Anzeige

#Handygate: Der Spiegel findet zu sich selbst

Viel wurde in der jüngeren Vergangenheit (auch von uns) am Spiegel kritisiert. Da gab es die internen Querelen zwischen Online und Print, die unwürdige Posse um die Berufung von Ex-Bild-Mann Nikolaus Blome, die Sache mit der Frauenquote, Gaga-Titel wie “Hitlers Uhr”. Seit der NSA-Affäre und den aktuellen Enthüllungen rund um das Abhören des Merkel-Handys ist der Spiegel selbst als Story in den Hintergrund gerückt und man diskutiert wieder über Stories im Spiegel.

Anzeige
Anzeige

Die Titelstory des aktuellen Spiegel ist ein Paradebeispiel für besten Enthüllungs-Journalismus. Unter der Titelzeile “Das Nest” zeigt das Nachrichtenmagazin auf, wie die US-Regierung von der amerikanischen Botschaft in Berlin aus, die deutsche Bundeskanzlerin und praktisch das gesamte Regierungsviertel illegal ausgespäht hat. Finale Beweise fehlen zwar, die Indizienkette, die der Spiegel aufweist, interne Dokumente, Einschätzungen von Experten, ist aber überaus beeindruckend und schlüssig. Und echte Dementis aus den USA kommen nicht.

Es gibt keinen echten Zweifel: Die Story stimmt und sie ist ein Knaller. Auch nach internationalen Maßstäben. Welchem anderen deutschen Medium würde man Enthüllungen dieses Kalibers zutrauen? Allzu viele fallen einem da nicht ein. Am Sonntag saß der Spiegel-Redakteur Marcel Rosenbach in der Talkshow von Günther Jauch und sprach dort kenntnisreich über die haarsträubenden Tatsachen, die der Spiegel aufgedeckt hat. Mit den Enthüllungen zum “Merkel-Phone” und auch schon zuvor der konsequenten Berichterstattung zur NSA-Affäre spielt der Spiegel in einer Liga mit anderen weltweit führenden Investigativ-Medien wie Guardian, New York Times oder Washington Post. Und das Beste: vom Leser/Käufer wurde der Spiegel bisher sogar für seine Beharrlichkeit und Qualität beim nicht gerade einfachen Thema NSA/Snowden mit guten Verkäufen belohnt. Auch schon bevor, der neue Chefredakteur an Bord war.

Anzeige

Dass der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner einem der Autoren der aktuellen Story den Vortritt lässt, wenn es um den Auftritt im Fernsehen geht, könnte auch ein Fingerzeig dafür sein, wie Büchner seine Führungsrolle sieht. Bei dessen Antritt war stellenweise kritisiert worden, dass er wenig publizistisches Standing hat, dass er die Marke Spiegel vielleicht nicht gut nach außen vertreten kann. Muss er auch nicht unbedingt. Wenn er gute Leute hat, die tief im Thema stecken, kann das – wie im aktuellen Fall – auch sehr gut funktionieren.

Am Rande kann man notieren, dass die aktuelle Spiegel Titelstory auch von einem gewissen Nikolaus Blome mit gezeichnet ist. Vielleicht ist der frühere Bild-Mann ja doch ein Gewinn für die Spiegel-Redaktion – man man die ideologischen Scheuklappen mal absetzt. Für den Spiegel ist es ein Segen, dass das Magazin wieder mal mit guten Geschichten in aller Munde ist und nicht mit internem Gezänk.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*