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„WDR Check“: der Buhrowdant zum Anfassen

Im „WDR Check“ stellte sich Intendant Tom Buhrow nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt den Fragen von Studiogästen und professionellen Kritikern. Die Sendung war eine gute Idee von Buhrow. Er präsentierte sich als fröhlichen Intendant zum Anfassen und perfekter Werbeträger für sich und seinen Sender. Das Format war insgesamt gelungen und kam gut an. Es nervte nur bisweilen eine gewisse Tendenz zur Selbst-Bewienerung des öffentlich-rechtlichen Apparates.

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„Würden Sie sich nackt fotografieren lassen?“, fragte Moderatorin Bettina Böttinger zu Beginn und setzte mit einer Reihe von so genannten locker, flockigen Einstiegsfragen gleich mal den Sound für die kommenden zwei Stunden Buhrow-Show. Es sollte wohl bei allem gebotenen Ernst der Sache (Rundfunkbeitrag! Spardruck! Qualität vs. Quote!) immer auch ein bisschen „jeck“ (Böttinger) zugehen. Man war ja in Köln und der 11.11. ist nicht weit.
So durfte also auch Helmut Thoma schwer atmend seine üblichen Mäkeleien zum Fernsehen via Einspieler abgeben (sorry, aber hat man da keinen Besseren gefunden?) und der sonst notorische ARD-Beißer und FAZ-Mann Michael Hanfeld gab sich als geladener Profikritiker im Studio erstaunlich handzahm. Vielleicht lag es daran, dass er im Anschluss noch eine Privat-Audienz beim Intendanten hatte. Die Familie Popolski durfte aufspielen und Buhrow einen Schnaps einschenken, ein Komiker trat auf, die „Aktuelle Stunde“ wurde live präsentiert und man zeigte einen Ausschnitt aus dem kommenden Köln-“Tatort“, der statt um 20.15 Uhr erst nach 22 Uhr laufen darf, weil er ja so ein „intensives, verstörendes Kammerspiel“ ist. An solchen Stellen wäre die Einblendung „Eigenwerbesendung“ nicht ganz fehl am Platze gewesen. Zwei Moderatoren von der „großen Erfolgsgeschichte Eins Live“ (Böttinger) waren da und durften sagen, dass sie ihr Programm – Shocking! – nach den Interessen der Hörer ausrichten würden.
„Gegrillt“, wie es im Vorfeld hieß, wurde Tom Buhrow also keineswegs. Es ging kölnisch-kuschelig zu, die Betriebstemperatur war angenehm lau. Die kritischsten Fragen kamen von den Zuschauern. Als eine Hörerin zum Beispiel wissen wollte, warum keine Menschen mit Behinderung vor der Kamera stehen, kam Buhrow ordentlich ins Schwimmen, gab dann aber offen zu, dass da wohl Nachholbedarf besteht. Der Mann kann also auch mit echter Kritik umgehen. Die kam von der aufdringlich gut gelaunten Bettina Böttinger nie, die war nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihren Chef ganz doll zu finden.
Trotz dieser beschriebenen Tendenz zum Eigenlob, war der „WDR Check“ am Ende doch ein gelungenes Experiment. Weil es tatsächlich das erste Mal war, dass sich ein ARD-Intendant so ausführlich mit Kritikern und Publikum auseinandersetzte und das live im Fernsehen. Buhrow macht das geschickt und sympathisch. Er hätte auch bei etwas härterer Gangart sicher noch gut ausgesehen. Man nimmt es ihm ab, dass er den WDR liebt und nur das Beste für den Sender und die Zuschauer will. „Wir gehören ihnen“, sagte er an einer Stelle und am Ende: „Wir sind für sie da und möchten Teil ihres Lebens bleiben.“
Solche Demuts-Gesten kommen gut an. Buhrow hat begriffen, dass der öffentlich-rechtliche Apparat seine Existenz und Finanzausstattung heute auch öffentlich rechtfertigen muss. Er zeigt sich bereit, Rechenschaft abzulegen. Das ist inhaltlich die richtige Richtung und auch aus PR-Gesichtspunkten geschickt. Dass er sich und seinen Laden dabei so offensichtlich gut findet, kann man ihm nachsehen. Auch bei Twitter kamen der „WDR-Check“ und Buhrow gut weg. Einige Twitterer fanden für ihn sogar eine neue, treffende Umschreibung: der Buhrowdant. Eben ein Intendant zum Anfassen. Mithin eine neue Art.
Der "WDR Check" in der Mediathek

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