Buhrow kassiert rote Karte für BVB-Wand ein

Das öffentliche Schimpfen hat geholfen: Nach der „Scheißaktion“ (Jürgen Klopp), bei der der WDR die Fans von Borussia Dortmund in „Sippenhaft“ (WAZ) nahm, brach ein heftiger „Shitstorm“ (WDR-Studioleiter) über den Sender herein. Als erzieherische Maßnahme hatte das Regionalmagazin „Lokalzeit“, ein Bild der Südtribüne aus ihren Vorspann geschnitten. Ein Machtwort von Intendant Tom Buhrow verschafft der gelben Wand jetzt wieder sein TV-Comeback.

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Der Ausgangspunkt des Ärgers liegt vor der vergangenen Bundesligapartie zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Bevor der BVB das Revier-Derby gewann, brannten einige schwarzgelben Anhänger massenweise Pyrotechnik ab und zündeten Böller. Trotz maximaler medialer Kritik waren die Fans der Borussia – nach Meinung der „Lokalzeit“ – nicht ausreichend bereit über die Vorfälle zu diskutieren. Also entschlossen sich die TV-Macher zu einem radikalen Schnitt, zeigten der gelben Wand die rote Karte und schnitten das Wahrzeichen des Fußballtempels aus dem Vorspann.

Die Folge waren massive Proteste und viele Debatten: „Nach einem Shitstorm am Anfang wird unsere Maßnahme jetzt zunehmend differenzierter diskutiert", zitiert der WDR selbst den Dortmunder Studioleiter Gerald Baars. Seiner Meinung nach ist die Rechnung aufgegangen: „Es sollte eine Diskussion angestoßen werden. Und ich bin froh, dass jetzt heftig diskutiert wird."

Sein Boss sieht das etwas anders. So erklärte Tom Buhrow am Donnerstagabend: „Der WDR wird die Fans von Borussia Dortmund kurzfristig wieder im Vorspann der Lokalzeit Dortmund zeigen." Die Redaktion habe sie heraus genommen, um mit dieser Geste eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt im Fußball anzustoßen. "Es war aber ganz klar nicht unsere Absicht, die Gefühle der Dortmunder in irgendeiner Weise zu verletzen. Wir wissen, dass die allermeisten Fans friedlich feiern und sich von der Gewalt distanzieren".

Damit schwenkte der Intendant klar auf die Linie der Verantwortlichen des Revierklubs. „Wir halten das Entfernen der Südtribüne aus dem Vorspann der Lokalzeit für eine zutiefst populistische Maßnahme“, beschwerte sich zuvor BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir sehen in der Kollektivbestrafung von 25.000 Menschen keinen Sinn. Der WDR hat genau dieser Tribüne vor wenigen Monaten erst ein Denkmal gesetzt. Die Reaktionen der Fans sagen ja eigentlich alles."

Einen Tag zuvor hatte Trainer Jürgen Klopp schon von einer „Scheißaktion“ gesprochen. Auch wenn Buhrow seinen Studioleiter letztendlich öffentlich zurückgepfiffen hat und die rote Karte für die Südtribüne zurücknahm, hat die Aktion von Baars allerdings tatsächlich auch seinen Sinn erfüllt. Sein radikaler Vorspann-Schnitt zwang dem BVB noch massiver über das Verhalten einiger, wenn auch weniger, Anhänger zu diskutieren.

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