Warum Monika Piel ihren Job aufgab

Die ehemalige WDR-Intendantin Monika Piel hat erstmals über ihre Gründe gesprochen, ihren Posten im Januar aufzugeben. Damals hatte Piel Knall auf Fall aufgehört, auch zur Überraschung ihres näheren Umfeldes. Dem stern sagte Piel nun, sie leide unter einer Arteriosklerose, einer Stresskrankheit. Es habe ein Schlaganfall gedroht. Piel: "Zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, Bluthochdruck durch Dauerstress." Piel kritisierte in dem Gespräch auch eine fehlende Kultur der Kooperation in der ARD.

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Piel wurde nach ihrem Rückzug schnell unterstellt, amtsmüde zu sein. Sie selber hatte darauf verwiesen, von ihrem Arzt eine "gelbe Karte" bekommen zu haben. Gegenüber dem stern äußerte sie sich nun ausführlicher. Da sie eine Operation an der Halsschlagader nicht befürwortet hatte ("Ich halte nichts von so einem Reperaturdenken"), blieb nur der schnelle Rückzug aus dem ungesunden Arbeitsleben. Sie werde sich ein Jahr dazu zwingen, "die Dinge einfach nur laufen zu lassen".
Piel übte auch Kritik an der ARD. Sie habe sich bei einigen Entscheidungen kooperativ gezeigt, aber solches Verhalten werde "als Schwäche ausgelegt". So habe sie den Sendeplatz von Frank Plasbergs "Hart aber fair" am Mittwoch geopfert, damit die "Tagesthemen" an jedem Tag zur gleichen Zeit gesendet werden konnten. Doch trotzdem fange die Sendung noch immer nicht pünktlich an. Piel: "Zugeständnisse werden gern angenommen – zurück gibt es aber so gut wie nichts".
Als "unverschämt" bezeichnete Piel die Gepflogenheit von Medien, Politikerinnen wie Angela Markel oider Hannelore Kraft als "Mutti" zu titulieren. Die Diskussion über ihr Gehalt sei ebenfalls geschlechterspezifisch motiviert, vermutet die Medienmanagerin und Journalistin: "Wieder einmal brandet diese Diskussion bei einer Frau auf. Ist doch merkwürdig, oder?" Ihrem Nachfolger Tom Buhrow habe Piel geraten, er solle "ruhig weiterlächeln" und "authentisch bleiben".

Das offene Reden über Krankheiten, insbesondere über Stresskrankheiten, ist in der Welt der Wirtschaft und Politik eher eine Ausnahme. Zu oft werden solche Eingeständnisse als Schwäche ausgelegt. In der brandeins war just ein Porträt des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Hartmut Ostrowski zu lesen, der über den Dauerstress in Gütersloh berichtete, der in ihm zeitweise Panikattacken und Angstzustände ausgelöst hatte. 

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