Streit um Redaktionsschließung bei Madsack

Harte Ver.di-Vorhaltungen an Madsack: Die Gewerkschaft wirft dem Verlag vor, die Mantelredaktion der Oberhessischen Presse zu schließen, weil diese sich an einem Warnstreik beteiligt habe. Ab sofort sollen die überregionalen Seiten für die Marburger Zeitung aus dem Madsack-Mutterhaus zugeliefert werden. Auf MEEDIA-Anfrage wiegelt der Verlag allerdings ab. Hannover helfe lediglich aus, um überhaupt eine tägliche Ausgabe zu gewährleisten.

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"Die Oberhessische Presse wird ab heute einige temporäre organisatorische Änderungen in Kraft setzen, um die Produktion zu sichern und die Arbeitsprozesse zu stabilisieren", erklärt Geschäftsführer Steffen Schindler gegenüber MEEDIA. "Leser und Partner müssen sich auf das tägliche Erscheinen der Zeitung verlassen können! Daher wird  – zunächst testweise und provisorisch – auf eine Regiodesk-Arbeitsweise umgestellt und Produktionsunterstützung genutzt: Die Inhalte für den Nachrichtenteil (Politik, Wirtschaft, Vermischtes) liefert vorerst die Berliner-Format-Redaktion aus Hannover zu".

Weiter sieht der Plan der Verlagsmanager vor, die bei der Nachrichten- und Sportredaktion frei werdenden Kräfte in den lokal und regional arbeitenden Teams einzusetzen. "Damit können personelle Engpässe in den Lokalredaktionen aufgelöst werden. Es werden keine Redaktionen geschlossen." Verantwortlich für diese "Engpässe" sollen wiederum die Warnstreiks von DJU und DJV sein.

Das sehen die Gewerkschaften anders. Sie erklären, dass die Oberhessische Presse schon länger ein spezielles Verhältnis zu Tarifverträgen habe. So soll sich die OP bereits 2008 „mit Tarifflucht dem Flächentarifvertrag entzogen und seitdem neu eingestellte Redakteurinnen und Redakteure nur noch zu weit untertariflichen Konditionen beschäftigt“ haben, heißt es in einer Ver.di-Mitteilung. Die neuen Kollegen sollen monatlich bis zu 1.000 Euro weniger bekommen, als ihnen eigentlich laut Tarifvertrag zustehe.

„Wir gehen allerdings davon aus, dass die Schließung der Mantelredaktion mittelfristig ohnehin beschlossene Sache ist“, sagt Manfred Moos von Ver.di Hessen. Erst Anfang Oktober hatte der Verlag auf einer Führungskräftetagung sein Zukunftsprogramm "Madsack 2018" vorgestellt. Teil des Konzeptes ist der Aufbau einer Zentralredaktion für alle Mantelteile der Regionaltitel.

In diesem Kontext passt natürlich die Schließung der Mantelredaktion in Marburg. „Jetzt den Redakteurinnen und Redakteuren wegen eines Warnstreiks die Schuld zuzuschieben, ist zynisch und verantwortungslos“, kommentiert Moos. Wie aus Hannover zu hören ist, sind die Strukturen innerhalb des Verlages noch nicht aufgebaut, um auf eine Zentralredaktion umzustellen. Im Mutterhaus laufen offenbar jetzt erst die ersten Vorplanungen an.

Madsack gehört zu den größten deutschen Regionalverlagen – der Außenumsatz lag 2012 bei 671,5 Millionen Euro. Zwar verbuchte der Konzern im vergangenen jahr einen Fehlbetrag von 14,4 Millionen Euro, doch knapp 20 Millionen wurden in neue Unternehmungen gesteckt, wie etwa die Märkische Allgemeine. 2011 erreichte Madsack ein Plus von 8,5 Millionen Euro. Den Niedersachsen geht es also vergleichsweise gut.

Die Oberhessische Presse erregte gerade erst bundesweite Aufmerksamkeit, weil die Nordhessen ihren Platz, den sie bei der Verlosung der Presseakkreditierungen für den NSU-Prozess erhielten, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überließen.

Die Auflage der OP lag im dritten Quartal 2013 bei 26.502 Exemplaren. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Minus 2.36 Prozent.

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