Carl Icahn: Der inszenierungssüchtige Apple-Investor

Der nach Warren Buffet berühmteste Investor der USA wildert im fortschreitenden Alter mit offenkundiger Vorliebe in der Techbranche. Erst Dell, dann Netflix, nun Apple. Nachdem der 77-Jährige gegen den Kampf um Dell aufgegeben und die Hälfte seiner Netflix-Aktien mit einem enormen Plus von 457 Prozent veräußert hat, ist ausgerechnet der wertvollste Konzern der Welt ins Fadenkreuz des Corporate Raiders gerückt. Heute veröffentlichte Icahn einen Brief an Apple-CEO Tim Cook an, in dem er ihn zu aggressiveren Aktienrückkäufen auffordert.

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Der nach Warren Buffet berühmteste Investor der USA wildert im fortschreitenden Alter mit offenkundiger Vorliebe in der Techbranche. Erst Dell, dann Netflix, nun Apple. Nachdem der 77-Jährige gegen den Kampf um Dell aufgegeben und die Hälfte seiner Netflix-Aktien mit einem enormen Plus von 457 Prozent veräußert hat, ist ausgerechnet der wertvollste Konzern der Welt ins Fadenkreuz des Corporate Raiders gerückt. Heute veröffentlichte Icahn einen Brief an Apple-CEO Tim Cook an, in dem er ihn zu aggressiveren Aktienrückkäufen auffordert.

Nach dem Dinner folgt nun der Brief. Rund drei Wochen ist das Abendessen her, zu dem Großinvestor Carl Icahn Tim Cook eingeladen hat – nun hat der 77-jährige Tech–Investor wieder mit Gesprächsbedarf mit Cook. Dafür hat er dem Apple-CEO einen Brief geschrieben – und das seine 100.000 Follower wissen lassen.

„Hab gerade einen Brief an Tim abgeschickt. Der vollständige Brief wird auf meiner Webseite Shareholders’ Square Table veröffentlicht, die morgen startet“, kündigt der Investor gestern nach Handelsschluss an der Wall Street an.

Blodget: „Warum Apple Carl Icahn sagen sollte: Du kannst mich mal!“

So kann man die Aufmerksamkeit für einen Launch schüren. Vor allem aber für ein Investment: Seit Mitte August lässt Icahn die Öffentlichkeit von seinem Engagement bei Apple wissen – in Tweets, in TV-Auftritten beim Finanzinformationssender CNBC und nun künftig auf seiner brandneuen Webseite. Man kann sagen, der 77-Jährige ist vollständig im Internet-Zeitalter angekommen.

Doch die Icahns inszenierungssüchtige Methoden kommen in der Branche ebenso wenig gut an wie seine unverhohlenen Forderungen an das Apple-Management.  „Tim Cook trifft sich mit Carl Icahn? Was für eine Zeitverschwendung“, erregte sich Henry Blodget vom Business Insider. Und legte nach dem Treffen Anfang Oktober noch mal nach: „Warum Apple Carl Icahn sagen sollte: Du kannst mich mal!“

Klare Absichten: Icahn will Ausschüttung der Bargeld-Reserven

Die Absichten des Corporate Raiders sind schließlich einfach zu offenkundig: Icahn hat eine klare Mission mit seinem „großen Investment“ in Apple, das inzwischen zwei Milliarden Dollar beträgt – es soll sich vermehren. Und zwar mit Hilfe der Plünderung der Kriegskasse.

„Wir haben mit Nachdruck auf einen 150 Milliarden-Aktienrückkauf gedrängt“, machte Icahn Anfang Oktober über den 140-Zeichen-Dienst klar. Das entspricht Apples gesamtem Barbestand. Die Forderung dürfte Icahn heute mit ein paar Zeichen erneuern.

Gleichzeitig hatte der aggressive Groß-Investor via CNBC erklärt, er habe noch „viele Optionen“. „Wir haben entschieden, unsere Unterhaltung in etwa drei Wochen fortzusetzen“, ließ Icahn damals durchblicken.

Icahn über Apples Aufsichtsrat: „Richtig Ahnung von Finanzen haben sie nicht“

Diese Zeit ist nun abgelaufen. Entsprechend absehbar erscheint es, dass Icahn nach dem „gereizten Donner“ nun die nächste Eskalationsstufe zünden könnte – und dafür das Medium des offenen Briefs wählt. Einen Vorgeschmack bot der streitbare Großinvestor bereits nach Handelsschluss auf seinem Lieblingssender CNBC: „Apple ist keine Bank und sollte seine Aktien zurückkaufen“, spülte Icahn sein Mantra erneut ab. Und wiederholte seine Kritik am Aufsichtsrat: „So richtig Ahnung von Finanzen haben sie nicht.“

Apple-Chef Cook dürfte das steigende Interesse des neuen Großaktionärs eine Warnung sein – selten genug blieb es in der Vergangenheit bei Empfehlungen des Corporate Raiders, der es auf seine alten Tage erstaunlich oft auf die Techbranche abgesehen hat und dabei mitunter wie jüngst bei Netflix fantastische Renditen einfuhr.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Nur allzu präsent ist die öffentliche Schlammschlacht mit Michael Dell um den Börsenrückzug des Computerherstellers, die Icahn allerdings vor wenigen Wochen mit einem Rückzug selbst beendete. Dass es bei Apple ähnlich kommt, wäre für Cook wohl eher Wunschdenken.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“, machte Icahn gestern deutlich, um dann noch mal in typischer Manier nachzulegen. „Wir haben in den vergangen 12 bis 13 Jahren bewiesen, dass wir aufräumen können.“ Es klingt eher nicht danach, dass der Ton zwischen Florida, wo der 77-Jährige residiert, und Cupertino in mittelfristiger Zukunft freundlicher wird.

Update 16 Uhr: Der Brief an Tim Cook wurde inzwischen auf Icahns neu gelaunchter Webseite „Shareholder’s Square Table“ veröffentlicht. Icahn wiederholt darin seine bekannte Forderung nach einem aggressiven Aktienrückkauf in Höhe von 150 Milliarden Dollar. Damit hätte Apple binnen drei Jahren ein Kurspotenzial von 1250 Dollar, stellt Icahn in Aussicht.

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