„Selten sah der ‚Tatort‘ so alt aus“

Von wegen „Krass“ und „Bombe“: Die Begeisterung über das jüngste „Tatort“-Team aller Zeiten, dass am Sonntag zum ersten Mal zur Mörderjagt durch Erfurt hetzte, hält sich sehr in Grenzen. Katharina Miklis findet, dass selten ein „Tatort so alt aussah“. Die Süddeutsche fühlt sich an die „Rosenheimcops“ erinnert und Spiegel Online antwortet auf die Frage, ob das Einschalten gelohnt hat: „Nein, gar nicht“. Auch bei Twitter lachte man herzlich. Weniger mit, sondern eher über die neuen Ermittler.

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Katharina Miklis, N-tv.de: „Der Tatort aus Thüringen ist ein biederer Krimi geworden, der weder spannend noch gut erzählt ist. Dass der Film unter dem Arbeitstitel "Speed" gedreht wurde, ist eine groteske Randnotiz.“ Weiter schreibt sie: „Nur weil ein Ermittler Pizza aus dem Karton isst und die Bierflasche an einer Tischkante aufmachen kann, ist hier nicht die neue Generation Tatort angetreten“.

In seinem Schnellcheck fragt Spiegel Online, ob man wenigstens die Story glauben könnte. Die verherende Antwort: „Nein, gar nicht. Der übertrieben auf Action gedrehte und mit Energy-Drinks aufgeputschte Plot ist vollkommen unplausibel. Liebe Leute, Finger weg von den Drogen!“

In der Süddeutschen wird Holger Gertz offenbar an die „Rosenheimcops“ erinnert. Ansonsten macht ihm bereits die vermeintliche Jugendsprache mit "Bombe!", "Krass!", "Alter Falter" schwer zu schaffen. „Da können auch die Schauspieler nichts mehr retten. Wer sich an Traumschiffe und Bergdoktoren erinnert fühlt, liegt genau richtig.“

In der FAZ schreibt Jochen Hieber: „Neu ist auch die Szenerie: Erfurt, Thüringens Landeshauptstadt, darf im „Tatort“ debütieren. Sie macht das ordentlich, indem sie ihre kostbarsten Sehenswürdigkeiten – den Domberg etwa und die Krämerbrücke – für spätere Folgen bedeckt hält, dafür die spektakuläre Zitadelle Petersberg gleich zu Beginn als Kulisse einer Verfolgungsjagd im Parcour-Stil präsentiert und die Kamera von Martin Schlecht ansonsten auf das mal harmonische, mal erzwungene Miteinander von alter Bausubstanz und postsozialistischer Architekturmoderne verweisen lässt.“

David Denk, taz: „Bahn frei für das jüngste ’Tatort‘-Team“, wirbt der MDR für den ersten Film, „Kalter Engel“. Und genau diese anbiedernde Berufsjugendlichkeit, das ausgestellt Dreitagebärtige, ist das Problem des vom Mittfünfziger Tom Bohn geschriebenen und inszenierten Falls. Die Kommissare schlafen im Büro, ernähren sich von Energydrinks und attestieren ihrer Praktikantin „’nen geilen Arsch“ – eine Wahrnehmung, die einiges über die MDR-Verantwortlichen aussagt, aber wenig über die umworbene Zielgruppe“.

Drei Ausgewählte Twitter-Kommentare, die für viele andere stehen. „Unistress beim <s>#</s>tatort‚><s>#</s>Tatort Erfurt? Beschämend. <s>@</s>mdr_th‚>Carsten Heidböhmer bei stern.de den Krimi nicht: „Endlich wird wieder scharf geschossen: Das neue Erfurter "Tatort"-Team führt sich mit Rasanz und Action ein – kann das hohe Tempo aber nicht über die kompletten 90 Minuten durchhalten.“ Besonders die Action gefiel Heidböhmer: „Dabei war gerade die Eingangsszene rasant und actionhaltig, wie selten in einer Reihe, wo es schon als dynamisch gilt, wenn der Kölner Kommissar Dietmar Bär eine Treppe hochhechelt oder Axel Prahl in Münster einen Mauervorsprung hinunter hüpft.“

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