„Scheißaktion“: BVB sauer auf den WDR

Was zwei Sekunden in einem Vorspann ausmachen können. Der WDR schneidet aus dem Vorspann seiner Dortmunder „Lokalzeit“ die Aufnahme der Südtribüne raus. Der Sender will damit eine Fan-Diskussion anstoßen. Die Folge: Jürgen Klopp spricht von einer „Scheißaktion“, die WAZ von „Sippenhaft“ und die Fans entfachen einen kleinen Proteststurm. Trotzdem hat die Aktion der Redaktion genau das erreicht, was sie wollte. Es wird weiter über das Verhalten der BVB-Fans beim Schalke-Derby debattiert.

Anzeige

Der Ausgangspunkt des Ärgers liegt vor der vergangenen Bundesligapartie zwischen Schalke 04 und Borussia Dormund. Bevor der BVB das Revier-Derby gewann, brannten einige schwarzgeben Anhängern massenweise Pyrotechnik ab und zündeten Böller. Noch immer scheint die BVB-Führung um CEO Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp wütend und enttäuscht zu sein.

Den Verantwortlichen der "Lokalzeit" reichte allerdings die Reaktion des Vereins und seiner Anhänger nicht. Sie wollten eine noch größere Auseinandersetzung mit dem Thema. Also schnitt die Redaktion einfach die Einstellung der größten Stehplatztribüne der Welt aus dem Vorspann. Gleich zum Einstieg in die Sendung erklärte die Moderatorin „Hallo und willkommen jetzt zu Ihrer Lokalzeit aus Dortmund. Haben Sie es gemerkt? Im Vorspann haben wir keine Bilder der BVB-Fankurve mehr. Vorerst ist das so“. Weiter sagte sie: „Wir denken, dass es nach dem Krawall beim Revier-Derby Zeit ist, dass sich alle friedlichen Fangruppen klar von den gewalttätigen Chaoten distanzieren sollten. Momentan herrscht da aber weitgehend Funkstille“.

„Wir haben das demonstrativ gemacht", zitierte Spiegel Online später dann den WDR-Studioleiter Gerald Baars. "Viele Fans stehen daneben, kennen ihre Pappenheimer und distanzieren sich nicht deutlich.“

Die Folge: In Fan-Foren und im E-Mail-Postfach von Baars tobt seit dem die Diskussion. Für ihn scheint die Aktion ein Erfolg zu sein. Die BVB-Verantwortlichen sehen das jedoch anders. "Eines der eindrucksvollsten Monumente des Weltfußballs einfach rauszunehmen, weil da ein paar Leute drauf sind, die sich danebenbenommen haben, das könnte man im Duden auch unter ‚populistisch‘ einordnen", kommentiert Jürgen Klopp. Weiter spricht er sogar von einer "Scheißaktion" des WDR.

Die WAZ scheint sich dagegen nicht sicher zu sein, wie der Fall zu bewerten ist. Also geht die Redaktion auf Nummer sicher und schreibt ein Pro und Contra. Auf der Contra-Seite spricht der Kommentator von einer "Sippenhaft" in die der Sender seine Anhänger nehmen würde. „Der WDR steht oft genug für Qualitätsjournalismus und gut recherchierte Beiträge. Er hat es nicht nötig, sich populistisch zum Moralapostel aufzuschwingen und die Gesamtheit der BVB-Fans zur Geisel einer kleinen Gruppe Randalierer zu machen.“

Diese Reaktionen zeigen jedoch: Baars und seiner Redaktion gelang es tatsächlich, mit Hilfe eines kleinen Umschnitts eine große Diskussion zu entfachen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige