Tesla: Börsen-Knick nach mm-Story

Nachrichten machen an der Börse Kurse. Doch wie oft gelingt Verlegern tatsächlich ein exklusiver Scoop? Die Online-Ausgabe von manager magazin machte gestern mit einem Interview mit Tesla-Manager Jerôme Guillen über die Zukunftsperspektiven des Elektroautoherstellers auf. An der Wall Street schlug das hohe Wellen: "Die Story eines deutschen Magazins über Teslas Aussichten in Europa führt dazu, dass die Aktie heute sinkt", fand der Business Insider. Allein: Das Interview war weniger dramatisch als die US-Wahrnehmung.

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Nachrichten machen an der Börse Kurse. Doch wie oft gelingt Verlegern tatsächlich ein exklusiver Scoop? Die Online-Ausgabe von manager magazin machte gestern mit einem Interview mit Tesla-Manager Jerôme Guillen über die Zukunftsperspektiven des Elektroautoherstellers auf. An der Wall Street schlug das hohe Wellen: "Die Story eines deutschen Magazins über Teslas Aussichten in Europa führt dazu, dass die Aktie heute sinkt", fand der Business Insider. Allein: Das Interview war weniger dramatisch als die US-Wahrnehmung.

Elon Musk konnte sich zuletzt wahrlich nicht über schlechte Presse beklagen – immer wieder wird der frühere Paypal-Gründer und heutige Tesla-Besitzer schon als der nächste Steve Jobs gehandelt. Der 42-jährige Überflieger, der sich gestern zu Interviewterminen im München aufhielt, dürfte sich in Zukunft aber vielleicht noch genauer überlegen, was er deutschen Journalisten so diktiert. Am Ende könnte es zu einem Kursrutsch führen, wie am selben Tag zu beobachten war.    

"Die Story eines deutschen Magazins über Teslas Aussichten in Europa führt dazu, dass die Aktie heute sinkt", fand Musk gestern in den heimischen Medien umgehend die Erklärung für den Einbruch, der nach Handelsstart einsetzte und sich bis Börsenschluss an der Wall Street beschleunigte. An einem wenig aufregenden Handelstag kam die Aktie des boomenden Elektroautoherstellers um 6 Prozent unter die Räder.

Kurssturz nach Interview in manager-magazin.de

Wer war nun das "deutsche Magazin", das den Höhenflug des Börsensuperstars gestern angeblich so unsanft bremste? Die Online-Ausgabe des manager magazins
veröffentlichte gestern Mittag – also etwa drei Stunden vor US-Handelsstart – ein lesenwertes Interview mit Tesla-Manager Jerôme Guillen, der beim Elektroautohersteller die neue Baureihe "Model S" verantwortet.

"Tesla sucht händeringend Leute in Europa", lautet die Überschrift. Der Aufmacher:
 "In den USA schlägt Teslas Elektroauto Model S bereits manche deutsche Luxuslimousine bei den Neuzulassungen. Seit kurzem ist das Auto auch in Europa erhältlich. Tesla-Manager Jerôme Guillen über zufriedene Kunden, schnelles Wachstum – und sein ungewohntes Personalproblem." So weit, so wenig verdächtig, irgendwelche Kursturbulenzen auszulösen.

Business Insider: "Story legt größere Herausforderungen in Europa als erwartet nahe"

Einige Stunden später findet das Interview dann in US-Medien sein Echo. Beim gewöhnlich schnell agierenden Blogkonglomerat Business Insider klingt die Sache dann weitaus dramatischer: "Die Tesla-Aktie verliert heute 4 Prozent nach einer Story des deutschen Manager Magazins. Sie legt nahe, dass der Autohersteller doch vor größeren Herausforderungen bei der Expansion in der europäischen Markt steht als bisher angenommen."

An dieser Stelle verselbständigt sich "die Story", die ja tatsächlich ein Interview ist, zwischen Hamburg und New York. Was Jerôme Guillen gesagt hat, heißt bei manager magazin online noch so: "Unsere größte Herausforderung ist derzeit die Weiterentwicklung und Expansion in Europa." Dass diese Herausforderung nun "größer" ausfällt "als bisher angenommen", ist eine Interpretation des US-Blogkonglomerats.
    
manager magazin-Story verselbstständigte sich

Dass das Interview mit Jerôme Guillen in seiner vermeintlichen Brisanz nun also für einen Kurssturz mitverantwortlich sein soll, erscheint nach der Lektüre recht weit hergeholt. Hätte Guillen auf eine kursrelevante Veränderung in der Geschäftsentwicklung Teslas hingewiesen, hätte Tesla diese ohnehin per Pflichtmeldung als börsengelistete Aktiengesellschaft anzeigen müssen.

Nach einem auffälligen Handelstag ist es also alles wie immer an der Börse: Irgendeine Erklärung muss am Ende herhalten – und selbst, wenn sie nicht vom Vorstandschef  selbst kommt, erstmals aus dem Deutschen übersetzt werden muss und dann ins Spekulative verfremdet wird.

Näher an der Wahrheit liegt die Tatsache, dass die Tesla-Aktie nach einem monströsen Börsenjahr 2013 mit Kurszuwächsen von 400 Prozent überreif für eine Korrektur erscheint. Vom Business Insider als Kursmacher an der Wall Street geadelt zu werden, bleibt dem Hamburger manager magazin indes unbenommen. 

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