Geo-Relaunch: „Substanz lieber als Firlefanz“

Die Gruner + Jahr-Generalüberholung des Print-Portfolios geht weiter: Nach Brigitte, stern, Capital, PM und Neon ist jetzt Geo dran. Mit der Novemberausgabe liegt ein überarbeitetes Heft an den Kiosken. Die Redaktion um Chefredakteur Peter-Matthias Gaede renovierte nicht nur das Design, sondern erweiterte auch das Themenspektrum und entwickelte eine neue Inhalte-Struktur. Für einen Markttest in Hessen gingen die Hamburger beim Cover noch einen radikalen Schritt weiter.

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Zwischen Darmstadt und Kassel liegt das Reportage-Magazin nun erstmals mit einem Titel aus, der ohne den charakteristischen grünen Balken auskommt. Auf den ersten Blick wirkt der Geo-Schriftzug etwas nackt. Beim zweiten Hinschauen zeigt sich jedoch: Das Experiment gelingt. Die neue Version wirkt frischer als der Logo-Klassiker.

Kein Test, sondern bereits beschlossene Sache ist, dass der Kern des neuen Geo aus acht statt wie bisher aus sechs großen Themen im Hauptteil des Heftes bestehen soll. Die Hamburger garantieren, dass der Leser künftig in jeder Ausgabe Beiträge zu fünf relevanten Themengebieten geboten bekommt. Drei weitere sollen sich in einem monatlichen Rhythmus abwechseln.

Die neuen Kern-Kategorien heißen „Abenteuer“ (u. a. über Expeditionsreisen), „Wissen fürs Leben“, „Im Fokus der Forschung“, „Biophäre“ und „der andere Blick“. Letzteres soll dem Thema Fotografie mehr Raum bieten. Interessant wird auch das „Lesezeichen“. Unter diesem Schlagwort sollen Ausnahmetexte ganz ohne Visualisierung gedruckt werden.

Einem monatlichen Rotationsverfahren unterworfen sind dagegen die Rubriken „Wendepunkte“, die neue Interview-Reihe „Im Gespräch“ und die Portraitreihe „Charaktere“, das „Weltgeschehen“ und die „Nahaufnahme“.

Das redaktionelle Konzept klingt etwas kompliziert. Doch schließlich ist es ja Aufgabe der Redaktion, komplexe Inhalte einfach zu erklären. Chefredakteur Gaede weist extra darauf hin, dass die Heft-Renovierung nicht aus "der Not heraus geboren wurde". Gaede: "Im Einzelverkauf liegt Geo über Vorjahr, im Grosso Inland wächst unser Marktanteil im Segment seit drei Jahren; und die Zufriedenheit unserer Abonnenten mit unserem Heft war nie höher." Auch bei den Anzeigen werde man das laufende Jahr vermutlich mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr abschließen.

Im Einzelverkauf gelang den Hamburgern im dritten Quartal tatsächlich ein Plus von 4,09 Prozent. Im Gesamtverkauf steht unterm Strich allerdings ein Minus von 4,31 Prozent. Allein bei den Abonnenten büßte das Magazin 6,25 Prozent ein. Allerdings kommt Geo noch immer auf eine verkaufte Auflage von 277.555 Exemplaren pro Monat.

Die Verluste bei den Abos will der Vertrieb unter anderem dadurch auffangen, dass man vor den Mensen von zehn Universitätsstädten eine Kampagne für Studenten-Abonnements startet. Slogan: "All you can read". Die G+J-Mitarbeiter dürften dabei auf die Kollegen von der Zeit treffen, die schon länger sehr aktiv und direkt die Zielgruppe der Studenten anspricht.

Nach Einschätzung von Gaede wäre ein Relaunch eigentlich gar nicht zwingend notwendig gewesen. Allerdings ist er davon überzeugt, das Heft jetzt "noch besser" zu machen. "Was wir angezettelt haben, ist allerdings keine Rosskur und ist keine Total-Operation. Und wir haben auch nicht die Furcht, dass man uns bisher für schlecht gehalten hat", erklärt der Blattmacher. Ihm ist auch weiterhin "Substanz lieber als Firlefanz", denn "die unverwechselbaren Inhalte sind es, die Geo weiterhin herausheben sollen."

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