene Softwareschmiede Sybase verantwortete, nun plötzlich die große Wende gelingt, erscheint angesichts der Dynamik des Verfalls von Blackberry kaum denkbar.  

Keinen Käufer für Blackberry gefunden

Großinvestor Fairfax Financial hatte vor sechs Wochen die Absichtserklärung herausgegeben, Blackberry zusammen mit weiteren Investoren kaufen zu wollen. Heute die Erkenntnis: Es kamen nicht genug Käufer für das angestrebte Gebot von 4,7 Milliarden Dollar zusammen.

Die Folge: Die Übernahme wurde abgesagt. Blackberry erhielt gestern von Fairfax die lebensverlängernde Maßnahme einer Kapitalerhöhung über 1 Milliarde Dollar, zu der der kanadische Versicherer selbst nur 250 Millionen Dollar beisteuert.

Was danach mit Blackberry passiert, erscheint aus heutiger Sicht völlig diffus. Klar ist nur: Die Lage des einstigen Pioniers der Smartphonebranche hat sich keinesfalls verbessert. Anleger reagierten mit einem weiteren Kursrutsch von 18 Prozent auf ein neues 10-Jahrestief.

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