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Chefredakteure wollen furchtloser sein

Die Grenzüberschreitungen in den Medien nehmen zu, sagte Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner bei der Chefredakteursrunde des VDZ Publishers' Summit. Zunehmend "ermächtige" sich die werbungtreibende Industrie der Inhalte in Medien, so Büchner, die Pressevielfalt nehme ab. Die Firewall, die Unabhängigkeit der Redaktionen, müsse aber unbedingt gewahrt werden. Sein Kollege Giovanni di Lorenzo von der Zeit äußerte sich zudem besorgt darüber, dass der "Konformitätsdruck" in den Medien zunehme.

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Konkrete Beispiele für Überschreitungen und Konformitäten in der Branche nannten leider weder Büchner noch di Lorenzo. "Journalistischen Mut, auch mal einer "geballten Medienmeinung zu widersprechen", vermisste auch Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann. Journalist werde bei manchen Leuten zum "Lifestyle-Beruf", konstatierte Welt-Chef Jan-Erik Peters.

Kritik und Selbstkritik hielten sich in der Runde dann aber die Waage. Der Spiegel müsse seinen Markenkern als Medium der Aufklärung schärfen, sagte Büchner, der seit einigen Wochen bei dem Nachrichtenmagazin Chefredakteur ist. "Wir haben Fehler und Schwächen", bekannte di Lorenzo. "Wir müssten die Seismographen der gesellschaftlichen Veränderung sein" – dies zu transportieren, gelinge den Medien aber zu selten.

Di Lorenzo wäre nicht di Lorenzo, wenn er nicht trotzdem eine positive Botschaft für die Zunft hätte. Denn seit einiger Zeit schon argumentiert er vehement gegen die Schlechtmacherei vor allem der Printbranche – auch durch die Printmedien und ihre Vertreter selber. "Wir müssen furchtlos schauen, was wir anders und besser machen können", sagte er am Mittwoch in Berlin. "Sonst könnten wir es auch bleiben lassen." Focus-Chef Jörg Quoos sah es ganz ähnlich: "Wir dürfen uns nicht wie die Print-Dinosaurier vorführen lassen."

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