Neuer Apple-Microsoft-Krieg: „Gratis ist gut!“

Es waren nur drei Worte, doch die glichen einem Donnerhall: "Free is good" – "Gratis ist gut". Apples stationäres Betriebssystem Mavericks gibt es plötzlich kostenlos. Apple bricht mit einer 16-jährigen Tradition – und verzichtet mal eben auf knapp 600 Millionen Dollar Umsatz. Warum? Weil Apple es sich leisten kann und das Geld mit Mac-Verkäufen schnell wieder reinholt. Mit seinem trojanischen Pferd reitet der iKonzern nun eine harte Attacke gegen Microsoft. Und Redmond zeigt umgehend Nerven.

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Es waren nur drei Worte, doch die glichen einem Donnerhall: "Free is good" – "Gratis ist gut". Apples stationäres Betriebssystem Mavericks gibt es plötzlich kostenlos. Apple bricht mit einer 16-jährigen Tradition – und verzichtet mal eben auf knapp 600 Millionen Dollar Umsatz. Warum? Weil Apple es sich leisten kann und das Geld mit Mac-Verkäufen schnell wieder reinholt. Mit seinem trojanischen Pferd reitet der iKonzern nun eine harte Attacke gegen Microsoft. Und Redmond zeigt umgehend Nerven. 

Die Überraschung war perfekt: "Und es kostet – nichts!" erklärte Software-Chef Craig Federighi auf der Apple-Keynote am Dienstag triumphierend und legte in fast schon gewohnter Manier mit einem rhetorischen Punktetreffer nach: "Free is good", "Gratis ist gut"“

Die über 70 Millionen Macintosh-Nutzer weltweit können sich über ein kostenloses Upgrade auf das neue Betriebssystem freuen. Das letzte Upgrade auf Mac OS 10.8 kostete Nutzer noch 19,99 Dollar, davor waren es 29,99 Dollar.

Das letzte kostenlose Betriebssystem-Update ist 16 Jahre her

Das letzte kostenlose Update datiert dagegen noch aus der Prä-Steve-Jobs-Ära – vor 1997 wurde Apple-Software das letzte Mal gratis abgegeben. Mit der Rückkehr des Gründers folgte dann die Suche nach neuen Erlösquellen nach dem Vorbild Microsofts, das sich synchron zu Apples Abstieg zum wertvollsten Konzern der Welt aufgeschwungen hatte.

79 Dollar kostete seinerzeit das noch unter Jobs’ Vorgänger Gil Amelio entwickelte neue Betriebssystem Mac OS 8, 129 Dollar dann sogar der Sprung ins neue Jahrhundert mit Mac OS X. Danach wurde es günstiger – Apple verdiente prächtig an seiner Hardware, nicht mehr an der Software.     

Apples boomende iTunes Division verliert etwa 560 Dollar Umsatz

16 Jahre später nun der totale Bruch mit der Vergangenheit, der sich doch radikaler anhört, als er ist. 28 Millionen Mal wurde das letzte Betriebssystem Mountain Lion verkauft, erklärte Tim Cook im Juni auf der WWDC. Bei einem Verkaufspreis von 19,99 Dollar macht das 560 Millionen Dollar im Jahr, auf die Apple künftig mal eben so verzichtet.

Dabei hatte Tim Cook auf der Investoren-Konferenz von Goldman Sachs im Februar doch erst herausgestellt, dass Apple ebenfalls ein Software-Unternehmen sei – und die am schnellsten wachsende Konzernsparte tatsächlich die iTunes Division sei, der die Software-Verkäufe zugerechnet werden. Und die dürfte am Ende die höchste Gewinnspanne aller Apple-Produkte ausweisen, die traditionell bei weit über 50 Prozent liegt.

Kostenlose Software: iOS-Praxis auf dem Mac nachvollzogen

Warum verzichtet Apple nun darauf? Die Antwort ist so simple wie bei der Preisanhebung des iPad minis: Weil der iKonzern es sich leisten kann. Man könnte die Rechnung aufstellen, dass Apple die entgangenen Software-Millionen hardwareseitig schnell wieder reinholt. Tatsächlich machen 560 Millionen entgangener Mac OS-Umsatz gerade mal ein Prozent an den Gesamterlösen des wertvollsten Konzerns der Welt aus. In anderen Worten: höchst verkraftbar.

Der emotionale Gegenwert dürfte indes ungleich höher sein: Mac-Nutzer wachen jetzt mit dem Gefühl auf, ihren Apple-Computer von nun an vermutlich Jahr für Jahr ohne einen einzigen Cent generalüberholt zu bekommen – ein Kaufargument, das nicht zu unterschätzen ist. Tatsächlich hat Apple damit nur die Praxis auf dem Mac nachvollzogen, die seit Jahren auf den iOS-Geräten zum Alltag gehört: Software gibt’s kostenlos.
 
Apple teilt gegen Microsoft aus: "Unsere Wettbewerber sind verwirrt"

Und dann ist da noch ein anderer Gegenwert. Sehr explizit teilte Apple auf der Keynote gegen einen alten Rivalen aus. "Unsere Wettbewerber sind verwirrt. Sie machen Tablets zu PCs und PCs zu Tablets. Wer weiß, was sie als nächstes vorhaben?", scherzte der Apple-CEO über Microsofts bisher kolossal gefloppten Tablet-Versuch Surface, das um eine Tastatur erweitert werden kann.

Der nach Apple und Google nun nur noch drittwertvollste Technologiekonzern der Welt dokumentiert mit seinem Surface-Launch eindrucksvoll, dass sich Redmond immer noch nicht von seiner ruhmreichen PC-Tradition lösen kann.

Microsoft verwundbar: Mehr als 75 Prozent der Gewinne mit Windows und Office

Die Bilanz spricht eine eindrucksvolle Sprache: 44 Milliarden Dollar Umsatz – und damit den Löwenanteil seiner Erlöse – generierte Microsoft im abgelaufenen Geschäftsjahr mit seinen beiden wichtigsten Konzernsäulen: der Windows- und Office-Sparte.

Bei der Gewinnentwicklung sieht es noch eklatanter aus: Stattliche 9,5 Milliarden Dollar spielte Microsofts Software-Klassiker Windows immer noch operativ ein, auch wenn sich die Einnahmen inzwischen rückläufig entwickeln. Dafür boomt die Office-Sparte mit Rekordgewinnen von mehr als 16 Milliarden Dollar!

Apple Office-Software für Neukunden nun auch kostenlos

Doch Apple beschränkte sich auf der Keynote nun nicht auf die kostenlose Bereitstellung seines Betriebssystems, sondern legte noch mal nach: Käufer eines neuen Macs bekommen die Office- und Kreativ-Anwendungen iWorks und iLife obendrein kostenlos dazu.

Ein klarer Angriff, der Wirkung zeigt – an der Börse und beim Microsoft-Management. Während  die Microsoft-Aktie nach der Apple-Keynote und gestern erneut stärker als der Markt verlor, feuerte Redmond rhetorische Giftpfeile in Richtung Cupertino. Apples Office-Angebote, die es inzwischen auch als Einzelanwendungen im App Store zu je 17,99 Dollar gibt, nannte Microsoft-Vizepräsident Frank Shaw "Leichtgewichte". "Das ist kein überraschender noch bedeutender Schachzug", kanzelte Shaw Apples Initiative ab.

Souverän klingt anders. Es sieht ganz so ab, als ob die alte Rivalität zwischen Apple und Microsoft, die eigentlich als überwunden galt, mit dem Software-Vorstoß des Mac-Herstellers wieder neu aufflammt.  

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