Facebook und Wall Street: Plötzlich Liebe

Was für einen Unterschied ein paar Quartale machen können. Für einige Monate kannte die Wall Street keinen besseren Prügelknaben als das Social Network, das viel zu teuer an die Börse gebracht wurde. Inzwischen ist Facebook nicht nur in seine Bewertung hineingewachsen – das nicht mal zehn Jahre alte Internet-Unternehmen übertrifft sie nun scheinbar auch spielend. Analysten sind nach den neuen Quartalszahlen Feuer und Flamme und wedeln schon mit Bewertungen von fast 200 Milliarden Dollar. Realistisch?

Anzeige

Was für einen Unterschied ein paar Quartale machen können. Für einige Monate kannte die Wall Street keinen besseren Prügelknaben als das Social Network, das viel zu teuer an die Börse gebracht wurde. Inzwischen ist Facebook nicht nur in seine Bewertung hineingewachsen – das nicht mal zehn Jahre alte Internet-Unternehmen übertrifft sie nun scheinbar auch spielend. Analysten sind nach den neuen Quartalszahlen Feuer und Flamme und wedeln schon mit Bewertungen von fast 200 Milliarden Dollar. Realistisch?

Bereits das zweite Mal in Folge hat Facebook Anleger überrascht – im positiven Sinne. So deutlich wie Apple zu Glanzzeiten hat das Social Network gestern Analystenschätzungen pulverisiert und dabei einen Meilenstein nach dem nächsten genommen. Umsatz: 2 Milliarden Dollar. Umsatzwachstum: Beschleunigt. Mobile Werbeerlöse: Schon 49 Prozent der Gesamtumsätze.

Dass die Facebook-Aktie gestern nicht stärker zulegte, lag wohl vor allem daran, dass sie zuvor bereits so gut gelaufen war. Zu Jahresbeginn lag das Social Network noch bei weniger als 27 Dollar, gestern waren es schon mehr als 50 Dollar – vor einer Woche hatten sich die Anteilsscheine gar bei mehr als verdoppelt.

Analysten stufen hoch

Glaubt man den jüngsten Analysteneinschätzungen, ist für Aktionäre künftig noch weitaus mehr drin. Janney Capital hob das Kursziel von 50 auf 56 Dollar an, Cantor Fitzgerald von 40 auf 63 Dollar, Evercore Partner von 60 auf 65 Dollar, während Wedbush sogar Notierungen von 72,50 Dollar statt 58 Dollar sieht. Zu den Notierungen wäre Facebook 180 Milliarden Dollar wert.

"Wir glauben, dass ein Premium-Aufschlag gerechtfertigt ist, da Facebook gerade erst das Monetarisierungspotenzial seiner Nutzerzahlen auszuspielen beginnt, während es geeignete Werbeformen ausrollt", erklärte Analyst Michael Pachter in Anspielung auf den Mobil-Boom und die noch werbefreie brachliegende Foto-Tochter Instagram.  

Facebook-Kritiker macht Rolle rückwärts

Michael Pachter? Derselbe Analyst hatte Firmenchef Mark Zuckerberg noch vor eineinhalb Jahren nur kurz vor dem Börsengang mit deutlichen Worten für seinen charakteristischen Kleidungsstil kritisiert – den berühmten Hoodie.

"Das ist ein Zeichen von mangelnder Reife", fand Pachter seinerzeit. "Er zeigt Investoren damit, dass er sich um sie nicht wirklich kümmert." Es gab wohl wenige Fehleinschätzungen in den vergangenen 18 Monaten, die größer ausfielen. Zuckerberg kümmerte sich – auf seine ganz eigene Weise: Mal mit, mal ohne Kapuzenpulli.  

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige