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Verbraucherschützer entlarven Werbetricks

Zu den klassischen Inhaltsstoffen vieler Lebensmittel-Spots gehört es, den Herstellungsprozess in einer verklärten Handwerks-Romantik darzustellen. Statt maschinell gefertigter Fließband-Ware wird die Pizza in den Werbe-Filmchen noch per Hand geknetet. Wie lange und teuer wäre aber die Herstellung eines Knoppers oder eines Frischkäses, wenn sie das Produkt einer liebevollen Handarbeit wären? Das hat sich die Verbraucherzentrale näher angesehen. Ein Bäcker könnte beispielsweise 130 Hanutas pro Tag herstellen.

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Tatsächlich hat sich die Verbraucherzentrale Hamburg ein nettes Thema ausgesucht. Denn so gut wie jeder weiß, dass Dr. Oetker natürlich keine Tausende von Pizzabäckern angestellt hat, die erst Pilze waschen, Salami schneide, Käse reiben, kleine Teigmengen kneten, ausrollen, belegen und dann individuell Backen, damit später im Supermarkt eine frische Tiefkühlpizza liegt. Trotzdem zeigt die Werbung genau diesen Prozess. Gerade in diesem Bereich ist die Lücke zwischen Werbewelt und Wirklichkeit enorm.

Analyse der Knoppers-Herstellung

So haben die Verbraucherschützer ausgerechnet, dass bei dem oben beschriebenen Produktionsprozess eine Person rund 17 Pizzen pro Tag herstellen könnte. Damit würde der Konzern einen Umsatz von 44,03 Euro pro Tag bzw. 11.008 Euro pro Jahr erzielen. Der Gesamtumsatz von Dr. Oetker liegt allerdings bei 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. An dieser Stelle sei allerdings erwähnt, dass der Konzern nicht seinen gesamten Umsatz nur mit Fertig-Pizzen macht.

Neben Pizzen haben sich die Hamburger auch noch die Werbe-Herstellung von Hanuta, Mousse au Chocolat-Schokolade oder Almette und Knoppers angesehen. Beim „Frühstückchen“ von Storck ist zum Beispiel erst zu sehen wie die Schokocreme von Hand in einer kleinen Schüssel gerührt wird. Dann wird separat Milch in eine Glasschale geschüttet und am Ende die Waffeln mit der Milch/Schoko-Füllung liebevoll mit zwei Fingern zusammengedrückt. „Bei einem handwerklichen Herstellungsprozess könnte eine Person ca. 56 Knoppers pro Tag produzieren“, sagen die Verbraucherschützer.  Damit könnte pro Mitarbeiter ein Umsatz von 10,64 Euro pro Tag bzw. 2.660 Euro pro Jahr erzielt werden. Tatsächlicher Gesamtumsatz von Storck im Jahr: 1,8 Milliarden Euro“.

Für die Verbraucherschützer geht es bei dieser Aktion natürlich vor allem darum, auf die enorme Diskrepanz zwischen Schein und Sein in der Lebensmittelindustrie hinzuweisen. „Es ist in höchstem Maße unfair, eine Industrie-Produktion mit Leistungen des Handwerks zu bewerben“, pflichtet der Präsdident der Handwerkskammer Hamburg, Josef Katzer, den Verbraucherschützern bei. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass Verbraucherinnen und Verbraucher getäuscht werden sollen. Man könnte das als Etikettenschwindel bezeichnen. Individuelle Meisterleistungen können nur Handwerkerinnen und Handwerker bieten, keine Maschinen.“

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Die Werber könnten jetzt argumentieren: Der beste Beweis für die Qualität ihrer Handwerkskunst ist der Umstand, dass sich überhaupt jemand Gedanken über deren Inhalte macht.

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