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Apple: Die Grenze des Wachstums ist erreicht

Ernüchterung am Tag danach: Apple hat eine besser als erwartete Konzernbilanz inklusive iPhone-Rekordverkäufen vorgelegt, doch die Wall Street zeigt sich unbeeindruckt – die Aktie fällt zurück. Warum, wird beim Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft deutlich. Das Wachstum ist ausgereizt. Nur noch unter allergrößter Anstrengung kann der iKonzern minimal seine Erlöse steigern, während die erodierende Gewinnmarge weiter am Profit knabbert. Mehr denn je braucht Apple neue Produkte.

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Ernüchterung am Tag danach: Apple hat eine besser als erwartete Konzernbilanz  inklusive iPhone-Rekordverkäufen vorgelegt, doch die Wall Street zeigt sich unbeeindruckt – die Aktie fällt zurück. Warum, wird beim Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft deutlich. Das Wachstum ist ausgereizt. Nur noch unter allergrößter Anstrengung kann der iKonzern minimal seine Erlöse steigern, während die erodierende Gewinnmarge weiter am Profit knabbert. Mehr denn je braucht Apple neue Produkte.      

Der Kurssturz kam mit Verzögerung. Bei tatsächlich fast 540 Dollar eröffnete Apple gestern am Tag nach der Vorlage der Quartalsbilanz – es war die höchste Notierung seit Jahresbeginn. Für wenige Minuten notierte die Aktie des wertvollsten Konzerns der Welt noch einmal dort, wo sie ihr goldenes Jahrzehnt über notiert hatte: im positiven Terrain. Doch es war  nur ein nostalgisches Aufglimmen besserer Tage – danach folgte der Kursrutsch von in der Spitze 25 Dollar auf am Ende 516 Dollar.

Trotz zahlreicher Hochstufungen von Analysten überrascht die neue Ausverkaufswelle nicht. Apple ist gestern zwar gleich dreimal eine Überraschung gelungen: Bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung im abgelaufenen Quartal und beim Umsatzausblick im Weihnachtsquartal. Doch gleichzeitig ist mit dem Ausblick, der bei Apple inzwischen einer Quasi-Verkündung des nächsten Quartalsergebnisses entspricht, die Zeitenwende, die sich das ganze Jahr über angedeutet hatte, besiegelt worden.

Umsatzwachstum scheint ausgereizt

Es ist ein Moment der Ehrlichkeit, der nach einem Jahrzehnt des Hyperbooms schwer zu greifen scheint: Das Wachstum in Cupertino geht zu Ende. Nur noch unter Aufbietung aller Vertriebskanäle, zweier perfekt orchestrierter Produktlaunches und der maximalen preislichen Ausreizung der Markenmacht stemmt sich Apple mit einem Miniumsatzwachstum gegen die Zeichen der Zeit.    

"Apple kämpft um jeden Bissen", kommentierte Spiegel Onlines US-Korrespondent Marc Pitzke gestern Apples Konzernbilanz – treffender kann man es auch diesseits des Atlantiks kaum formulieren. Nach 54,5 Milliarden Dollar im vorangegangenen Weihnachtsquartal stellt Apple nun Erlöse von 55 bis 58 Milliarden Dollar in Aussicht. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 0,9 bis maximal 6,5 Prozent.

Auf dem Gipfel: Geschäftsentwicklung explodiert 2012

Was für einen Unterschied 24 Monate machen können: Im wahrscheinlich besten Quartal der Konzerngeschichte konnte Apple im Januar 2012 einen absolut sensationellen Umsatzsprung von sage und schreibe 20 Milliarden Dollar oder 77 Prozent verkünden, während die Gewinne um in diesen Dimensionen kaum vorstellbare 117 Prozent auf 13 Milliarden Dollar oder 13,87 Dollar je Aktie förmlich explodierten.

Nach Bekanntgabe des eigenen Ausblicks spricht nun einiges dafür, dass Apple auch im zweiten Jahr in Folge extreme Mühe haben dürfte, die Fabelzahlen aus 2012 zu toppen. Im abgelaufen Weihnachtsquartal konnte der iPhone-Hersteller noch einmal symbolische 12 Millionen Dollar mehr verdienen, blieb aber schon beim Gewinn je Aktie wenige Cent unter dem Vorjahresergebnis – es war der Beginn der Trendwende, die Apple 2013 schließlich ein Konzernergebnis von 11 Prozent unter dem Vorjahreswert bescheren sollte.

Weihnachtsquartal erneut unter Vorjahresniveau in Aussicht gestellt

2014 sollte nun unbedingt die Trendwende kommen, doch danach sieht es nur noch bedingt aus. Die an sich zumindest erfreuliche Nachricht eines Umsatzausblicks über den Markterwartungen wurde mit weiter sinkenden Gewinnmargen von wohl noch mal 150 Basispunkten verhagelt.

In anderen Worten: Was Apple mehr umsetzt, wird durch die sinkende Gewinnspanne wieder aufgefressen. Rechnet man Apples eigene Schätzungen hoch, kommt man auf einen Gewinn je Aktie von 13,69 Dollar, der damit trotz steigender  Erlöse erneut unter dem Vorjahreswert liegen würde – es wäre ein Fehlstart in 2014.

Sollte Apple die weitere Margenerosion, die Finanzchef Peter Oppenheimer zum Teil der kostenlosen Bereitstellung der Software-Angebote Mavericks und iLife bzw. iWork zuschrieb, in der Folge in den Griff bekommen, zeichnet sich damit im Wesentlichen ein Geschäftsjahr auf 2013er-Niveau ab.  

Katalysatoren im Geschäftsjahr 2014: Carl Icahn und China Mobile-Deal

Die Chips sind mit den neuen Produkten gespielt – Überraschungen erwartet in den kommenden sechs Monaten kaum einer aus Cupertino. Die beiden wichtigsten Joker im nächsten Halbjahr werden auf dem Papier gespielt: Der lang erwartete Vertragsabschluss mit China Mobile würde Apple das Verkaufspotenzial eines gesamten Quartals bringen. Bei rund 30 Millionen verkauften Einheiten entspräche das etwa 5 Dollar je Aktie.

Der andere Faktor bleibt das hartnäckige Drängen des Großinvestors Carl Icahn, der sich –  anders als David Einhorn – dieses Jahr nicht so einfach abschütteln lassen dürfte. Icahn dürfte Konzernchef Cook in den kommenden Monaten erbitterte Gefechte zur Ausweitung der Aktienrückkäufe liefern, die sich grundsätzlich positiv für die Aktie auswirken könnten.  

Das  sind die positiven Argumente für die Apple-Aktie in den kommenden Quartalen: Ein Vertragsabschluss mit dem größten asiatischen Mobilfunkanbieter und Scharmützel mit einem Corporate Raider. Das organische Wachstum ist indes verebbt. Ob es noch einmal zurückkehrt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Apple neue Blockbuster-Produkte auf den Markt bringt.       

Aufwärtspotenzial durch neue Produkte wohl erst 2015

Das iPhone 6 ist als Phablet prädestiniert dafür, dürfte allerdings erst in rund zehn Monaten auf den Markt kommen – zu spät für maßgebliches Aufwärtspotenzial in der 2014er-Konzerbilanz. Ähnliches gilt für neue Produkte, die Tim Cook in der Analystenkonferenz erneut vage andeutete – eine iWatch oder doch noch ein iTV dürften frühestens zum Weihnachtsgeschäft in einem Jahr das Licht der Welt erblicken.

Bis dahin kann im Kerngeschäft angesichts der immer härteren Konkurrenz aus dem Android-Lager einiges passieren. Apple bleibt ein Konzern in Wartestellung, der sich mit aller Macht gegen eine negative Wachstumswende stemmt – es bleibt ein epischer Kampf gegen den Abstieg.  

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