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Kieler Ex-OB Gaschke kritisiert Medien scharf

Die bisherige Oberbürgermeisterin von Kiel, Susanne Gaschke, tritt zurück. Damit zieht die ehemalige Zeit-Redakteurin die Konsequenzen aus einem Steuerdeal wegen dem die SPD-Politikerin seit Wochen unter Kritik steht. Der 46-Jährigen wird vorgeworfen, rechtswidrig einem Steuerdeal in Millionenhöhe mit einem Augenarzt zugestimmt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall. Bei ihrem Rücktritt übte Gaschke scharfe Medienschelte.

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"Ich kann die politischen, persönlichen und medialen Angriffe, denen ich seit mehr als neun Wochen ausgesetzt bin, nicht länger ertragen", erklärte Gaschke in ihrer Abschiedsrede am Montag in Kiel. Darin kritisierte sie auch die Rolle der Medien: "Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es hier nicht um 21 tote Menschen wie bei der Duisburger Love Parade geht, obwohl unsere monopolistische Stadtzeitung beide Ereignisse infamerweise in Zusammenhang gestellt hat."
So hatte etwas das Flensburger Tageblatt die Situation Gaschkes mit der des Duisburger OBs Sauerland verglichen: "Parallelen zum Fall des Duisburger Bürgermeisters Sauerland drängen sich auf", heißt es in einem Artikel. "Sauerland war wegen der Todesfälle bei der Loveparade 2010 in Bedrängnis geraten. Erst nach seiner Abwahl per Bürgervotum räumte er 2012 den Rathaussessel, kassiert noch bis 2015 ein Ruhegehalt von rund 8.700 Euro pro Monat." In dem Bericht ging es darum, dass die SPD-Politikerin im Falle eines Rücktritts leer ausgehen würde.
Anlass für den mehrere Wochen andauernden Politskandal war die Entscheidung Gaschkes, einem Augenarzt 3,7 Millionen Euro Steuerschuld zu erlassen. Die Vereinbarung sah vor, dass der Mann aus Immobiliengeschäfte 4,1 Millionen Euro Gewerbesteuern zahlt und dafür 3,7 Millionen Euro an Zinsen und Säumniszuschlägen erlassen bekommt. Das Prozedere wurde offenbar durch die Ex-Oberbürgermeisterin per Eilantrag an der Ratsversammlung vorbei entschieden. Die Kieler Kommunalaufsicht stufte die Entscheidung der SPD-Frau als rechtswidrig ein. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Untreue in besonders schwerem Fall.
Seit 1997 war Gaschke als Redakteurin der Zeit für die Rubrik "Junge Leser" zuständig. 2011 wurde sie Herausgeberin des Kindermagazins Leo der Zeit. Im November 2012 wechselte die Journalistin in die Politik und wurde zur Oberbürgermeisterin von Kiel gewählt.

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