Anzeige

Stefan Aust kontert NDR-Kritik an N24-Doku

Der NDR hat in seinem Radioprogramm NDR Info und der MedienSendung “Zapp” Vorwürfe gegen den ehemaligen Spiegel-Chef und TV-Produzenten Stefan Aust erhoben. Aust hat auf seinem Sender N24 im Jahr 2012 im Umfeld des Eurovision Song Contests in Baku eine Doku über Aserbaidschan gezeigt. Kritiker bezeichnen den Film jetzt als “Propaganda”, weil darin keine regierungskritischen Stimmen vorkommen. Aust kontert: “Ein Film ist ein Film, ein anderer Film ist ein anderer.”

Anzeige
Anzeige

Eine Doku für N24 müsse eben so produziert werden, dass sie über einen längeren Zeitraum ausgestrahlt werden kann, so Aust gegenüber MEEDIA. Aktuelle Ereignisse, die schnell überholt sein könnten, würden darum in einem solchen Format ausgespart. Für das aktuell Politische sei das Nachrichtenprogramm von N24 zuständig. Aust: “Über die damals aktuellen Diskussionen zur Lage der Menschenrechte hat N24 vielfach in seinen Nachrichtensendungen berichtet.”

Der NDR zitierte Uwe Halbach von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der zu Protokoll gab, der Film "Unterwegs im Land des Feuers – Unbekanntes Aserbaidschan" blende "konsequent alle kritischen Fragen aus" und wirke mit seinen "einseitig" ausgewählten Interviewpartnern wie ein "Werbefilm" für das vom Alijew-Clan autoritär regierte Land. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer, bis Januar 2013 Sonderberichterstatter des Europarates für die Lage der politischen Gefangenen in Aserbaidschan, zeigte sich im NDR "entsetzt". "Eine derartige Werbung ist aus meiner Sicht schon fast unsittlich", sagte er. Der Film habe mit "objektivem Journalismus nichts mehr zu tun". Und der im Berliner Exil lebende aserbaidschanische Oppositionelle Emin Milli nannte den N24-Film "ein Stück Propaganda", das wirke, als sei es "von der Regierung in Baku bezahlt".

Der NDR hält Aust außerdem vor, dass Teile seines Films von der staatlichen aserbaidschanischen Ölfirma Socar für einen Imagefilm verwendet wurden, der beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos gezeigt wurde. Bei diesem Gipfel besuchte Aust selbst auch den Socar-Empfang. Außerdem, so der NDR, habe Aust den aserbaidschanischen Außenminister Elmar Mammadyarov interviewt und das Interview sei von der dortigen Regierung bei YouTube eingestellt worden.

Die mehr oder weniger unterschwelligen Vorwürfe: Stefan Aust kungelt mit einem autoritären Regime.

Anzeige

Zur Kritik, dass in der N24-Doku keine kritischen Stimmen zu Aserbaidschan zu Wort kamen sagt Aust zu MEEDIA: “Dieselbe Kritik könnte der NDR übrigens an seine eigene Berichterstattung über den Song Contest in Baku anlegen, dort ist auch nicht in jeder Übertragung auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen worden.” Es könne nicht in jedem Film über alles berichtet werden, so Aust. Es gebe auch Filme über den Baikal See, die nicht auf Menschenrechtsverletzungen in Russland eingingen und Filme über die USA, die nicht die Folter von Gefangenen in Guantanamo thematisieren würden. Der kritisierte Film „Unbekanntes Aserbaidschan“ habe schwerpunktmäßig Geschichte und Kultur des Landes darstellen sollen.

Zu Verwendung von Material seiner Doku in dem Imagefilm des staatlichen Ölkonzerns Socar sagt Aust: “Wir haben Socar zwar Material dafür zur Verfügung gestellt, der weit überwiegende Teil dieses Trailers bestand aber aus Materialien, die in erheblich längerer und ausführlicherer Version zuvor bereits unter anderem auch in der ARD im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest gezeigt worden sind.”

Es sei richtig, dass er den Socar-Empfang in Davos besucht habe, aber: “Da war ich allerdings nicht der einzige Journalist, auch Politiker wie z.B. der EU-Energiekommissar Günther Oettinger waren dort. Es war auch nicht die einzige Veranstaltung, die ich in Davos besucht habe. Ich interessiere mich nämlich für viele Themen und für viele Länder, reise auch gelegentlich in Staaten, die nicht als ‘lupenreine Demokratien’ gelten. Sich auch mit Konflikt-Regionen zu befassen, gehört nach meinem Verständnis zum Journalismus.”

Dass Medienjournalisten Maßstäbe anlegen würden, die sie selbst nicht erfüllen, sei auch nicht ganz neu, aber das sei ihr gutes Recht, so Aust mit Blick auf die NDR-Medienredaktion “Zapp”. Im übrigen habe er überhaupt nichts dagegen, einen kritischen Film über die politische Lage in Aserbaidschan zu machen. Für einen Auftrag, zum Beispiel vom NDR, stehe er jederzeit bereit.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*